Digital Video
Motion Galerie
Manege der Medien
Seite:
Verwendete Produkte:
Photoshop
Premiere
After Effects
DER VIDEOKÜNSTLER MARK O'CONNELL HÄLT UNS DEN SPIEGEL VOR - VORSICHT!
Die Postkarte an seiner Schlafzimmerwand bringt es auf den Punkt: IHR FERNSEHER IST SCHON TOT.

Da braucht eigentlich gar nicht mehr betont zu werden, dass das Werk dieses aus der Reihe tanzenden Videokünstlers aus Seattle ein Terrain beschreitet, das irgendwo zwischen dem Grotesk-surrealen und dem Überraschend-erhabenen liegt. In Top Story Tonight schmelzen zum Beispiel die redenden Köpfe von Nachrichtensprechern wie Wachs in einem postmodernen Medienfeuer - vor dem Hintergrund eines Soundtracks mit Sprachfetzen aus Nachrichtensendungen.

Der frühere Rock-Gitarrist, der zu einem Video-Schnittmeister wurde, versinkt in einer dunklen Welt aus Binärzahlen, wo es nichts ausser Nullen und Einsen gibt, die es zu verarbeiten, zu verarbeiten und zu verarbeiten gilt. Standbilder, Archivmaterial, Tondateien, Musik und Text liefern die eklektische Eingebung für Werke, die auf Filmfestspielen und in Kunstgalerien auf der ganzen Welt vorgeführt werden.

"Ich habe mich dem Digitalvideo verschrieben, damit ich all diese Elemente ohne Umschweife einsetzen kann", erklärt O'Connell. "Ohne diese Möglichkeit bräuchte man einen Spezialisten dafür. Die Filmbranche lebt vom Konsens. Kunst nur mit Genehmigung von oben. Schauen Sie sich mal den Abspann eines Hollywood-Streifens an: Sie werden nie bloss einen Autor finden. Bei digitalem Video ist so etwas aber möglich. Das macht es weitaus individueller und damit eher zu einer Kunst als zu einem Gewerbe."


"Schon die nicht handbuchgerechte Verwendung der Werkzeuge kann interessante Ergebnisse bringen."

- Mark O'Connell


O'Connells schonungsloser, vieldeutiger Sinn für Ästhetik ist eher mit dem der Rockband Nirvana vergleichbar, seine Kunst hat aber mehr mit einem anderen Musiker aus Seattle gemein: Jimi Hendrix. Wie Hendrix' pyrotechnische Reisen ins Unbekannte das Ergebnis einer Suche nach neuen Methoden waren, die E-Gitarre zu malträtieren, so sind O'Connells Montagetechniken zugleich obsessiv und aussergewöhnlich: "Schon die nicht handbuchgerechte Verwendung der Werkzeuge kann interessante Ergebnisse bringen. Ich arbeite meist bei geringer Auflösung. Dadurch entsteht so etwas wie ein Artefakt, das ich nach meinem Willen formen kann."

Er bemerkte wie Hendrix vor ihm, dass neue Medien Möglichkeiten in sich bergen, wie man Kunst auf ganz anderem Wege schaffen kann. "Wir befassen uns mit einer Kette aus Nullen und Einsen. Das heisst, man kann diese Informationen nehmen und damit vorher Undenkbares möglich machen. Dahinter kann einfach viel mehr stecken als bloss eine Methode, die schneller ist als lineares Schneiden."

Als Erstes sammelt O'Connell Elemente, um sie dann in eine "Collage in Bewegung" einzubauen - etwa so wie ein Robert Rauschenberg zur Jahrhundertende-Stimmung. Der amerikanische Pop-art-Künstler arbeitete mit ausgeschnittenen Bildern aus Hochglanzmagazinen und Zeitungen, O'Connell bedient sich hingegen überall. Er schneidet aus, sortiert und gruppiert um, je nach Bedarf. Bei seinen frühen Projekten kam er sogar ohne Kamera aus. Seine Quellen werden fotografiert, per Hand gezeichnet oder auf Musikinstrumenten improvisiert. Andere wiederum werden von einem immer auf Aufnahme gestellten Videorekorder oder von einer Videothek geliefert, die sich auf Secondhand-Zelluloid spezialisiert hat. Das ganze Material findet schliesslich seinen Weg auf die Festplatte eines Apple PowerMac G3.

O'Connell macht sich dann an die Bearbeitung der Texturen, Farben und Bewegtbilder. Zu seinem Repertoire gehören Adobe® Photoshop® für die Zusammenstellung und Adobe Premiere® für die Videobearbeitung per Ausschneiden und Einfügen. Er widersteht der Versuchung, sich zur Erzielung bestimmter Effekte auf Filter zu verlassen, die normalerweise beim Experimentieren mit Video Verwendung finden. Stattdessen benutzt er die eingebauten Filter von Adobe After Effects® - doch anstatt einen einzigen Filter auf seinen ganzen Film anzuwenden, setzt er gleich acht oder neun aufs Geratewohl ein und lässt dann das Resultat auf sich zukommen. "Ich verwende selten Filter von Drittanbietern. Die sind doch einfach, leicht wiederzuerkennen und ausserdem zweitklassig", verrät O'Connell.

Als Regisseur hat O'Connell mehr von Fellinis Methode, über den Bewusstseinsstrom an die Kunst heranzugehen, als von Spike Lees ausgefeilter Schule der Erzählkunst. Tatsächlich meidet O'Connell herkömmliches Geschichtenerzählen komplett. Mit seinen Produkten will er neue Mittel und Wege finden, wie der Zuschauer Bewegtbilder und Ton erlebt.

Obwohl schon lange vor dem PC mit Video experimentiert wurde, werden Künstler wie O'Connell vor allem in der digitalen Welt immer wieder inspiriert. Der Kommentar des Amerikaners: "Das Neue daran ist die Fähigkeit zusammenzustellen, alleine zu arbeiten und viele grundverschiedene, traditionell nicht zusammengehörige Medien zusammenzubringen und nach Belieben zu manipulieren."

Wer an O'Connells Werk interessiert ist: eine Gesamtschau auf Video mit dem Titel "Dipstick" finden Sie in der Howard House Gallery und bei Blackchair Productions.

zurück zum Anfang