
Dr. Patti Shank, C.P.T., ist eine sehr bekannte Instruktionsdesignerin, Technologin und Autorin. Sie unterrichtet webbasierte Lehrtechniken und führt Schulungen für Lehrkräfte zu diesem Thema durch. Kontaktinformationen finden Sie auf Patti Shanks Website.
Patti Shank
Durch die zunehmende Verbreitung von Breitband-Internetanschlüssen steigt der Druck auf Gestalter interaktiver Inhalte, multimediale Inhalte und dynamische Grafiken in ihre Projekte zu integrieren. Die multimediale Vermittlung von Lerninhalten kann zu wesentlich besseren Lernerfolgen führen als die Vermittlung über ein einziges Medium (wie z. B. Text). Wichtig dabei ist jedoch, nicht einfach nur Medien hinzuzufügen, sondern sie effektiv zu kombinieren.
Zum Erstellen effektiver multimedialer Lehrmaterialien müssen die betreffenden Medien in wohlüberlegter Weise kombiniert werden, sodass die besonderen Charakteristika der einzelnen Medien vorteilhaft genutzt werden können. Am effektivsten sind solche Multimedia-Lehrmaterialien, die mit der realen Welt vergleichbare Lernerlebnisse bieten und es den Lernenden ermöglichen, die Lerninhalte in verschiedenen Zusammenhängen anzuwenden.
Bei einer meiner früheren Tätigkeiten als Schulungsleiterin einer medizinischen Einrichtung kaufte ich ein CBT-Programm (Computer-based Training, computergestützte Schulung), mit dessen Hilfe medizinisch-technisches Personal medizinische Fachausdrücke lernen sollte. Zur damaligen Zeit galt dieses vollständig textbasierte Programm als revolutionär. Ich erinnere mich, dass Bonnie Newton, meine Schulungskollegin, und ich froh waren, all jenen eine Alternative bieten zu können, die nicht an Bonnies außerordentlich beliebten Seminaren über medizinische Fachausdrücke teilnehmen konnten. Diese Schulung war für alle unverzichtbar, die die Bedeutung von Ausdrücken wie „makrovaskulär“ oder „Makroglossie“ kennen mussten. Das Vorhandensein mehrerer Schulungsmöglichkeiten bot den betroffenen Personen die erforderliche Flexibilität, die Schulung zu einem für sie geeigneten Zeitpunkt zu absolvieren.
Heute, 15 Jahre später, werden medizinische Fachausdrücke mithilfe von E-Learning-Anwendungen vermittelt. Alle Ausdrücke werden mit grafischen Darstellungen veranschaulicht, die richtige Aussprache wird per Audioclip vorgeführt, Animationen visualisieren verschiedene Bestandteile jedes Ausdrucks und Videos zeigen deren alltäglichen Gebrauch. Lernende können elektronische Karteikarten verwenden und druckbare Dokumente zur Lernunterstützung herunterladen. Seminare in Unterrichtsräumen ermöglichten eine direkte Interaktion. Das alte computergestützte Schulungsmaterial sorgte für Flexibilität bei den Schulungen. Mit Multimedia kann weitaus lebendiger gelernt werden als mit den alten computergestützten Schulungsmaterialien. Beispielsweise ist es möglich, bestimmte Sachverhalte durch den Einsatz von Multimedia und den sich daraus ergebenden mehrfachen Darstellungsmöglichkeiten verständlicher zu vermitteln, wie z. B. bei Verfahrensvorschriften, die durch Animationen veranschaulicht werden. Zusätzliche Informationskanäle und -quellen ermöglichen es den Lernenden, ihr Wissen zu vertiefen. Videos steuern durch Bild und Ton zusätzlich eine Fülle von Informationen und Inhalten bei. Doch wenn Multimedia nicht gut durchdacht eingesetzt wird, erhöht es unnötigerweise die Komplexität des Schulungsmaterials und führt zu Frustrationen bei den Lernenden.
Es gibt unterschiedliche Definitionen für Multimedia. Richard Mayer, Professor für Psychologie an der University of California, Santa Barbara, definiert Multimedia als Präsentation von Inhalten mithilfe von Text und Grafiken. Diese Definition stellt m. E. einen guten Ausgangspunkt dar, sie erfasst jedoch nicht die Faktoren, die die Effektivität des Einsatzes von Multimedia für Lernzwecke entscheidend beeinflussen.
Mao Neo und Ken T. K. Neo, Dozenten an der Multimedia University in Malaysia, haben diese Definition erweitert. Sie definieren Multimedia als „Kombination verschiedener digitaler Medientypen, wie z. B. Text, Bilder, Audio und Video, zu einer integrierten, multisensorischen, interaktiven Anwendung oder Präsentation zur Übermittlung von Nachrichten oder Informationen an ein Publikum.“ Diese Definition gefällt mir, weil sie impliziert, dass die Kombination mehr ergibt als die Summe ihrer Teile. Genau das ist meiner Meinung nach die für Lernzwecke wichtigste Eigenschaft von Multimedia. Bei jeder Kombination oder Permutation von verbreiteten Medienformaten sollte das Ergebnis größer sein als die Summe seiner Teile.
Multimedia besitzt in jedem Fall das Potenzial, die Menge und Art der Informationen für Lernende zu erweitern. Es kann viele nützliche Informationsquellen bieten, aber auch Frustrationen und Überlastungen bei den Lernenden durch unnötige Informationen verursachen. Online-Lexika können zum Beispiel zu bestimmten Themen Hyperlinks zu Videos und ergänzenden Artikeln bereitstellen. Nachrichtenbeiträge können Hyperlinks zu Audiokommentaren, Videoaufzeichnungen oder Websites mit zusätzlichen Informationen enthalten. Online-Trainings können Erklärungen, Hyperlinks zu Ressourcen, Simulationen, Illustrationen und Fotos sowie unzählige Arten von Aktivitäten umfassen, die selbst ebenfalls Multimedia beinhalten können. Bei zu vielen Informationsquellen und Medien werden die Vorteile jedoch von der Notwendigkeit überschattet, aus der angebotenen Informationsfülle die benötigten Informationen herauszufiltern.
Abb. 1: Beispiel für den Einsatz von Multimedia bei der Online-Softwareschulung
Abb. 1 zeigt einen Screenshot einer komplexen Softwareschulung, die von Learning Peaks entwickelt wurde. Das Inhaltsverzeichnis (das nur bei Bedarf automatisch eingeblendet wird, um Bildschirmplatz zu sparen) verweist auf eine Reihe von multimedialen Hilfsmitteln wie Rollovers, Animationen, Simulationen und Arbeitsmittel.
Mayer erläutert, dass Menschen Informationen über zwei Hauptkanäle verarbeiten: den verbalen und den visuellen Kanal. Aus diesem Grund wird häufig davon ausgegangen, dass Multimedia schon deshalb das Lernen besser unterstützt, weil beide Kanäle angesprochen werden. Untersuchungen haben ergeben, dass Multimedia das Lernen erleichtert, weil es unterschiedlichen Lernvorlieben entgegenkommt. Multimedia macht sich die Fähigkeit des menschlichen Gehirns zunutze, Informationen parallel zu verarbeiten. Obwohl Multimedia viele Möglichkeiten bietet, den Lernerfolg zu verbessern, kann es auch ineffektiv, ja sogar dem Lernerfolg abträglich sein, wenn die multimediale Unterstützung schlecht implementiert wird.
In den folgenden Abschnitten wird beschrieben, wie die moderne Lerntheorie menschliche Lernvorgänge erklärt und wie Multimedia den Lernerfolg verbessern oder verschlechtern kann. Außerdem werden Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen von Multimedia auf das Lernen vorgestellt sowie Empfehlungen für lerngerechte Designs gegeben. Ferner wird der Frage nachgegangen, warum fehlendes Augenmerk beim Design sich negativ auf die Lernumgebung auswirken kann.
Bevor ich auf die Forschungsergebnisse dazu eingehe, wie Multimedia den Lernerfolg fördern oder behindern kann, werde ich einige weit verbreitete Vorstellungen zu den menschlichen Lernvorgängen, zur Komplexität des Lernprozesses und der Notwendigkeit, Multimedia unter dem Aspekt dieser Komplexität zu betrachten, untersuchen.
Lernen wird oft als Informationsübertragung von einer Person (dem Lehrenden oder Spezialisten) zu einer anderen (dem Lernenden) angesehen. Nach dieser Sichtweise erhalten die Lernenden Informationen von einem Spezialisten und speichern diese in ihrem Gedächtnis.
Abb. 2: Lernen als Informationsübertragung
Diese Vorstellung vom Lernen ist zwar weit verbreitet, jedoch zu einfach. Bei diesem Ansatz werden Lernende als passive Empfänger von Informationen verstanden. Außerdem bietet der Ansatz keine Leitlinien zum Entwerfen von effektiven Lernumgebungen. Designer mit dieser Vorstellung vom Lernen entwerfen häufig Lernumgebungen, denen wichtige Elemente für effektives Lernen fehlen, wie z. B. sinnvolle Interaktionen, Feedback oder die Fähigkeit zur Adaption.
Dem steht die Ansicht entgegen, dass zum Lernen neuer Informationen diese durch Anwenden im täglichen Leben von den Lernenden aktiv in ihren Wissensschatz integriert werden müssen. Nach diesem Ansatz erfordert der Lernprozess eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie die neuen Informationen in den vorhandenen Wissensschatz einzuordnen sind und wie sie für komplexe Fertigkeiten und Fähigkeiten genutzt werden können. Einfaches Merken von isolierten Fakten oder Vorgehensweisen genügt nicht.
Abb. 3: Lernen als komplexe, integrative Prozessübertragung
Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob jemand einfach nur gespeicherte Informationen wiedergeben kann oder in der Lage ist, diese Informationen im alltäglichen Leben anzuwenden. Ziel vieler Unterrichtskonzepte ist Auswendiglernen oder oberflächliches Lernen. Doch solche Konzepte reichen nicht weit genug. Das eigentliche Lernziel ist der Erwerb von komplexen Fertigkeiten und Fähigkeiten, die im wirklichen Leben angewendet werden können, nicht einfach nur die Fähigkeit zum Abrufen gespeicherter Informationen.
Deklaratives Wissen ist die Kenntnis von Sachverhalten (die Fähigkeit darzustellen, aufzulisten, abzugleichen, zu beschreiben usw.). Prozedurales Wissen ist die Kenntnis von Vorgehens- und Verfahrensweisen (die Befähigung zum Einsatz komplexer Fertigkeiten im wirklichen Leben). Wartungstechniker, die die Bauteile von Kopierern auflisten können, besitzen deklaratives Wissen. Die Wartungstechniker, die Kenntnis von der Funktionsweise und dem Zusammenwirken der einzelnen Bauteile haben und dieses Wissen zur Fehlerbehebung einsetzen können, besitzen prozedurales Wissen. Deklaratives Wissen ist in der Regel Bestandteil prozeduralen Wissens, doch deklaratives Wissen allein ist nicht ausreichend. Viel zu häufig beschränken sich Unterrichtskonzepte auf die deklarative Ebene, obwohl für tatsächliche Aufgaben prozedurales Wissen benötigt wird.
Das Ziel eines effektiven Unterrichtskonzeptes ist die Bereitstellung formaler Gelegenheiten zur Entwicklung komplexer Fertigkeiten und Fähigkeiten (d. h. prozeduralen Wissens). Im Informationsübertragungsmodell besteht das Ziel des Unterrichtsentwurfs im Präsentieren von Informationen und Beurteilen der Erinnerungsleistung der Lernenden. Dieses Modell eignet sich zum Vermitteln von Informationen, wofür keine besonderen Fertigkeiten erforderlich sind, nicht jedoch für Trainings. Im Konstruktionsmodell besteht das Ziel des Unterrichtsentwurfs darin, den Lernenden die Möglichkeit zu geben, sich zunehmend komplexere Fertigkeiten und Fähigkeiten anzueignen und anschließend zu beurteilen, wie sie dieses Wissen in wirklichkeitsnahen Situationen anwenden.
Vertreter moderner Lerntheorien wie Spiro, Bereiter und Brown glauben, dass ein Hauptziel des Unterrichts sein sollte, Lernenden die Möglichkeit zu bieten, Fertigkeiten zu erlangen, die für ihre jeweils eigenen Lebensbereiche relevant sind. Dabei ist ein wichtiger Schritt der Aufbau effektiver mentaler Modelle. Mentale Modelle sind interne Repräsentationen der Wirklichkeit. Ein Training, in dem die Funktionsweise eines Kopierers erklärt werden soll, muss also so konzipiert sein, dass er den Lernenden dabei hilft, das Zusammenwirken der Bauteile zu verstehen, sodass sie anschließend nicht nur in der Lage sind, Bilder von Bauteilen den passenden Bauteilbezeichnungen zuzuordnen, sondern auch das Gerät zu bedienen bzw. zu reparieren.
Der Kognitionswissenschaftler und Berater Donald Norman beschreibt, wie präzise uns mentale Modell dabei helfen, Aufgaben effizienter und effektiver auszuführen. Auf den Gebieten der Mensch-Computer-Interaktion und der Computer-Usability wird besonderer Wert darauf gelegt, Menschen bei der Bildung von effektiven mentalen Modellen zu unterstützen. Präzise oder vollständige mentale Modelle sind auch beim Instruktionsdesign wichtig, da sie einen Eckpfeiler für effektives Lernen darstellen.
Mithilfe gut konzipierter Multimedia-Lernumgebungen können Lernende präzisere und effektivere mentale Modelle entwickeln als durch die ausschließliche Verwendung von Texten. Shephards Untersuchungen haben gezeigt, dass gut konzipierte Multimedia-Lernumgebungen einen positiven Einfluss auf die folgenden Fähigkeiten haben können:
1. Alternative Sichtweisen
2. Aktive Beteiligung
3. Beschleunigtes Lernen
4. Speicherung und Anwendung von Wissen
5. Problemlösungs- und Entscheidungsfindungsfähigkeiten
6. Systemverständnis
7. Abstraktes Denken
8. Autonomie und Fokussierung
9. Kontrolle über Tempo und Abfolge von Informationsflüssen
10. Zugriff auf unterstützende Informationen
Mayer beschreibt ebenfalls die möglichen Vorteile beim Einsatz von Multimedia: Menschen besäßen die Fähigkeit zur visuellen und auditorischen Informationsverarbeitung, erläutert er. Multimedia spreche beide Fähigkeiten gleichzeitig an. Außerdem würden beide Kanäle Informationen auf recht unterschiedliche Weise verarbeiten. Eine Kombination verschiedener Medien sei deswegen sinnvoll, weil sie die Fähigkeiten beider System in Anspruch nähme. Bedeutungsvolle Verbindungen zwischen Text und Grafik könnten zu einem besseren Verständnis und besseren mentalen Modellen führen, als Text oder Grafik allein.
Abb. 4: Kombination von Text und Video bei einer Online-Schulung für Verkaufspersonal
Abb. 4 zeigt einen Screenshot einer Schulung für Verkaufspersonal, die von Learning Peaks entwickelt wurde. In diesem Beispiel beschreibt der Text auf der rechten Seite kurz den Inhalt des Videos. Mayers Prinzip der räumlichen Nähe (weiter unten in Tabelle 1 beschrieben) sieht vor, dass zusammengehörige Texte und Bilder möglichst nahe beieinander platziert werden sollen, um den Lernerfolg zu verbessern.
Hede und Hede haben ein Modell der unzähligen Faktoren erstellt, die die Lerneffektivität bei Verwendung von Multimedia beeinflussen können (Abb. 5).
Abb. 5: Hede und Hedes Modell der Auswirkungen von Multimedia auf das Lernen
Mit diesem Modell können Designer feststellen, welche Faktoren höchstwahrscheinlich die Effektivität von Multimedia beim Lernen verringern bzw. erhöhen. Liaos Metaanalyse des Modells ergab inkonsistente Lernergebnisse bei Verwendung von Multimedia. Diese Inkonsistenzen rühren aber höchstwahrscheinlich von den verschiedenen Faktoren im Modell her: Liaos Ergebnisse zeigen, wie wichtig das Gesamtinstruktionsdesign für die Effektivität von Multimedia ist, da jeder Faktor im Modell von Hede und Hede das Lernen beeinflussen kann. Meine Meinung bezüglich der Inkonsistenzen bei Untersuchungen ist, dass bei vielen Projekten nicht genügend Faktoren des obigen Modells berücksichtigt werden, was dann zwangsläufig zu Inkonsistenzen bei den Ergebnissen führt. Um es noch einmal zu wiederholen: Multimedia kann positive Auswirkungen auf das Lernen haben, aber der Einsatz muss wohlüberlegt und gut konzipiert sein.
Neben diesen primär kognitiven Auswirkungen beschäftigen sich Astleitner/Wiesner und andere mit den Auswirkungen von Multimedia auf Gefühle und Motivation. Zum Beispiel besitzt Video emotionale Komponenten, die Auswirkungen darauf haben können, wie Menschen den Inhalt auffassen. Wenn beispielsweise die Personen in einem Schulungsvideo für den Kundendienst zu abgehoben wirken, könnten die Lernenden den Inhalt des Videos für unseriös halten. Daher sollten Motivations- und Emotionsaspekte beim Konzipieren von Multimedia berücksichtigt werden. Sie entsprechen in etwa den Faktoren „Cognitive Engagement“ (Kognitive Einstellung), „Motivation“ und „Learner Style“ (Lernstil) im Modell von Hede und Hede.
Alessi und Trollip geben an, dass gut konzipierte Lernumgebungen (einschließlich multimediale Lernumgebungen) die folgenden vier Elemente enthalten müssen:
1. Präsentation von Informationen
2. Navigationshilfen
3. Übungen zum Anwenden und Einprägen
4. Beurteilung zur Bestimmung des Bedarfs an Fördermaßnahmen und weiteren Schritten
Abbildungen 6 bis 8 zeigen Beispiele für die vier Elemente.
Abb. 6: Kombination von Text und Grafik zum Präsentieren von Informationen
Abb. 7: Kombination von Text und Grafik als Navigationshilfe
Abb. 8: Simulation zum Üben und Beurteilen
Diese vier Elemente einer Lernumgebung können in E-Learning-Anwendungen integriert sein oder bei einer Kombination aus technologiebasierten und nicht technologiebasierten Lehrmaterialien zur Anwendung kommen, jedoch muss die Lernumgebung alle vier Elemente enthalten, um eine effektive Lernunterstützung zu bieten. Zwar können die meisten dieser Elemente ohne Multimediaunterstützung implementiert werden, aber durch den Einsatz von Multimedia kann ihre Effektivität und Aussagekraft noch erhöht werden. Man denke dabei an mein obiges Beispiel, das Übungsprogramm für medizinische Fachbegriffe, einmal textbasiert und einmal multimediagestützt. Oder Webseiten mit Texthyperlinks im Vergleich zu Hyperlinks mit Bildern und Beschreibungen, die es Lernenden erleichtern, die für sie relevanten Links zu finden. Entscheidend ist, dass wenn die richtigen Elemente ausgewählt und kombiniert werden, diese potenziell überzeugender und effektiver sind.
Häufig werden Forschungsergebnisse von Mayer als Beleg dafür zitiert, dass Multimedia positive Auswirkungen auf das Einprägen und Übertragen von Lerninhalten hat, sofern die nachfolgend beschriebenen Prinzipien beachtet werden. Diese Prinzipien beruhen auf den Erkenntnissen der Kognitionswissenschaft zu den Beschränkungen des Arbeitsgedächtnisses und zu den Verfahren zum Speichern von Informationen im Langzeitgedächtnis.

Tabelle 1: Prinzipien, die die Effektivität von Multimedia beeinflussen (nach Mayer)
Multimediagestütztes Lernen interessiert nicht nur Personen im traditionellen Umfeld von Bildungseinrichtungen. Ergonomieforscher Lawrence Najjar hat sich die vorhandenen Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen von Multimedia auf das Lernen angesehen und festgestellt, dass die Beachtung der folgenden Empfehlungen die Lerneffektivität positiv beeinflussen kann:
- Wählen Sie das Medium aus, das sich zur Vermittlung des betreffenden Informationstyps am besten eignet. Zum Beispiel lassen sich räumliche Informationen über grafische Darstellungen besser einprägen als über Text.
- Setzen Sie Multimedia bewusst zum Unterstützen, Verknüpfen oder Erweitern des Lernmaterials ein, nicht einfach nur zur Ausschmückung.
- Präsentieren Sie Medienelemente kombiniert, sodass sie sich gegenseitig unterstützen.
- Setzen Sie Multimedia so ein, dass die sprachlichen und visuellen Verarbeitungskanäle effektiv genutzt werden, um Lernenden die Integration des Inhalts in ihr bereits vorhandenes Wissen zu erleichtern (Elaborative Processing).
- Geben Sie Lernenden die Möglichkeit, selbst zu steuern, zu manipulieren und zu erkunden, da dies einen positiven Einfluss auf den Lernprozess und das Elaborative Processing hat.
- Verwenden Sie vertraute Metaphern und Analogien, Feedback und Personalisierung zur Stärkung der Motivation.
- Ermutigen Sie Lernende, Informationen aktiv zu verarbeiten und zu integrieren, anstatt passiv zu konsumieren.
- Stimmen Sie die Medien für Beurteilungen auf die für die Präsentation der Lerninhalte verwendeten Medien ab.
Das Ziel des Einsatzes von Multimedia beim Instruktionsdesign ist nicht, einfach nur mehrere Medien einzubeziehen, coole Effekte zu erzeugen oder die Komplexität zu erhöhen (was von den Lerninhalten ablenken kann). Jedes Medium sollte nutzbringend eingesetzt werden und mit anderen Medien so kombiniert werden, dass der potenzielle Lerneffekt größer und das Lernen effektiver ist, als bei alleiniger Verwendung der einzelnen Elemente.
Die folgende Tabelle zeigt, wie unterschiedliche Arten von Medien unterschiedlichen Lernzielen dienen können.
Tabelle 2: Beispiele für Medientypen und -hilfsmittel zur Unterstützung verschiedener Lehrziele
Viele der aufgeführten Medien und Hilfsmittel sind bereits in den obigen Abbildungen exemplarisch vorgestellt worden. Zum Beispiel zeigen die Abbildungen 1 und 4 sowie 6 bis 8 Navigationsmöglichkeiten und die kombinierte Verwendung von Text und Grafik. Abbildungen 6 bis 8 stellen Beispiele für echte Anwendungen dar. Abbildung 8 zeigt zeitliche Veränderungen sowie praktische Übungen. Die nachfolgenden Abbildungen 9 und 10 illustrieren Prozesse und verborgene Konzepte.
Abb. 9: Prozessmodellierung mithilfe von Text und Grafik
Abb. 10: Verwendung von Rollovers zum Aufzeigen verborgener Konzepte (Quelle: Helen Macfarlane, medizinische Illustratorin, www.uchsc.edu/ltc/Fertilization.html)
Laut Theoretikern wie Van Merrienboer eignen sich zielgerichtete Lernumgebungen am besten für Anfänger, während Fortgeschrittene eher weniger zielgerichtete Ansätze vorziehen. Eine Herausforderung für die Konzeption (und manchmal auch für die Ressourcen) stellen Lernumgebungen dar, die es Lernenden ermöglichen sollen, den Ansatz zu wählen, der zu ihren Fachkenntnissen und ihrem (möglicherweise auch wechselnden) Lernstil am besten passt. Solche Umgebungen werden häufig für gemischte Zielgruppen benötigt.
Der gut konzipierte Einsatz von Multimedia kann die Lernmotivation erhöhen sowie Lernerfolg und Transferfähigkeit verbessern. Am effektivsten sind solche Multimedia-Lehrmaterialien, die mit der realen Welt vergleichbare Lernerlebnisse bieten und es den Lernenden ermöglichen, das Erlernte in verschiedenen Zusammenhängen anzuwenden.
Für das Konzipieren von komplexen Multimedia-Lehrmaterialien wird im Allgemeinen ein ganzes Team benötigt, da zum Erzielen guter Ergebnisse viele unterschiedliche Fertigkeiten benötigt werden. Zum Beispiel wurden für die zwei Projekte, aus denen Abbildungen 1 und 4 sowie 6 bis 9 stammen, viele verschiedene Spezialisten und Fertigkeiten benötigt. Zum Bestimmen der Lernziele für das Lehrmaterial und zum Auswählen der Lehrstrategien und Multimedia-Elemente waren Kenntnisse im Bereich des Instruktionsdesigns erforderlich. Zum Verfassen des Inhalts wurden Texter benötigt. Die lernfreundliche Strukturierung des Inhalts übernahmen Informationsarchitekten und für die Entwicklung klarer, ansprechender Navigationselemente und erläuternder Grafiken waren Grafikdesigner zuständig. Die Zusammenarbeit mit den Instruktionsdesignern beim Entwurf interaktiver Elemente erforderte Multimediakenntnisse. Außerdem wurden Usability-Kenntnisse benötigt, um sicherzustellen, dass die gesamte Anwendung benutzerfreundlich ist und die Lernenden nicht hoffnungslos frustriert, sowie Infrastrukturkenntnisse, um sicherzustellen, dass die Anwendung auf den System des Kunden funktioniert. Nicht für alle Projekte werden eine oder mehrere Personen für jede der genannten Funktionen benötigt, aber die meisten Projekte erfordern einige Elemente aus allen Funktionsbereichen.
Man könnte aus dem Gesagten nun leicht schließen, dass Multimedia stets das Mittel der Wahl sei, aber dies wäre übertrieben. Als erstes sollten Sie sich überlegen, ob Sie über die erforderlichen Ressourcen und Fertigkeiten für eine gute Umsetzung verfügen. Mehrere Medien sollten nur eingesetzt werden, wenn sie die Lernziele unterstützen. Es ist sehr viel effektiver, gut umgesetztes Lehrmaterial auf der Grundlage eines einzelnen Mediums zu erstellen als schlecht umgesetztes Multimedia-Lehrmaterial.
Multimedia erhöht die Komplexität sowohl der Bildschirmdarstellung als auch der von den Lernenden auszuführenden Aufgaben. Per definitionem ist eine Lernumgebung an sich bereits ein ungewohnter und möglicherweise komplexer Raum. Setzen Sie Multimedia ein, um Lernenden den Weg durch dieses unbekannte Terrain zu erleichtern. Wenn mehrere Medientypen und Inhalte benötigt werden, verwenden Sie Positionierung und Auffälligkeit, um die Aufmerksamkeit der Lernenden auf die wichtigsten Informationen zu lenken. Einheitlich designte und positionierte Navigationselemente weisen den Weg zum nächsten Arbeitsschritt. Helfen Sie den Lernenden dabei, zum nächsten Arbeitsschritt zu gelangen, aber schränken Sie ihre Wahlmöglichkeiten nur dann ein, wenn es unumgänglich ist (was fast nie der Fall ist). Zum Beispiel können blockierte Schritte oder eine stark eingeschränkte Navigation den Lernenden das Gefühl vermitteln, dass sie eher zum Lernen gezwungen werden als angeleitet zu werden und keine Möglichkeit haben, ihren eigenen Lernprozess zu steuern.
Die Lernenden sollten stets wissen, bei welchem Arbeitsschritt sie sich derzeit befinden und wie sie zu ihrem gewünschten Ziel gelangen. Testen Sie das Bildschirmlayout mit Lernenden, um die Benutzerfreundlichkeit zu beurteilen, und nehmen Sie bei Bedarf Änderungen vor. Richten Sie stets Möglichkeiten für die Lernenden ein, Hilfe zur Technik und zum Inhalt zu erhalten.
Überlegen Sie, ob die Kombination verschiedener Medien zu einer Verbesserung des Lernerfolgs beiträgt. Fragen Sie am besten die Lernenden selbst. Sind sie verwirrt? Frustriert? Überfordert? Bei den von mir entworfenen Anwendungen können die Lernenden selbst bestimmen, wann sie ein zusätzliches Medium verwenden möchten (z. B. eine Animation oder ein Video starten, einen Erläuterung hören oder den Text dazu lesen), und müssen nicht ein automatisch gestartetes Medium ausschalten, wenn Sie es nicht verwenden möchten.
Eine noch grundsätzlichere Schlussfolgerung aus der Verwendung von Multimedia ist, dass zu deren Perzeption mehrere Sinne erforderlich sind. D. h., Sie müssen sich überlegen, welche Konsequenzen sich aus dem Einsatz des betreffenden Mediums für Personen mit Behinderungen ergeben.
Effektive Lernunterstützung durch Multimedia besteht nicht darin, einfach mehrere Medien zusammen zu verwenden, sondern Medien so geschickt zu kombinieren, dass die Charakteristika jedes einzelnen Mediums ausgenutzt werden und das Lernerlebnis erweitert und verbessert wird.
Die Forschung hat gezeigt, wie Multimedia zur Erweiterung und Verbesserung des Lernens beitragen kann. Die Verwendungsbereiche für Multimedia sind vielfältig, von Übungen über Spiele bis hin zum entdeckenden Lernen. Entwickler sollten zuerst bestimmen, welches Ergebnis sie erreichen wollen, und dann die Elemente auswählen, mit denen dieses Ergebnis am besten erreicht werden kann (z. B. Audioclips zum Schulen des Gehörs zur Wahrnehmung von Tonunterschieden). Anschließend sollten sie sicherstellen, dass die Multimedia-Elemente gut konzipiert und perfekt aufeinander abgestimmt sind.
Ein Entwickler, der Lernen als reine Informationsübertragung versteht, wird wahrscheinlich die möglichen Vorteile, die multimediale Lernumgebungen bieten, einschränken, indem er weiterhin übungsprogrammartige Umgebungen erstellt, selbst wenn diese lehrtechnisch unangebracht sind. Im Gegensatz dazu könnte jemand, der Lernen als aktives Aufbauen von Wissen begreift, einen so großen Überblick über die Möglichkeiten haben, dass die resultierende Multimedia-Umgebung die Lernenden möglicherweise überfordert und frustriert. In jedem Fall erfordert die Entscheidung, an welchen Stellen Multimedia eingesetzt werden soll, sowie das Konzipieren guter Multimedia-Elemente sorgfältige Planung und ein Team von Personen, die über ausgezeichnete Kenntnisse in den Bereichen Instruktionsdesign, Grafikdesign, Informationsarchitektur und Usability verfügen.
Mayer und Najjar haben Prinzipien für das Entwerfen von Multimedia-Umgebungen aufgestellt, die sehr hilfreich sein können. Doch Vorsicht: Halten Sie sich nicht sklavisch an diese (oder andere) Design-Prinzipien, ohne zu prüfen, ob die betreffende Situation möglicherweise ein Abweichen erforderlich macht. Gute Entwickler wissen, wann man die Regeln befolgen muss und wann eine Situation eine individuelle Lösung erfordert.
Multimedia bietet Entwicklern zwar enorme Möglichkeiten, sinnvolle und effektive Lernumgebungen zu schaffen, der Einsatz von Multimedia an sich ist aber noch kein Garant für eine gute Lernumgebung. Hede und Hede liefern dazu eine Liste der wichtigen Faktoren, die beim Einsatz von Multimedia berücksichtigt werden sollten. Die Forschung auf diesem Gebiet steckt noch in ihren Kinderschuhen, aber sie wird uns dabei helfen, effektive Multimedia-Lernumgebungen zu entwerfen.