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Hooked on Motion

Einmal Düsseldorf-London und zurück

Rein in das Flugzeug, raus aus dem Flugzeug. Dieses Mal auf der anderen Seite des grossen Teiches: zurück von Düsseldorf zum Flughafen Stansted in London, auf dem Weg nach Hause nach zwei Wochen des Plauderns, Präsentierens, Essens, Schlafens und Feierns. Adobe hat mich drei Wochen vor Beginn der Drupa um Teilnahme gebeten. Das Angebot nahm ich dankend an, um wieder einmal das schöne Deutschland sehen zu können. Allerdings in Unkenntnis davon, was ich mir mit dem Ungetüm Drupa eingebrockt hatte! Sie wissen längst, dass Motion-Grafiken mein Steckenpferd sind. Doch auf einer reinen Print-Messe zurück zu seinen Wurzeln gehen zu dürfen, war genau das Richtige, um den Kopf frei zu bekommen und alte Erinnerungen wiederaufleben zu lassen.

Die CeBIT hielt ich ja schon für riesig. In puncto Besucherzahlen und volle Gänge war sie das sicher auch. Auf der Drupa gab es aber etwas noch Imposanteres: Sie dauerte sage und schreibe 14 Tage (Hut ab vor jedem Promoter, der das überlebt!). Wo gibt es das sonst noch? Gerüchten zufolge soll die nächste Messe in vier Jahren sogar drei Wochen dauern – beeindruckend!

Es war mehr als die reine Grösse, die Anhäufung von Menschen und Fragen, die Abneigung verrauchten Hallen gegenüber – es war ein riesiges europäisches Familientreffen. Nie zuvor habe ich ein so multinationales Flair unter einem Dach bzw. 18 Dächern erlebt. Das Publikum reichte vom Schüler aus der Umgebung über Kleinunternehmen der Branche bis zu den oberen Zehntausend, die mal schnell ein paar Millionen ausgeben wollten. Die Gäste reisten aus Japan, Amerika und Kenia an (falls der kenianische Besucher am Adobe-Stand das liest: Es war ein echtes Vergnügen, Sie kennen zu lernen). Selbst ein Freund von mir aus Singapur kam extra, um die Messe zu besuchen. Er war der Letzte, den ich dort vermutet hätte!


Es war schon amüsant, beinahe komisch (für mich als Grafik-Mensch), 50 ältere Herren in Nadelstreifen zu beobachten, die mit Staunen eine Vorführung zu den Neuerungen einer Druckerpresse verfolgten. Im Grunde ist es nicht anderes als am NAB-Stand, als beim Betrachten des Upgrades zu LightWave 6.0 allen das Wasser im Mund zusammenlief.


Und alle hatten dieselben Interessen, dieselben Ziele, aber unterschiedlichen Vorstellungen. Es war schon amüsant, beinahe komisch (für mich als Grafik-Mensch), 50 ältere Herren in Nadelstreifen zu beobachten, die mit Staunen eine Vorführung zu den Neuerungen einer Druckerpresse verfolgten. Im Grunde ist es nicht anderes als am NAB-Stand, als beim Betrachten des Upgrades zu LightWave 6.0 allen das Wasser im Mund zusammenlief.

Interessant war auch zu sehen, dass dieser immer noch boomende Industriezweig so riesig ist und dass Technologien immer noch atmen und sich fortentwickeln können und nicht schon von der allumfassenden Wolke des Web erstickt worden sind.

Es ist jetzt fast ein Jahr her, dass ich die letzte Arbeit speziell für den Druck entwickelt habe, in CMYK und mit Pantone-Farben separiert und fertig für den RIP. Für mich war die Drupa so etwas wie eine Nostalgiereise zu meinen Ursprüngen. Auf meinem Weg durch Halle 7 zum Taxistand war ich von dem lange vermissten Geruch frisch gemischter Druckerfarben wie benebelt, weil er so viele schöne Erinnerungen wachrief.

Die neuen Technologien zu erleben, war grossartig. Adobes Publishing-Produkte richtig kennen zu lernen, war ein echtes Erlebnis. Wenn die wahren Experten die Demos besuchen und von Funktionen wie dem Mehrzeilen-Setzer und dem vertikalen Blocksatz beeindruckt sind, ist es so viel leichter, die Bedeutung von Programmen wie InDesign, Acrobat und InProduction darzustellen. Die wenigsten würdigen diese kleinen Dinge auf angemessene Art, doch im Druck-Mekka Drupa bekommen sie den gebührenden Applaus.

Rubiks Zauberwürfel, die wir an unserem Stand herausgegeben haben, wurden auch gerne in Empfang genommen. Nach jeder Vorführung glich die Szenerie einem hungrigen Rudel Wölfe, das über eine kranke Gazelle herfällt. Übrig blieb immer nur eine zerrissene, leere Tüte, von zahllosen grinsenden Menschen umgeben, die allesamt mit ihrer Beute zufrieden davonzogen.

Warum, werden Sie sich fragen, war ich eigentlich dort? Diese Frage habe ich mir am Anfang auch gestellt. Es hat ein Weilchen gedauert, bis das Rotieren an den Workstations funktioniert hat. Aber ich war da und habe mit ein paar anderen das coole Flash-Animationspaket LiveMotion (mehr dazu später) und das erstaunliche Upgrade Illustrator 9.0 vorgeführt. Diese Software ist ihrer Zeit voraus, das kann ich Ihnen sagen! Es gibt so viele tolle Neuerungen, dass es eher einem Sprung von 5.5 auf 8.0 gleichkommt. Jeder, der das Programm gesehen hat, wollte es gleich am Stand kaufen (eigentlich nichts Neues mehr bei Adobe-Software).

Vorschau für CMYK-Trapping, Web-fähige RGB-Palette, Flash-Animationen, neue Ebenenpalette und die beiden absolut besten Funktionen überhaupt: die Paletten Erscheinungsbild und Formate und die mehr als flexiblen, unbegrenzten Transparenzmöglichkeiten. Allein diese Merkmale lassen die Konkurrenz schon erblassen (Macromedia muss sich warm anziehen, oh ja!). Das Programm sucht seinesgleichen auf dem Markt. Ich würde ja gerne weiter darüber sprechen, aber das habe ich die vergangenen 14 Tage mehr als genug getan! Ich möchte Sie jedoch – nicht nur weil ich die Adobe-Farben trage – dazu animieren, sich selbst davon zu überzeugen und upzugraden.

Meine zwei Wochen in Düsseldorf wurden von denselben Freunden und Kollegen von der CeBIT und aus San Jose verschönert. Unterbrochen wurde die Zeit durch einen Abstecher nach London wegen einer Präsentation auf der Internet World in Earl’s Court.

Die im Vergleich zur Drupa eher wie eine Familienveranstaltung wirkende Messe war zwar megaklein, die Atmosphäre war aber auch hier sehr gemeinschaftlich. Das ist also West-London, das versucht, eine New York oder San Francisco ebenbürtige Show zu etablieren – mit Erfolg, wie ich finde. Die Software und Lösungen hatten einiges zu bieten, auch das Publikum (selbst der Typ, der sich vor Lachen kugelte, als die Beta von Illustrator 9.0 während einer Vorführung den Geist aufgab).

Das Einzige, das ein wenig gegen die Messe spricht – und das sage ich auch mit dem Risiko, mir den Mund zu verbrennen – war die anrüchige Masche einiger Kleinunternehmen, die junge Hostessen als „Verkaufsargument" in leichter Bekleidung herumlaufen liessen. Als Paradebeispiel möchte ich an das Mädchen im orangefarbenen Nylonkostüm mit dem Antennenhut und der Zahnseide erinnern. Das scheint mir für die heutige Zeit ein wenig abstrus. Natürlich war es für jeden gestandenen Mann eine Augenweide (das ist wohl auch der Sinn und Zweck), aber als die Hostessen um 16.30 Uhr Feierabend machten, sah man nur noch ratlose Gesichter auf leeren Ständen. Denkt mal darüber nach, Jungs...

Am Adobe-Stand sorgte LiveMotion für Aufsehen. Da Macromedia direkt am Eingang platziert war, hatten die meisten Besucher schon die Demos zu Flash gesehen, bevor sie zu Adobe kamen. Und jeder war von der Einfachheit, Flexibilität und Vielseitigkeit des Programmes schlichtweg beeindruckt. Für alles, was LiveMotion kann, braucht man bei Flash vier Mal solange, und das ist der springende Punkt. Achten Sie also auf die neuen, total abgefahrenen Web-Animationen (angefangen bei meiner Site, wenn ich mal Zeit dazu habe!). Das Web ist im Wandel, und Auslöser dafür war die Internet World!

Nach drei Tagen London mit einem Kinobesuch („Gladiator") und einer riesigen Internet World-Party danach im „Fabric" ging es zurück nach Düsseldorf für die letzten sechs Tage der Drupa. Es war alles etwas gemächlicher als in der ersten Woche, trotz völlig veränderter Stand-Mannschaft war es aber immer noch eine feine Sache.

Obwohl die Motion-Seite des Lebens auf der Drupa so weit weg schien, schimmerte sie doch bei vielen Gelegenheiten durch und stiess überall auf grosses Interesse. Der Andrang bei den Web-Präsentationen gegen Ende eines Messetages machte deutlich, dass das Web und interaktive Medien aus der Druckindustrie bald nicht mehr wegzudenken sind – ob Sie es wollen oder nicht. Es gab zwar nur wenige Meldungen auf die Frage, wer mit anderen Medien ausser Print zu tun hat. Aber an der Zahl der Besucher und Fragen konnte man das Interesse messen. Und genau so gefällt es mir: mit Leuten reden und verstehen, woher sie kommen und was sie erreichen wollen.

Bleibt nur noch, ein persönliches, Oskar-reifes Dankeschön an alle Beteiligten zu richten, die die Drupa möglich gemacht haben, besonders an Guy und JC, die uns mit ihren Spässen bei Laune hielten (zwei durchgeknallte Typen), an die beiden Bernds, alle Freischaffenden, Eric („da man"), die Prinzessin „mit den stampfenden Zehen" und das Catering-Team von Frohes Fest, das für das leibliche Wohl gesorgt hat. Wir sehen uns wieder auf der photokina!

Und wenn irgendjemand der Leser einen müden Menschen richtig glücklich machen möchte, schicke er mir die URL für die MP3-Version der Drupa-Hymne.


Steve Holmes ist freischaffender Experte für Design und Animation. Er erstellt Effekte mit Bewegtbildern, Animationen, ausserdem Web-Sites und Grafik-Designs und leitet Outlaw FX vom ländlichen England aus. Auf Messen arbeitet er regelmässig als Promoter für Adobes Motion- und Web-Produkte und veranstaltet eine ganze Reihe von Fortbildungskursen. Sein E-Mail-Kontakt ist steve@outlawfx.com. Information zum Weiterbildungsprogramm und dem Angebot von Outlaw finden Sie unter www.outlawfx.com.