
Dan Covert und Andre Andreev können ein breites Spektrum an Know-how in Design, Grafikanimation, kreativer Leitung, Markenentwicklung und Webdesign vorweisen. Als sie 2007 die Agentur Dress Code gründeten, sollte diese sich folglich nicht auf ein einziges Medium oder einen bestimmten Stil beschränken, sondern kreativ-flexibel sein.
Das Gen Art Film Festival ist nicht irgendein Filmfest. Bei sieben Filmpremieren an sieben Tagen – jede mit einer eigenen Aftershow-Party – sind auf der Gen Art das Nachtleben und Feiern genauso wichtig wie die Filme selbst. Der 15. Jahrestag des Events sollte alle bisherigen Ausgaben übertreffen. Dress Code wollte die Energie und den Geist des einwöchigen Festivals mit einer ganz eigenen Bildsprache transportieren. Das Ziel war, von der filmisch-intellektuellen Schiene auf ein jugendlich-hippes Design zu wechseln – auf etwas, das Spaß macht.
Die Kreativen entwarfen eine cross-mediale Kampagne mit Web-Bannern, E-Mails, Websites, Laufschriften, Postern, einem digitalen Programmführer und Namensschildern sowie einem Fernseh-Spot. Die Bildsprache, die Covert und Andreev dafür entwickelten, sollte sich individuell an das jeweilige Medium anpassen lassen. Sie sollte also weit mehr leisten als ein simples Logo, das überall immer gleich eingesetzt wird.

Zu Beginn haben wir Gespräche mit den Organisatoren geführt und Ideen und Referenzmaterial gesammelt. Wir suchten nach etwas Neuem, visuell Spannendem und Zeitgemäßem, das nicht bemüht visionär daherkommt.
Als Nächstes experimentierten wir mit den gesammelten Ideen herum und entwickelten sie weiter. Wir untersuchten Schriften, Bilder, Muster und Formen. Es war wie ein Virus: Jeder bei Dress Code infizierte sich und machte mit. Was wir mochten, hängten wir an eine riesige Magnetwand, änderten hier etwas, sortierten dort etwas aus – bis wir unsere Favoriten hatten, die wir dem Kunden schlussendlich präsentierten.

Ursprünglich entwarfen wir die Schrift mit Markern auf Papier, wodurch sie natürlich grob und ungelenk wirkte. Aber gerade das gefiel Gen Art, denn die Schrift hatte etwas Spontanes und erinnerte an eine Lippenstift-Botschaft auf dem Spiegel. Wir verfeinerten die Schrift also und verwendeten nun Pinsel statt der Stifte, was eine bessere Variation der Strichbreite ermöglichte.
Das endgültige Ergebnis scannten wir ein, um es in Adobe® Illustrator® mit der Funktion „Interaktiv nachzeichnen“ in Vektorpfade umzuwandeln. Diese Funktion erfordert ein paar Versuche mit den Einstellungen für Pfadeinpassung und Schwellenwert, bis die Linienqualität an die des Scans heranreicht. Mittels Grafiktablett und Stift gaben wir den Kurven dann mit dem Buntstift-Werkzeug noch den letzten Schliff, damit sie gefälliger und lebendiger wirkten. Zum Schluss verfeinerten wir die Kurven mit dem Glätten-Werkzeug, um überflüssige Pixel oder Unregelmäßigkeiten zu beseitigen. (Irgendwie erinnert uns diese Arbeit immer an Modellage mit Ton.)





Wir erkannten natürlich, dass diese Vorgehensweise nicht wirklich praktisch ist, wenn wir so viele Komponenten für die Kampagne gestalten wollten. Die Herausforderung bestand also darin, die Schrift auf dem Computer möglichst schnell nachzubilden, ohne den besonderen Charakter zu verlieren. Gelungen ist uns das schließlich, indem wir zwei benutzerdefinierte Pinsel in Illustrator erstellt haben, die unseren Duktus auf dem Papierentwurf simulierten.
Mit dem größeren Illustrator-Pinsel haben wir erst einmal die Schrift vorgezeichnet, mit dem kleineren Pinsel die Konturen dann verfeinert. Die Kurven haben wir mit dem Glätten-Werkzeug nachgearbeitet. Der Trick dabei: Versuche erst gar nicht, alles in einer Bewegung hinzukriegen. Man muss sich Stück für Stück vortasten und die Maus oder den Stift zwischendurch auch mal absetzen. Als das Ergebnis schließlich stand, haben wir den Pathfinder darauf angewandt und so jedes Wort in ein eigenständiges Objekt umgewandelt.




Wir haben für die Namensschilder der Filmfest-Teilnehmer mehrere Zeichenflächen in Illustrator erstellt. Es gab drei verschiedene Vorderseiten; die Rückseite war bei allen gleich. Die Verwendung mehrerer Zeichenflächen machte es leichter für uns, das Layout so zu gestalten, dass der Drucker später genau nachvollziehen konnte, wie die Seitenpaare zusammengehören.
Es erschien uns logischer, die Schrift direkt in Illustrator zu entwerfen und dann die Pfade für die Animation in Adobe After Effects® und Cinema 4D zu exportieren. Der Entwurf per Hand und die Umwandlung in Pfade per „Interaktiv nachzeichnen“ wären einfach zu umständlich gewesen. Bei der Umwandlung in Pfade entstehen einfach zu viele unerwünschte Ankerpunkte, die Ausbuchtungen und Ecken verursachen.


Mit Illustrator konnten wir auch für alle Animationen ein Storyboard anlegen, bevor wir uns an die Umsetzung machten. So haben wir zum Beispiel für die Laufschrift zunächst die Maße festgelegt und den zeitlichen Ablauf geplant, was uns die spätere Animation sehr erleichtert hat.
Unser Geheimtipp für einen wirklich coolen Effekt: Wählen Sie ein beliebiges Formwerkzeug aus – Rechteck, Ellipse, Stern usw. –, und ziehen Sie die Form bei gedrückter Tildetaste mit dem Cursor nach.