Überarbeiteter Textauszug aus „Photoshop CS2: Essential Skills“ von Mark Galer und Philip Andrews
Die meisten von Ihnen kennen wahrscheinlich Polaroid-Sofortbilder – Sie drücken auf einen Knopf, das Bild wird ausgegeben und wird direkt vor Ihren Augen entwickelt. Seit vielen Jahren verwenden professionelle Hersteller von Bildern die einzigartigen Funktionen dieser Technologie, um interessant strukturierte Bilder zu erstellen. Bei diesem Prozess musste die von Polaroid gelieferte Druckoberfläche durch Aquarellpapier ersetzt werden. Dadurch wurde das Bild auf das raue Papier transferiert und wies in Bezug auf Oberfläche und Aussehen ganz andere Eigenschaften als ein Standard-Polaroidbild auf.
Diese Methode wirkte zwar sehr kunstvoll, aber die Ergebnisse waren nicht immer vorhersehbar, und es war (sehr zum Verdruss vieler Fotografen) häufig schwierig, den Erfolg bei anderen Bildern zu wiederholen. Es gab drei Hauptprobleme: Dunkle Bereiche eines Bildes wurden häufig nicht auf die neue Oberfläche transferiert und es war schwierig zu kontrollieren, wie stark Farben und Bilddetails verlaufen würden und wie hell oder dunkel das endgültige Bild werden würde. Ich kenne diese Probleme gut, da ich einmal 16 Blätter teuren Sofortbildfilms benötigt habe, um ein paar annehmbare Bilder zu erstellen.
Eine solche „Erfolgsquote“ kann ich mir nicht leisten. Deswegen habe ich angefangen, mit der digitalen Version dieser beliebten Technik in Adobe® Photoshop® CS2herumzuspielen. Ich wollte ein Verfahren finden, das besser vorhersagbar, steuerbar und wiederholbar war. Als Erstes habe ich die Eigenschaften der Polaroidbilder aufgelistet, sodass ich sie digital simulieren konnte. Für mich waren vier Hauptelemente wichtig:
ungesättigte Farben
melierte Tinte
spezielle Papierstruktur und -farbe
der Polaroid-Filmrahmen
Wenn ich diese Charakteristika auf dem Desktop reproduzieren könnte, hätte ich die Essenz des Polaroid-Verfahrens reproduziert.

Ahmen Sie mit Photoshop CS2 und einem Digitalfoto den Polaroid-Transfereffekt nach.
Hinweis: Für das folgende Verfahren werden drei Bilder verwendet – das Originalfoto, ein Foto von Aquarellpapier und ein Bild eines Polaroid-Rahmens. Sie können für diesen Lehrgang Ihre eigenen Bilder verwenden oder die hier benutzten von der folgenden Website zum Buch herunterladen: www.photoshopessentialskills.com.
Für das Polaroid-Verfahren muss das Aquarellpapier zum Zeitpunkt des Transfervorganges leicht feucht sein. Durch die Feuchtigkeit wird der Transfer des Bildes vom einen Papier auf das andere erleichtert, doch führt dies häufig dazu, dass die Sättigung der Farben verringert wird und feine Details verloren gehen. Auch die raue Oberfläche des Ursprungspapiers trug zu dieser Eigenschaft bei.
Der erste Schritt beim Erstellen einer Digitalversion ist also, die Farbsättigung des Beispielbildes zu verringern. In Photoshop können Sie dies mithilfe des Dialogfelds „Farbton/Sättigung“ erzielen („Bild“ > „Anpassen“ > „Farbton/Sättigung“). Öffnen Sie das Dialogfeld und schieben Sie den Regler „Sättigung“ vorsichtig nach links. Dadurch verringert sich die Intensität der Farben in Ihrem Bild.

Verwenden Sie den Regler „Sättigung“, um die Intensität der Farben im Bild zu verringern.
Die speziellen Eigenschaften der Oberfläche und der Bildqualität von Polaroid-Transferbildern kombinieren Schärfe und Bildbrechung in einem Bild. Um diesen Effekt digital zu reproduzieren, habe ich das Originalbild auf eine zweite Ebene kopiert. Mein Gedanke war, eine Version zu bearbeiten, sodass sie den Melierungseffekt des Transferbildes wiedergibt, und zugleich die zweite Version unberührt zu lassen. Dann könnte ich mit den Füllmethoden und Deckkraftfunktionen in den einzelnen Photoshop-Ebenen den Schärfegrad und die Melierung des endgültigen Bildes festlegen.
In der Praxis habe ich zunächst die Bildebene dupliziert. Wählen Sie hierzu die zu kopierende Ebene aus und duplizieren Sie sie mit dem Befehl „Ebene“ > „Ebene duplizieren“. Stattdessen können Sie auch die Ebene auf die Schaltfläche „Neue Ebene erstellen“ unten in der Ebenen-Palette ziehen.

Erstellen Sie eine neue, duplizierte Ebene, indem Sie den Befehl „Ebene duplizieren“ verwenden oder die Ebene auf die Schaltfläche „Neue Ebene erstellen“ ziehen.
Anschließend habe ich die oberste Ebene ausgewählt und nach einer Methode gesucht, die Melierung des Transferbildes zu simulieren. Obwohl es nicht ganz perfekt war, erzielte ich doch ganz akzeptable Ergebnisse, indem ich die Effekte der Filter „Ölfarbe getupft“ und „Malmesser“ kombinierte. Denken Sie beim Verwenden dieser Filter daran, dass die zu verwendeten Einstellungen je nach Stil und Größe Ihres Bildes unterschiedlich sein können. Verwenden Sie die Einstellungen im Beispiel lediglich als Ausgangspunkt. Hier müssen Sie selbst sehen, was für Ihr Bild am besten passt. Frei nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“. Experimentieren Sie ruhig auch ein wenig mit den Optionen in den Untermenüs im Menü „Filter“: „Kunstfilter“, „Zeichenfilter“, „Strukturierungsfilter“ usw.

Experimentieren Sie mit verschiedenen Filtern, um einen Melierungseffekt zu erzielen.
Der letzte Schritt beim Strukturieren ist, die Charakteristika der zwei Ebenen zu kombinieren. Dies können Sie erzielen, indem Sie die Füllmethode der obersten Ebene ändern und/oder die Deckkraft derselben anpassen. Für das Beispielbild war nur eine einfache Änderung der Deckkraft erforderlich, aber probieren Sie ruhig auch andere Kombinationen von Füllmethode und Deckkraft aus.

Passen Sie die Deckkraft der obersten Ebene an.