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Denkfabrik

Weil man glaubt, was man sieht: Visualisierung von Informationen und die Diskussion über die Klimaerwärmung


Inhaltsverzeichnis

In Wort und Bild

Keine andere Disziplin kann die sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren der Klimaerwärmung besser vermitteln als die Visualisierung von Informationen. Die transportierten Botschaften werden sofort erfasst und entfalten eine große Wirkung. Dabei ist es nicht nötig, die Detailgenauigkeit übermäßig einzuschränken, um der Komplexität des Themas gerecht zu werden. Die Visualisierung von Informationen hilft nicht nur Wissenschaftlern und Politikern, mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren, sie ist auch ein wichtiges Werkzeug für wissenschaftliche Studien – und zum Studium der Wissenschaft. Es ist bezeichnend, dass es nicht einmal das Medium Film mit der aussagekräftigen Wirkung der Visualisierung aufnehmen konnte. Der Regisseur des Films „An Inconvenient Truth“ (Eine unbequeme Wahrheit), Davis Guggenheim, erzählt: „Ich dachte: Ein Film über eine Grafikpräsentation? Ein Vortrag in Filmform? Das kann ich mir nicht vorstellen! Und dann sah ich diese Präsentation. Die Information ist so beeindruckend! Wir dachten: Was wäre, wenn wir das den Leuten aus erster Hand vermitteln könnten?“

„An Inconvenient Truth“ ist der erste, aber womöglich nicht der letzte populäre Film, in dem eine Live-Präsentation in so prominenter Rolle zur Vermittlung eines komplexen Themenbereichs eingesetzt wurde. Präsentationen, die visualisierte Informationen mit einem live gesprochenen Kommentar kombinieren, entwickeln sich schnell zum gängigen Werkzeug, mit dem Informationen im geschäftlichen, akademischen und militärischen Bereich vermittelt werden. Auf diese Weise müssen keine langatmigen Berichte gelesen werden und das Publikum kann sofort Feedback geben. Mit der Weiterentwicklung von Technologien, die zeitgleiche Übertragungen und Interaktion in Echtzeit ermöglichen, wird die Popularität von Live-Präsentationen noch zunehmen.

Designer, die sich mit der Visualisierung von Informationen befassen, müssen sich aber auf jeden Fall des Zusammenhangs bewusst sein, in dem ihre Bilder gezeigt werden. Al Gore schwingt nicht einfach nur den Hockeyschläger durch das Bild. Nein, die Grafik wird behutsam eingeführt und dann geschickt ins rechte Licht gerückt. „Eine Geschichte wirkt am besten, wenn man eine Entwicklung über einen bestimmten Zeitraum darstellt. Es muss eine Wandlung zu erkennen sein“, so Nancy Duarte. In „An Inconvenient Truth“ ist am eindruckvollsten, als Al Gore über die historischen Werte der Grafik hinausgeht und anhand einer fast senkrecht nach oben verlaufenden Linie verdeutlicht, was geschieht, wenn die aktuellen Trends sich unverändert fortsetzen. Dieser Augenblick ist sehr schön in Szene gesetzt: Die Botschaft wird einerseits dramatisch dargestellt, andererseits aber auch durch das Diagramm und den gesprochenen Kommentar verdeutlicht. Dies ist auch ein Schlüsselmoment in der Geschichte, die Al Gore zu erzählen hat. Schließlich weiß niemand mit absoluter Sicherheit zu sagen, ob der CO2-Ausstoß in dem Maße zunimmt, wie auf der Grafik (oder in diesem Fall jenseits der Grafik) dargestellt, und selbst wenn das der Fall ist, ob die Temperaturen in demselben Umfang ansteigen werden. Aber dank der detaillierten Grafik, die die Voraussagen und die dramatischen Aspekte von Gores Darstellung unterstreicht, folgt das Publikum dem Vortragenden widerstandslos auf dem Weg in die Zukunft. Hier ist es zu der erwähnten Wandlung gekommen: Unbeseelte Daten werden zu Alarmglocken einer Krise.

Weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen finden Sie in folgenden Quellen: