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Poor Boy Productions
ANSPRUCHSVOLL FÜR DEN ZUSCHAUER UND ERST RECHT DIE MACHER: DER UMSTRITTENE STREIFEN PARIAH VON POOR BOY PRODUCTIONS IST INDIE-STIL DURCH UND DURCH

Von Eugene Robinson

Lässt man die Reithosen, die Reitpeitsche und das Megaphon weg, ist Randolph Kret beinahe mehr wie Preminger als Otto selbst. Der alte Fuchs aus der Musik- und Videoszene, er hat unter anderem mit den Ex-Punks TSOL und Gangsta-Rapper Eazy-E zusammengearbeitet, ist dem aussergewöhnlichen Rhythmus und Exzess verbunden und zeigt das auch unverblümt. Jetzt, wo Kret am Ruder von Poor Boy Productions sitzt und Pariah, seinen ersten Grossleinwandfilm, steuert, ähnelt er zumindest im Geiste keinem mehr als dem herrisch-teutonischen Regisseur.

Pariah, eine kulturell-emotionale Mischung - manche würden sogar Vivisektion in den Mund nehmen - aus Rassismus und von Hass getriebenem Verbrechen, hat so ziemlich alles an Umschreibungen erfahren von "100 Minuten Horror aus der Grossstadt" bis "Clockwork Orange der Neunziger". Man spreche ja nicht von einem Kinofilm der einfachen Machart, so Kret: Hauptdarsteller David Lee Wilson erlitt während der 15-tägigen Dreharbeiten einen Nasenbruch und eine kaputte Wange, als man zu realitätsnah wurde und Einwohner von Los Angeles ihn und seinen kahlen Schädel mit dem auffälligen Hakenkreuz für einen wirklichen Skinhead hielten. Kret und sein Regieassistent (ein ehemaliger Green Beret) schlüpfen auch in die Rolle der Stunt-Koordinatoren und bei Bedarf in die der Sanitäter. Nimmt man die für Indie-Drehs typischen Hindernisse hinzu - zum Beispiel ein zu kleines Budget -, so kann man die Fertigstellung von Pariah als kleines Kinowunder bezeichnen. Ein wahrer Triumph des Willens.

Krets Grossprojekt, das teils digital, teils im 16mm- und teils im 35mm-Format auf einem AVID unter tatkräfitger Unterstützung von Adobe Premiere und After Effects erstellt wurde, war nach sieben Monaten im Kasten. "Wir haben einige Filmfestspiele mitgenommen, Slamdance, Cannes, Barcelona, Wien und Hollywood", erzählt Kret. Gute Kritiken erntete der Film unter anderem auch von den Online-ZeitschriftenFilm Threat und Variety sowie vom jetzt solo arbeitenden amerikanischen Fernsehkritiker Roger Ebert, der dem Film die Bestnote gab. Mundpropaganda in der Filmbranche und daraus resultierendes Interesse der Öffentlichkeit füllten das Budgetsäckel, sodass der erste rein digitale Kinofilm aus dem Hause Poor Boy, ein "mockumentary" (eine Dokumentation mit einer Portion Spott) namens Dirty Movies, in den USA im Januar auf die Leinwand kommt.

Bei diesem Projekt werde alles digital erstellt, erläutert Kret. "Bei Pariah und The Girl Next Door [eine Dokumentation unter der Regie von Christine Fugate], haben wir noch hybrid gearbeitet. Da wir aber diese hervorragende kleine Kamera haben und alles auf Beta SP drehen, dann schneiden und auf 35mm packen können, sieht alles bestens aus."

Das wirft zwangsläufig die Frage auf, wie lange denn die Poor Boys noch "poor" bleiben? Dazu Kret in völlig trockenem Ton: "Bei Disney haben wir nach finanzieller Unterstützung gefragt - mit leeren Händen sind wir gegangen." Echtes Interesse bestehe jedoch anscheinend bei den amerikanischen Filmstudios Lion's Gate und Shooting Gallery. Und so wird man vom Tellerwäscher zum Chef-Tellerwäscher und dann langsam zum Millionär dank guter Arbeit oder schmeichelhafter Auszeichnungen mit grosszügigen Schecks. Bei Poor Boy scheint man jedenfalls für alles gerüstet zu sein.

"Gute Arbeit zu leisten, stimmt uns zufrieden", meint Shaun Hill abschliessend. Der Co-Produzent bei Poor Boy arbeitet derzeit an einem Black Dahlia-Projekt. "Es fällt aber auch leichter, gute Arbeit zu leisten, wenn das nötige Kleingeld zur Verfügung steht. Wenn einem dann noch die Technik dabei unter die Arme greift, ist das umso besser." Und auf die Frage, ob der Streifen Oscars einbringen werde, antwortet das "schlaue Geld": "Keine Frage!"

Eugene Robinson, Editorial Manager bei Adobe Systems, ist ebenfalls ein "poor boy".

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