
Seit über 10 Jahren ist Greg Geisler, wohnhaft in Austin, Texas, als freiberuflicher Designer tätig. Derzeit arbeitet er an verschiedenen Website- und Online-Bildungsprojekten. Zu seinen auffälligsten Werken zählen aber eindringliche, irritierende Porträts, die er mit Adobe® Illustrator® zeichnet.
Seit 20 Jahren erstellt Geisler Designs, Illustrationen und Animationen am Computer. Dieser Erfahrungsschatz brachte ihn in das Produktions-Team des Films „A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm“, wo er an der Entwicklung der Hintergrundgrafiken beteiligt war. Bei einer darauffolgenden Zusammenarbeit mit den Herstellern der Software, die bei „A Scanner Darkly“ eingesetzt wurde, wirkte er an einem animierten Kurzfilm und einer wöchentlichen Animationsserie mit.
Im folgenden Artikel beschreibt Geisler, wie er mithilfe des Borstenpinsels von Illustrator CS5 dem Gesicht in „Blue Mirror“ seine geheimnisvolle Aura verliehen hat.
Ich bin mehr Grafiker als Maler. Eine richtige Kunstausbildung hatte ich nicht, daher ist es gut möglich, dass andere Künstler meine Methoden als unorthodox oder unsauber empfinden.
Bei mir fängt jedes Projekt mit einer Linienskizze an – danach ist mein Arbeitsprozess aber alles andere als linear. Ich gehe eher expressionistisch, ungeschliffen, grob vor. Vermutlich ist dies eine Reaktion auf die sehr genauen Vorgaben, die ich bei meinen Design-Aufträgen befolgen muss. Meine Kunst entsteht spontan. Ich halte mich nicht an irgendwelche Richtlinien für Linienführung und Farbe. Überflüssige Striche und Fehler werden nie gelöscht – den Befehl Strg+Z kenne ich in solchen Momenten nicht. Stattdessen übermale ich sie oder lasse sie durchschimmern. Ich arbeite viel mit Ebenen und Deckkrafteinstellungen.
Bei diesem Bild habe ich ausnahmsweise einen tendenziell linearen Ansatz verfolgt, um die Funktionsweise und die Vorteile des Borstenpinsels besser demonstrieren zu können. Ausdruckstiefe war das Thema – und perfekt dafür geeignet, zu zeigen, wie man mit unterschiedlichen Pinseleinstellungen Tiefe erzeugen kann.
Ausgangspunkt sollte ein Motiv mit kontrastreichen Tiefen und Lichtern sein. Ich male immer figurative Bilder, meist Porträts. In einer Kiste mit alten Fotos habe ich ein Schwarzweiß-Polaroid aus den frühen 80ern entdeckt.
Das habe ich gescannt und in Adobe Photoshop® als Referenz für meine geplante stilisierte Zeichnung gespeichert. Einzelne Gesichtszüge wurden ins Unnatürliche verzerrt, und den Kopf habe ich in die Länge gezogen. Dann habe ich weitere Farbtöne und Schatten ins Bild schraffiert.

Die entstandene Skizze diente als Vorlage in Illustrator. Mit einem dünnen Borstenpinsel habe ich die Konturen meines Motivs nachgezeichnet. Den Borstenpinsel konnte ich so definieren, dass er sich beim Skizzieren wie ein Bleistift anfühlte und funktionierte. Dieses Tool ist ideal für Künstler, die nach einem leistungsfähigen, vektorbasierten Bleistift-Werkzeug suchen.
Mit einer breiteren Pinselspitze habe ich anschließend Mitteltöne und Schatten grob aufgetragen. Die komplette Grafik habe ich dann mit einem blauen Hintergrund unterlegt, damit helle Stellen später besser zur Geltung kommen.
Diese wurden mit einem breiten transparenten Pinsel aufgetragen. Hier sehen Sie die Lichter in Orange sowie die Einstellungen, die ich für den Borstenpinsel konfiguriert habe.

Unterhalb der orangefarbenen Lichter habe ich ein paar Mitteltöne in einem etwas helleren Blau einschraffiert. Danach kamen tiefschwarze Schattenbereiche hinzu.
Die folgende Pfadansicht veranschaulicht, wie sich die einzelnen Konturen nach und nach zu einem vollständigen Bild zusammensetzen.

Mit einem breiten, deckenden Borstenpinsel kann man grobkantige Rahmen wie diese in wenigen Sekunden erstellen. Dazu habe ich ein Rechteck skizziert, die Konturen vergrößert und dann alles mit den Pathfinder-Tools zusammengeführt. Ich wollte eine Maske erstellen, die den blauen Hintergrund an manchen Stellen noch durchscheinen lässt. Daher habe ich den noch leeren Bereich um den Kopf herum nur mit groben, farbigen Bleistiftstrichen ausgemalt.
Diese Striche habe ich abschließend mit dem Rahmen zusammengeführt, um die gewünschte Maske zu generieren.

Dann ging es mit der Feinarbeit weiter. Mithilfe von neuen Ebenen und verschiedenen transparenten Pinseln habe ich die Augen ausgestaltet und einzelne Bereiche mit zusätzlichen Farbfüllungen geglättet.

Zum Schluss wollte ich den Hintergrund strukturieren. Dies ist ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie der Borstenpinsel langwierige Aufgaben beschleunigen kann. Mit einigen wenigen Pinselstrichen lässt sich eine Struktur gestalten, die so komplex und filigran wirkt, als wären dafür Hunderte von Pinselstrichen nötig gewesen.
Laden Sie die Quelldateien für Greg Geislers „Blue Mirror“ herunter.