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Das Labyrinth der Farben

Vom Scanner zum Monitor

In allen Ortschaften im Labyrinth der Farben gilt es, die kürzeste Verbindung von der Auffahrt mit dem Scanner zum Kreisverkehr mit dem Monitor zu nehmen. Das Ziel ist natürlich, am Monitor die gleichen Farben zu sehen wie auf den Vorlagen bei der Auffahrt. Dabei gibt es eine Reihe von Dingen zu beachten.

Es gibt Scanner, Anwendungsprogramme und Monitore, die nur für Office- und Webhausen konstruiert sind. Die in diesen beiden Städten vorherrschende Firma Microsoft hat in ihren technischen Richtlinien definiert, dass alle Scanner, Anwendungsprogramme, Monitore und Drucker mit einem einheitlichen Farbstandard namens sRGB arbeiten. Von Microsoft ist dabei vorgeschrieben, dass der Benutzer eines Scanners oder Anwendungsprogramms keine Farbeinstellungen für die Farbkalibrierung vorzunehmen braucht und auch nicht darf. Dies hat den Vorteil, dass man die Geräte anschliessen und ohne irgendwelche Konfigurationen sofort loslegen kann. Wenn irgendetwas mit den Farben aber nicht klappt, muss man das hinnehmen. Hinzu kommt, dass der Farbstandard sRGB nicht alle Farben umfasst, die im Offsetdruck wiedergegeben werden können.

Der zweite Weg sind Scanner und Anwendungsprogramme, die die sogenannten ICC-Farbprofile unterstützen. Ein ICC-Profil beschreibt den Farbraum eines Ein- oder Ausgabegerätes bzw. eines Farbstandards. Scanner und Anwendungsprogramme mit ICC-Unterstützung lassen sich so konfigurieren, dass sie in allen Ortschaften des Labyrinths eine korrekte Umsetzung der Vorlagenfarben zum Monitor gewährleisten. Allerdings muss sich der Anwender vor einem Job überlegen, was er eigentlich will und was die Konfigurationsmöglichkeiten in seinen verwendeten Programmen wirklich bedeuten. Dies erfordert eine intensivere Auseinandersetzung mit der Materie als beim Microsoft-Ansatz. Ein grosser Vorteil ist aber die Möglichkeit, die verschiedenen Ein- oder Ausgabegeräte mittels ICC-Profilen individuell in ihrer Farbwiedergabe zu kalibrieren. Damit lässt sich auf recht preiswertem Equipment eine Qualität erzielen, die insbesondere in Grafikstadt noch vor einigen Jahren nur mit vielfach teurerem Equipment möglich war.

Werden in einem Scan- und Bildverarbeitungsprogramm ICC-Profile allerdings nicht richtig konfiguriert, so sind alle Farben im System mehr oder minder verfälscht. Je nach Ortschaft sind die Regeln für die Konfiguration unterschiedlich. In der vorliegenden Kolumne geht es um die grundsätzlichen Regeln für jede Ortschaft. Die Feinheiten folgen in den nächsten Ausgaben.

Guckt man sich die verschiedenen Ortschaften im Labyrinth an, dann gibt es dort jeweils unterschiedliche Arbeitsfarbräume, die mit einem entsprechenden ICC-Profil in den Scansoftwares und im Anwendungsprogramm konfiguriert werden müssen. In Photoshop 5.5 sind im Menü Datei/Farbeinstellungen die RGB- und CMYK-Einstellungen für die Definition der Arbeitsfarbräume zuständig. Für das Arbeiten mit Photoshop in Office- und Webhausen muss in den RGB-Einstellungen sRGB angewählt werden. In Grafikstadt sind die CMYK-Einstellungen ausschlaggebend. Hier sollte das gleiche Farbprofil angewählt werden, dass in der Scansoftware für CMYK-Daten vorgesehen ist. Scan-Lösungen von AGFA oder Heidelberg bringen schon von Haus aus Profile für den Offsetdruck mit, die dort jeweils vorkonfiguriert sind.

In Crossmedia-City spielen Lab- und verschiedene RGB-Arbeitsfarbräume die grösste Rolle. Ein Lab-Arbeitsfarbraum benötigt kein Profil, da er per se medienunabhängig ist. Bezüglich des RGB-Arbeitsfarbraums hat die Anwendervereinigung European Color Initiative eine Empfehlung herausgegeben, die sich in Deutschland sehr bewährt hat.

Weiterhin benötigt wird ein Profil für den Scanner. So werden z.B. AGFA-Scanner der Duoscan und Arcus-Reihe sowie alle Scanner von Heidelberg mit fertig konfigurierten Scannerprofilen ausgeliefert. Weiterhin werden Testvorlagen und ein Programm mitgeliefert, um für den jeweiligen Scanner bei Bedarf ein individuelles ICC-Profil zu erstellen.

Für korrekte Farben am Monitor ist ferner ein spezielles ICC-Profil notwendig. Dies kann entweder ein Standardprofil des Herstellers oder ein individuelles Farbprofil sein. Für individuelle Farbprofile wird ein Farbmessgerät mit Software zur Erstellung eines Farbprofils benötigt oder ein Dienstleister, der dies als Service anbietet.

Eine Einführung, die zeigt, in welchen Arbeitsschritten welche Profile miteinander verknüpft werden, finden Sie hier. Es handelt sich um das Kapitel 4 meines Buches Digitales Colormanagement im Format PDF mit 22 Seiten Umfang und 416 KB Grösse.

In der nächsten Kolumne geht es dann weiter in die Tiefe des Colormanagements für Scansoftwares und Photoshop.

Herzlichst Ihr Jan-Peter Homann


Jan-Peter Homann ist Autor des Buches "Digitales Colormanagement" und verfügt über 13 Jahre Erfahrung in der digitalen Farbverarbeitung mit Standard Hard- und Software. Sein Steckenpferd ist Troubleshooting, wenn bezüglich Farbe Dinge passieren, die es eigentlich nicht geben dürfte...