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Nach einem vergleichsweise gemütlichen Juni mit Arbeit, Demos, Unterricht und Fahrerei quer durch Grossbritannien wurde der vergangene Monat wieder von dem normalen, verrückten, durch wechselnde Zeitzonen geprägten Terminkalender bestimmt – meinem Ein und Alles. Nachdem ich die Hoffnung aufgegeben hatte, mir in Grossbritannien mit Skydiving eine Weile die Zeit vertreiben zu können (Sommer? Wo denn?), konnte ich die vielen Stunden im Himmel über dem warmen Louisiana kaum erwarten – auf dem Weg zur Siggraph.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Das Wetter war wie aus dem Bilderbuch! Klarer Himmel, tropische Hitze – für einen Sprung in Sommerklamotten bestens geeignet. Sämtliche Flüge wurden jedoch gestrichen, weil die Gegend in der Nacht zuvor von einem gewaltigen Tornado heimgesucht wurde. Also zurück auf den Boden der Tatsachen, sprich Arbeit. Der einzige Grund für die Reise nach New Orleans: Siggraph 2000.

Wenn man das Messegelände betritt, kann einem keiner den Gedanken verübeln, „mal wieder auf einer der Grafikmessen gelandet zu sein". Doch die Siggraph ist immerhin die führende Messe für visuelle Effekte und Computer-Animationen in den USA, und diesem Ruf wurde sie auch gerecht.

Die meisten, wenn nicht gar alle, die in der Welt der statischen und bewegten Bilder Rang und Namen haben, waren vor Ort. Und ich habe mir ein Bild von einigen machen können. Maya, SoftImage, Houdini – eigentlich von jedem ausser Apple! Der Adobe-Stand war wie immer cool anzuschauen, er fiel auf und war deswegen den ganzen Tag über mehr als gut besucht. Meine Aufgabe war es, Einsteiger zu beeindrucken und erfahrenere Anwender mit Neuem rund um Adobe After Effects zu versorgen. Mit eigenem Material und aktuellen Projektdateien im Gepäck habe ich jedem den Besuch an der Workstation mehr als schmackhaft gemacht. Auch die anderen After Effects-Promoter erzählten mir vom grossen Interesse am Programm. Das zeigt doch wieder seine Leistungsfähigkeit und Flexibilität, mit der keine andere Software mithalten kann.

An einer Sache in After Effects haben alle besonderen Gefallen gefunden: Anpassungsebenen. Jeder kennt zwar diese Funktion aus Photoshop, die sich hervorragend zur verlustfreien Farbbearbeitung von Bildern mit Ebenen eignet. Super! In After Effects ist man aber noch einen Schritt weiter gegangen: Jeder Filter kann auf eine Anpassungsebene angewandt werden und schliesst dann alle darunter liegenden Ebenen ein. Und dies gilt nicht bloss für Farbe, sondern auch für Weichzeichnen, Strukturieren und visuelle Effekte. 40 Ebenen, die durch Schwarz ausgeblendet werden, und ein Gaussscher Weichzeichner mit 50 Pixeln nur durch das Verändern einer einzigen Ebene? Dann mit einer aus Illustrator kopierten Ebenenmaske den Effekt fixieren? Perfekt! Von Photoshop hätte man noch viel mehr, wenn es diese Möglichkeiten dort auch gäbe. (Ich hoffe, du liest das, Bettina!)

Die Nachmittage waren für Demos von Illustrator 9.0 und Photoshop 5.5 reserviert. Später wurde der Tag mit einer gut besuchten Filmvorführung von After Effects abgerundet. (Obwohl: Wenn man die Zahl der bei jeder Präsentation verschenkten Übungsbücher und Videos als Massstab nimmt, stellt sich die Frage, warum die Zuschauer wirklich gekommen sind?) Die Reaktion des Publikums auf die Maskierungsmöglichkeiten bei Bitmap-Bildern in Illustrator war jedenfalls beeindruckend, weil die Funktionen nicht nur schneller und besser, sonder auch flexibler sind als die in Photoshop. Falls Sie sie noch nicht kennen gelernt haben, sollten Sie mal einen Blick darauf werfen. Einfach umwerfend!

Abgesehen vom Adobe-Stand habe ich mich ziemlich lange bei LightWave aufgehalten, dessen mystische Aufmachung eine spannende Atmosphäre schuf – den Kontrast hierzu bildeten die zwölf G4s, die zu einer Render-Farm auf der Bühne vernetzt waren. Als Demonstration der Leistungsfähigkeit der Software exzellent! Die meisten von Ihnen werden jetzt sicher denken, dass ich für mein Lob hier eine Prämie von denen bekomme. Aber Sie sollten sich das Programm wirklich nicht entgehen lassen. Was auf der Leinwand an Science Fiction, Partikeleffekten und Zeichentrick zu sehen war, war mit das Beste überhaupt. Alter Schwede, was diese Jungs drauf haben! Version 6.1, die bald auf den Markt kommt, wird mit den fantastischen Algorithmen für Kleiderbewegungen den Status von LightWave weiter aufwerten – mit Recht.

Apropos Leinwände: Im Saenger Theater an der Bourbon Street in New Orleans gab es jeden Abend Vorführungen des Electronic Theater. Ich (und die meisten anderen Demo-Künstler und Besucher) konnte Karten ergattern. Es wurde eine Zusammenstellung der derzeit weltbesten animierten Kurzfilme gezeigt. Alle miteinander sehenswert! Wie immer bleibt der eine oder andere im Gedächtnis und soll deshalb hier genannt werden: „The Birds" von Pixar war der mit Abstand witzigste Clip. „Block Wars" von Robert Rioux kam sehr gut an wegen des hohen Anteils an Star Wars-Fans im Publikum (und wegen der Show, die beinahe einer Konferenz des galaktischen Imperiums gleichkommt). „Hollow Man" von Sony Picture Imageworks, „Stationen" von Christian Sawade-Meyer, „Pump Action" von Phil McNally und „The Last Drawing of Canaletto" von Cameron McNall – schöne Filme! Das sind nur einige meiner Lieblingsstücke. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, sie alle wiederzusehen, ich kann sie nur empfehlen. Der einzige Haken des Ganzen: Wie viel „Tekken Tag" muss man an einem Abend ertragen (Gähn)?

Jetzt, denke ich, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um etwas schriftlich festzuhalten. AFX 4.1 ist seit knapp einem Jahr auf dem Markt, und der Effekt, zu dem ich am häufigsten befragt werde, ist der „Illustrator-Pfad, der die Eigenschaften eines Effektes steuert". Wer meine Demos gesehen hat, weiss, welchen ich meine: die coole, blaue Fackel mit den Funken um das Logo eines berühmten dunklen, gotischen Superhelden, der den Namen eines nachtaktiven Flugtiers trägt. (Ist Copyright nicht eine wunderbare Erfindung?) Jetzt also für all diejenigen, die mich in zig E-Mails nach dem Wie fragen:

Erstellen Sie zunächst Ihr Logo, Ihren Text oder eine Form, die in Illustrator weiterverwendet werden kann, markieren Sie das Objekt, und legen Sie es in die Zwischenablage. Starten Sie After Effects (nur 4.1), und erstellen Sie eine neue Komposition in Grösse und Dauer Ihrer Wahl. Da sich der Effekt in drei Abschnitte teilt, brauchen Sie drei Farbflächen. Doppelklicken Sie auf die erste, und fügen Sie die Form aus Illustrator als Maske ein. Schliessen Sie das Fenster, und rufen Sie den Strich-Filter auf. Wenden Sie ihn auf die Maskenform an, und passen Sie die Linie entsprechend an. Setzen Sie zwei Keyframes für den Endpunkt, einen bei 0 Prozent, einen bei 100 Prozent etwa vier Sekunden später. Speichern Sie die Datei.

OK, als Nächstes gilt es, das Flimmern einzufügen. Fügen Sie auf der zweiten Farbfläche den Effekt PS + Lens Flare mit einer Helligkeit von 50 Prozent ein. Jetzt kommt der Clou dieses Tricks: Das Flackern muss um das Logo herum wandern. Dazu gehen Sie zur Zeitleiste, blenden die Einstellungen des Effektes ein, und klicken auf „Flare Center". Auf der Zeitleiste erscheint ein kleines, schwarzes Symbol. Es zeigt an, dass mit der Animation begonnen werden kann. Also dann: Fügen Sie die Zwischenablage ein. Die Illustrator-Form wird in Positions-Keyframes für dieses Merkmal umgewandelt. Cool, nicht wahr? Sie werden feststellen, dass sie nur bei zwei Sekunden stehen. Da es sich aber um zeitlich nicht fixierte Keyframes handelt, können Sie bei gedrückter Alt-/Wahltaste den End-Frame zur Vier-Sekunden-Marke ziehen, und schon werden sie angepasst. Wenn Sie die Helligkeit des Flackerns ändern wollen, können Sie zwei ähnliche Keyframes am In- und Out-Punkt des Attributs auf der Zeitleiste setzen und mit ihnen experimentieren.

Im letzten Teil meiner kleinen Vorführung werden die Funken hinzufügt. Dazu verwende ich das Plug-in „Final Effects Particle Systems II" von Ice. Es lässt sich so massschneidern, dass man damit Rauch, Feuer, Funken, ja selbst Sterne, nachahmen kann. Sie müssen nur den Illustrator-Pfad erneut in die Producer-Zeitleiste für diese Ebene einfügen. Fertig!

Wer es ausprobiert und daran Gefallen gefunden hat, möchte mich bitte davon unterrichten (steve@outlawfx.com). Ich freue mich immer über Feedback.

Nachdem ich nach der Siggraph doch noch Zeit für einen wundervollen Skydive über der Monterey Bay gefunden habe, bin ich jetzt wieder zu Hause und bereite mich auf die Seybold in San Francisco Ende des Monats vor. Das wird wieder eine feine Sache: nette Gesichter in meiner Lieblingsstadt.

Wenn Ihnen bei dem Gedanken an After Effects, Illustrator 9.0 und LiveMotion das Wasser im Munde zusammenläuft: Sie sind herzlich eingeladen, bei mir am Adobe-Stand vorbeizuschauen!


Steve Holmes ist freischaffender Experte für Design und Animation. Er erstellt Effekte mit Bewegtbildern, Animationen, ausserdem Web-Sites und Grafik-Designs und leitet Outlaw FX vom ländlichen England aus. Auf Messen arbeitet er regelmässig als Promoter für Adobes Motion- und Web-Produkte und veranstaltet eine ganze Reihe von Fortbildungskursen. Sein E-Mail-Kontakt ist steve@outlawfx.com. Information zum Weiterbildungsprogramm und dem Angebot von Outlaw finden Sie unter www.outlawfx.com.