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Von Joe Shepter
Sollte es Sie einmal nach Paris verschlagen und Sie dort die Lust verspüren, die Kunst von Jean-Francois Porchez zu sehen, nehmen Sie die U-Bahn. Egal wo, egal welche. Dort, auf den Linienplänen der Metro, sehen Sie die klaren Konturen von Porchez' Schrift Parisine.
Er ist gewiss kein Rockstar. Wahrscheinlich erwischen Sie den 35-Jährigen mit grauem Pullover auf dem Weg von seiner kleinen Wohnung im Pariser Vorort Malakoff zu seinem Arbeitsplatz an der Universität. Sein Büro im eigenen Schlafzimmer besteht aus einem Computerterminal, einem Drucker und einem Zeichentisch. An der Wand hängt eine Nahaufnahme einer Inschrift auf einem römischen Denkmal.
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Beim Schrift-Design "hat man dann beste Arbeit geleistet, wenn keiner merkt, was man geleistet hat." - Jean-Francois Porchez
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Porchez wirkt eher nicht wie ein Revolutionär, doch hat sein Schrift-Design der letzten fünf Jahre in Paris Spuren hinterlassen. Sein Werdegang begann bei der Werbeagentur Dragon Rouge, wo er für die Schriftgestaltung von Logos für Mineralwasser und Milchprodukte zuständig war (womit er zu der weit verbreiteten Spezies gehört, die sich am Karriereanfang mit Wasserflaschen und Jogurtbechern herumschlagen musste).
Dort las Porchez auch in einem Artikel über die Neugestaltung der Pariser Tageszeitung Le Monde, und das gab ihm zu denken. Nicht wegen der Neugestaltung an sich, die sicher bei niemandem Verwunderung hervorrief.Le Monde war ein alter Platzhirsch der französischen Kultur, doch infolge ihrer übermässig kleinen Schrift und einer Reihe anderer Probleme war sie kaum lesbar. Porchez nervte vor allem, dass Le Monde am Schriftsatz Times New Roman festhielt, einem 60 Jahre alten Standard bei Zeitungen.
In den Mittagspausen arbeitete Porchez an dessen Veränderung. Was machte es da schon aus, dass er niemanden bei Le Monde kannte und dass niemand in der Belegschaft mit seinem Namen vertraut war. Er hatte einen logischen, wenn nicht gar besonders originellen Plan, Le Monde auf sich aufmerksam zu machen: über einen Leserbrief.
In dem Brief, den wohl irgendjemand gelesen haben muss, forderte er Le Monde auf, ein neues, gänzlich französisches Schriftbild einzusetzen. Seiner Auffassung nach sind es vor allem Unterschiede in der Häufigkeit von Vokalen und Konsonanten bei den Sprachen, die unterschiedliche Ansprüche an ein Schriftbild stellen. Ein Amerikaner, der zum Beispiel nach einem A auf einer französischen Tastatur sucht, muss überrascht feststellen, dass es sich dort befindet, wo bei einer amerikanischen das Q sitzt. Der Grund: Das Französische wimmelt nur so von Qs, As sind dagegen eher eine Seltenheit. Nach Ansicht Porchez' nimmt der Schriftsatz der Le Monde Rücksicht auf solche Unterschiede und liest sich besser auf Französisch.
Sein Brief wirbelte in der Redaktion viel Staub auf. "Über eine Veränderung des Schriftbildes für Le Monde bestand kein Zweifel", schreibt Le Monde-Herausgeber Laurent Greilsamer. "Es ging um den Fortbestand der Zeitung. Wir mussten einfach unsere Leser zurückgewinnen und sie von dem grausamen Anblick befreien." Schliesslich akzeptierte das Blatt Porchez' Le Monde Journal, das seitdem als moderner Klassiker einen Namen hat.
"Viele lesen die Zeitung in der U-Bahn", argumentiert Porchez. "Le Monde [der Schriftsatz] ist nicht wie Raygun, der Leser anspricht, die solche Publikationen des Aussehens und spezieller Inhalte wegen kaufen und sie somit in jedem Fall lesen. Eine Tageszeitung muss einen möglichst grossen Leserkreis ansprechen, das Lesen aber auch einfach machen."
Seine Arbeit für Le Monde liess Porchez zu einem "Star der Typografie" aufsteigen. In der Zwischenzeit hat er zahlreiche Schriften für Kunden wie Peugeot, die Pariser Metro, einige Kreuzfahrtgesellschaften und andere Zeitungen entworfen.
"Ein Schrift-Designer ist wie ein Dirigent", resümiert er. "Man entwickelt immmer eine Variante zu einem Thema, das andere vor einem schon behandelt haben. Der Unterschied ist, dass man dann beste Arbeit geleistet hat, wenn keiner merkt, was man geleistet hat."
Joe Shepter, Editor bei Adobe.com, musste Porchez wiederholt versichern, dass tatsächlich ein Beitrag über einen Schrift-Designer auf der Web-Site erscheinen würde, der nicht für Adobe arbeitet..
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