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Typotronic
Typografische Fehler vermeiden

Das Ende der D-Mark naht. In Anzeigen und auf Preisschildern rückt die europäische Gemeinschaftswährung immer mehr in den Vordergrund. Sie tut dies in Form des Eurozeichens, ein Novum für uns Deutsche, denn anders als in den USA ($), in Japan (¥) oder in England (£) hatte sich für die D-Mark nie ein Sonderzeichen im Schriftsatz etabliert.

Vor rund drei Jahren veröffentlichte die Europäische Union die Geburtsurkunde des neuen Symbols: „Das grafische Symbol des Euro ähnelt einem E, das von deutlich markierten, horizontal parallel verlaufenden Linien durchquert wird. Es lehnt sich an den griechischen Buchstaben Epsilon an und verweist damit auf die Wiege der europäischen Kultur und auf den ersten Buchstaben des Wortes Europa. Die parallel verlaufenden Linien stehen für die Stabilität des Euro."

Konstruktion und Empfehlung der Euro-Bürokraten für ein einheitliches Eurozeichen

Wäre es bei den Worten geblieben. Doch die EU lieferte eine Reinzeichnung mit, die bewies, wie vertraut die Brüsseler Bürokraten mit den Wiegen der europäischen Kultur sind. Mit Geodreieck und Zirkel hatte ein technischer Zeichner eine leblose Letter geschaffen, wo wir doch seit der Capitalis Quadrata auf der römischen Trajanssäule wissen, dass Schrift mit Geometrie so wenig zu tun hat wie ein echter italienischer Espresso mit Pulverkaffee. Anders als behauptet erinnert das Zeichen eher an ein C als an ein E, und infolge geringer Strichstärke scheint es zu verhungern, anstatt Stärke auszustrahlen.

Die EU erwartete anscheinend von den Schriftherstellern, dass sie das Symbol wie ein Firmenlogo in ihre Fonts integrierten. Ausser der Firma Apple (siehe unten) ist keines der grossen Schriftenhäuser auf diesen Witz hereingefallen. Darf ich Brüssel an dieser Stelle in Erinnerung rufen, dass sich die lateinischen Satzschriften über Jahrhunderte zu einer Vielfalt von Formen entwickelt haben, die ungezählte Einsatzgebiete abdecken.

Wer sich wachen Auges durch Drucksachen informiert, weiss, dass Währungszeichen dem Charakter der jeweiligen Schrift angepasst sind: in der Strichstärke, Breite, Höhe und den formalen Eigenschaften (Serifen, Kontrast...). Die Uniformität eines Eurozeichens ist für Typografen eine grausige Utopie, so wie es konforme Europapolitik für uns Bürger wäre.

Zu jeder Schrift gehört ein formal passendes Eurozeichen

Neben der Form des Eurozeichens tauchte fürs Schreiben am Computer eine weitere Frage auf: wohin mit dem Buchstaben? Während Microsoft eine vorbildliche Lösung präsentierte – die Unterbringung des neuen Zeichens zusätzlich zu den gewohnten unter der Tastenkombination Alt Gr-E (Dezimalposition 128) –, tauschte Apple das Currency-Zeichen gegen das Eurozeichen aus.

Damit könnte man leben, denn das Währungszeichen benutzte sowieso kaum jemand. Doch anstatt die Tastaturposition für diesen Zweck freizugeben, schoss Apple mit Einführung des Betriebssystems 8.5, neuem Druckertreiber und einem neuen „Symbol"-Font mit der Schrotflinte: Jedes Zeichen auf der Position des Currency-Symbols wird gnadenlos und automatisch durch ein generisches Eurozeichen aus dem neuen Symbol-Zeichensatz ersetzt, das so aussieht, wie es sich die Europäische Union wünscht.

Praktischerweise sollte die Breite des Währungszeichens die Breite der Ziffern aufweisen

Dies ist umso ärgerlicher, als Schriftherstellern bereits frühzeitig signalisiert wurde, dass für das Eurozeichen die Position des Currency geräumt würde, nicht jedoch, dass die Typografen sich die Mühe des Entwurfs für die von Gestaltern so geliebte Macintosh-Plattform sparen können. Und so passiert es immer wieder, dass man bei der Arbeit mit neueren Schriften am Bildschirm zwar das zur Schrift passende Eurozeichen geniessen darf, im Druck allerdings das steife EU-Symbol zu Papier kommt. Dumm gelaufen.

Abhilfe schafft die Verwendung eines älteren Druckertreibers. Einen solchen liefert Apple sogar mit dem Betriebssystem mit. Dieser Druckertreiber hat die Bezeichnung „Laserwriter 8f", dahinter verbirgt sich der Laserwriter 8, Version 8.2.3. Er wird bei Standardinstallationen nicht automatisch installiert, kann aber problemlos mittels „benutzerdefinierter Installation" nachgerüstet werden. Wenn auf die Features der neuen Druckertreiber nicht verzichtet werden kann oder soll, hilft nur ein Patch. Dieses Vorgehen ist nur technisch versierten Benutzern zu empfehlen.


Jürgen Siebert (41) studierte in Frankfurt am Main Physik. Nach dem Diplom 1985 arbeitete er zunächst als Wissenschaftsjournalist (u.a. FAZ), verfasste sein erstes Buch und siedelte nach Hamburg über. Dort war er 1986 Mitbegründer des Grafikmagazins PAGE, dessen Geschicke er bis 1991 als Chefredakteur lenkte, bevor er nach Berlin ging. Dort war Siebert zunächst zwei Jahre für FSI FontShop International tätig, bevor er 1993 das Marketing für FontShop Deutschland übernahm. Im Jahre 1998 gründete er sein Redaktionsbüro hitext, das auf die Kommunikation visueller und typografischer Themen spezialisiert ist. Jürgen Siebert war 1997 und 1998 Jurymitglied bei Adobes European Design Contest. Er ist Mitherausgeber der Schriftenbibel "FontBook" und des 1999 erschienen Typografie-Bildbandes "emotional_digital".