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Hooked on Motion

Leaving Las Vegas

Mein Flieger schraubt sich über der Wüste von Nevada in den Himmel, auf dem Weg nach Los Angeles (wo es regnet und nur 15° sind – warum um alles in der Welt muss ich weg von hier?). Mit ihm lasse ich das Vergnügen, die Freuden, Freaks, den Kuchen und den Spass von "Sin City" zurück und eine Messe voller Trubel, Neugierde, wundervoller Menschen und lukullischer Genüsse!

Der Stand von Adobe war wie immer gut konzipiert. An ihm liess sich hervorragend arbeiten. Vielen Besuchern kam es vor, als hätte man ihn in 30 Meter Höhe zusammengebaut und dann fallengelassen, damit er sich fest in den Boden rammen würde. Die verschiedenen Bereiche, in denen die Promoter mit Mikros ausgestattet nach vorne schauend präsentieren konnten, kamen auf beiden Seiten gut an – am ersten Tag noch kein Kratzen im Hals vom Schreien (obwohl, wenn die Comedy-Show der Two Ronnies nebenan läuft, kommt der rauhe Hals eben an Tag 2 auf).

Wie gewöhnlich waren After Effects und Premiere die Aushängeschilder unserer Demos hier. Den Besuchern, die während der ganzen Zeit mit uns sprachen, ging es in erster Linie um diese beiden Programme. Es ist immer wieder ein gutes Gefühl, wenn man jemandem ins Gesicht schaut, der etwas Neues zum ersten Mal sieht (für die meisten war das ganze Paket etwas Neues), und wenn jemand, der sich wochenlang die Haare wegen eines kleinen Problems gerauft hat, strahlt, lächelt und dir die Hand schüttelt, weil du ihm den Hintern gerettet hast – zumindest bis zur nächsten Deadline!


Es ist immer wieder ein gutes Gefühl, wenn jemand, der sich wochenlang die Haare wegen eines kleinen Problems gerauft hat, strahlt, lächelt und dir die Hand schüttelt, weil du ihm den Hintern gerettet hast – zumindest bis zur nächsten Deadline!


Überraschend viele Besucher und Anwender von After Effects hatten noch gar nichts vom 4.1-Upgrade bzw. seinen Funktionen gehört. Es war angenehm zu hören, dass die .1 eher eine .5-Aktualisierung sei.

"Ich kann die Software hier und jetzt kaufen? Klasse!"

Das war ein weiterer kluger Schachzug der Organisatoren, Produkte gleich am Stand an die zufriedenen Besucher zu verkaufen. Es ärgert mich jedes Mal, wenn man coole Software vorgeführt bekommt und dann bis zu Hause oder auf den nächsten Online-Zugang warten muss, um sie zu bestellen, dann auch noch gute Miene zum bösen Spiel machen muss, wenn der Kurier 72 Stunden für eine 24-Stunden-Lieferung braucht (ich hoffe, der angesprochene Zustelldienst lauscht aufmerksam!). Übrigens, Amazon, erinnerst du dich an die CD, die du mir vor sieben Tagen als 2-Tage-Sendung geschickt hast? Die, die immer noch auf sich warten lässt? Mein Nachfolger im Mandalay Bay Hotel wird seinen Spass daran haben! Meine Ohren sind jetzt auf einem anderen Kontinent.

Egal, genug gejammert! Das Hauptaugenmerk bei meinen Präsentationen lag auf dem Einsatz von Illustrator-Pfaden zur Kontrolle von Objektpositionen und Keyframes. Junge, Junge, das war Raubtierfutter, selbst für diejenigen, die davon schon wussten, denen aber nicht klar war, wie man damit richtig umgeht. Es muss auch gut geklappt haben, denn es haben zwei aus Minneapolis und Deutschland angerufen, die diese Methode inzwischen schon verwendet haben. So soll es sein: Messen sind da, um zu lernen und vorwärts zu kommen.

Am Mittwoch Vormittag vor der Messe habe ich einen Film gerendert, in dem ich einige tolle Effekte für ruckartige Kamerabewegungen mit Bewegungsunschärfe, reuchendem Feuer und Schweiss-Funken eingesetzt habe. Nachdem ich ihn gezeigt habe, bekam ich Applaus von den Zuschauern – zum ersten Mal bei einer Arbeitsplatz-Demo! Das zeigt doch wieder, dass immer noch die einfach gestrickten Animationen am besten ankommen, mehr als die verschnörkelten, verspielten Projekte nach dem Motto "und noch sechs ICE FX für diese Ebene, und schalte die Bewegungsunschärfe mit ein".

Apropos Filter: Die Evolution-Filter von Atomic sind in aller Munde. Jeder, der sie gesehen hat, ist hin und weg. Der Rauch, den man mit Turbulator erzeugen kann, ist ein echter Kracher, obwohl man mit XYZ-Drehung und Tiefe noch mehr herausholen könnte. Aber so bin ich halt, ich will alles immer sofort. Ein paar Upgrades weiter, und diese Funktionen sind wahrscheinlich alle mit dabei (ihr bei Atomic lest das doch, oder?).

Noch besser ist aber, dass bei Adobe After Effects 4.1 diese Filter jetzt kostenlos im Paket mitgeliefert werden. Solche Lösungen braucht man, um erfolgreich zu sein und voranzukommen, um in ein Produkt zu investieren, mit dem man auch in Zukunft noch arbeiten kann. Programme mit Millionen Funktionen bringen nichts – schon ein paar Tausend oder so genügen doch! Und solche Angebote muss man mit der Lupe suchen.

Ach ja, die Targa 3000-Karte hat sich auch einen Namen gemacht. Zahllose fehlerlose Präsentationen vom Premiere-Team, aufmerksam verfolgt von Konsumenten und Entwicklern gleichermassen. Den einen oder anderen Hersteller von Karten hörte man vor sich her sagen: "Mein Güte, da wird sich einiges ändern". So etwas hört man heutzutage selten. Umso erfrischender ist es, wenn es passiert.

Im Augenblick tritt der Markt für revolutionäre neue Geräte und Prozesse im Motion-Bereich eher auf der Stelle, von einigen kleinen Ausschweifungen abgesehen. Doch was kommt als Nächstes, das die Grafikwelt umkrempeln wird? Holografische 3D-Workstations? 2-GHz-Prozessoren? Apple, das den Preis für sein Camera Display senkt, damit wir uns alle eines leisten können? Wer weiss...

Eine der beeindruckendsten Neuerungen auf der Messe war abgesehen von den DVD-Lösungen von Spruce das erstaunliche Upgrade 6.0 zu LightWave von NewTek. Schon seit August letzten Jahres warte ich darauf, als "Mac-User" den Mund sehr voll nahm und das Programm ankündigte. Aber haben Sie gesehen, was die daraus gemacht haben? Alter Schwede, es ist ein vollkommen anderes Produkt und stellt alles Dagewesene in den Schatten! Alle haben mir, einem passionierten LightWave-Nutzer, immer einreden wollen: "Schön und gut, aber LightWave kriegt doch bei der Character Animation nichts gebacken!" Aufgepasst, ihr werdet euch warm anziehen müssen, weil ich euch gehörig den Kopf waschen werde!

Wie man jetzt seine Designs zusammenstellen und Polygon-Sets abgestufte Tonwertkorrekturen zuweisen kann, ist so klasse, so effektiv und so schnell. Alle Arbeitsansichten haben sich geändert, Echtzeit-Relexionen und Reflexlichter am Objektiv können nun in der Layout-Ansicht ohne Rendering betrachtet werden. Das ganze Programm hat sich enorm verbessert. Hut ab, Jungs – gute Arbeit!

Eine Randnotiz dazu: Ich hatte das Vergnügen, zweimal Brad Peebler zu begegnen, seines Zeichens 3D-Guru, Entwickler und Promoter von LightWave. Einmal auf der Messe ganz förmlich und geschäftlich und dann am selben Abend im Nachtclub Ra im Hotel Luxor, wo wir beide schon etwas angeschlagen waren. Er war höflich genug, mich zu grüssen, und sogar mein Name war ihm in Erinnerung geblieben. Ein sympathischer Bursche!

Wie dem auch sei, der Regen in L. A. hat mich schwermütig gemacht. Ich wünschte, ich hätte in Vegas bleiben können, trotz zweier Skydives im freien Fall! Es war halt eine tolle Woche und eine tolle Show. Die besten Hersteller für Bewegtgrafiken auf dem Planeten, die die besten Produkte zeigten – natürlich von den besten Promotern vorgeführt. Und wieder hat mich die nimmermüde Welt von Motion und Web-Design mit so vielen tollen Menschen und Freunden in einer anderen Stadt zusammengebracht, die ich vorher noch nie gesehen hatte.

Apropos: Ich werde Elvis nachher anklingeln und ihn fragen, was er später vorhat.

Viva Las Vegas! Bis nächsten Monat!


Steve Holmes ist freischaffender Experte für Design und Animation. Er erstellt Effekte mit Bewegtbildern, Animationen, ausserdem Web-Sites und Grafik-Designs und leitet Outlaw FX vom ländlichen England aus. Auf Messen arbeitet er regelmässig als Promoter für Adobes Motion- und Web-Produkte und veranstaltet eine ganze Reihe von Fortbildungskursen. Sein E-Mail-Kontakt ist steve@outlawfx.com. Information zum Weiterbildungsprogramm und dem Angebot von Outlaw finden Sie unter www.outlawfx.com.