Dieses Dokument richtet sich an Anwender, die von Type 1-Schriften von Adobe (PostScript) auf die entsprechenden OpenType-Schriften migrieren möchten. Hier finden sie Antworten auf häufig gestellte Fragen, die im OpenType-Benutzerhandbuch und in der Bitte-lesen-Datei nicht behandelt werden. (Beide Ressourcen sind unter www.adobe.com/de/type/opentype verfügbar.)
Das Type 1-Format wurde im Lauf der Zeit immer wieder geändert, bevor es schließlich in OpenType konvertiert wurde (siehe unten). Beachten Sie, dass die OpenType-Schriften aus der Adobe Type Library auf den neuesten Type 1-Versionen basieren. Wenn Sie den Unterschied zwischen einer OpenType-Schrift und der entsprechenden Schrift in Type 1 herausfinden möchten, lesen Sie am besten die Beschreibungen für beide Formate – für den Fall, dass Ihre Type 1-Version nicht der neuesten Version entspricht.
Adobe übernimmt keine Garantie für die Kompatibilität zwischen früheren Type 1-Schriften und neuen OpenType-Schriften. Die meisten OpenType-Schriften von Adobe stimmen jedoch in Bezug auf Kontur, Breite und Kerning-Werte mit den entsprechenden Type 1-Schriften überein. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Textfluss verändert, wenn Type 1-Schriften durch entsprechende OpenType-Schriften ersetzt werden, ist davon abhängig, welche Schriftart und welche Zeichen innerhalb dieser Schriftart und welche Applikation Sie verwenden. Lesen Sie dazu auch Konvertierung der Adobe Type Library in OpenType: Was wurde geändert? und Verhaltensunterschiede und Probleme in Bezug auf Textfluss: Zusammenfassung weiter unten.

 

Welche Type 1-Schriften von Adobe entsprechen welcher OpenType-Schrift?

Die Antwort auf diese Frage finden Sie in den Tabellen unter www.adobe.com/de/type/opentype. In der einen Tabelle werden nur Multiple-Master-Type 1-Schriften aufgeführt, in der anderen die übrigen Type 1-Schriften.

 

Was hat sich während der Zeit von Type 1 geändert?

1) Die Schriftarten ITC Eras und Optima wurden 1993 umfassend überarbeitet. Die Type 1-Versionen aus 1989 bis 1993 sind mit aktuellen Software-Applikationen und Betriebssystemen nicht kompatibel.
2) Abgesehen davon sind Adobe selbst bei älteren PostScript Type 1-Schriften keine Kompatibilitätsprobleme bekannt. Tatsächlich enthält die Adobe Type Library auch Schriften, deren ursprüngliche Type 1-Form nach ihrer Einführung in den Achtzigerjahren nie geändert wurde.
In puncto Design und Metrik wurden nur wenige Type 1-Schriften vor dem Wechsel zu OpenType umfassend geändert. Hier finden Sie die wichtigsten Anpassungen vor der Konvertierung:
3) Für Courier wurden immer wieder neue Hauptversionen entwickelt, die jeweils deutliche Unterschiede hinsichtlich der Konturen und ihrer Enden aufwiesen. Auch das Design der Schriftarten Times und Helvetica wurde in den frühen Neunzigerjahren umfassend überarbeitet.
4) Viele häufig verwendete Schriften, die mit PostScript 3-Ausgabegeräten gebundlet sind, wurden ebenfalls einige Male geändert. Schriften mit akzentuierten Zeichen, die nicht alle durch Kerning optimiert waren, wurden diesbezüglich erweitert, um Kerning für sämtliche akzentuierte Zeichen zu gewährleisten. Außerdem wurden all diese Schriften sowie alle weiteren Schriften, die mit demselben Paket angeboten wurden, durch das Euro-Zeichen ergänzt. Beachten Sie, dass diese beiden Änderungen später im Rahmen der OpenType-Konvertierung auf sämtliche alphabetischen Schriften von Adobe angewendet wurden. Hier sehen Sie eine Liste der Familien/Pakete, die dieser Änderung schon im Type 1-Format unterzogen wurden.
Albertus MT
Antique Olive
Bodoni (vereint Bodoni 1 und 2)
Carta
Clarendon
Cooper Black
Copperplate Gothic
Coronet
Courier
Eurostile
Gill Sans (vereint Gill Sans 1 und 2)
Goudy (vereint Goudy 1 und 2)
Helvetica Condensed
Helvetica Narrow (diese Familie wurde jedoch nicht konvertiert, siehe oben)
Helvetica
ITC Avant Garde Gothic
ITC Bookman
ITC Lubalin Graph
ITC Mona Lisa
ITC Zapf Chancery
ITC Zapf Dingbats
Joanna MT
Letter Gothic
Marigold
New Century Schoolbook
Optima
Oxford
Palatino
Stempel Garamond
Symbol
Tekton
Times
Univers (vereint Univers 1 und 2)
Univers Condensed

 

Konvertierung in OpenType: Was wurde geändert?

Nach den oben beschriebenen Änderungen in der Zeit von Type 1 wurde OpenType eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt hat Adobe die Adobe Type Library umfassend überarbeitet.
1) Die Schriftart Helvetica Narrow wurde nicht in OpenType konvertiert. Das hat folgenden Grund: Diese Schriftfamilie wurde zur Verwendung mit Druckern entwickelt, deren ROM-Speicher äußerst eingeschränkt war. Die Schrift wurde durch die mathematische Komprimierung von Helvetica um 18 % (auf 82 % der ursprünglichen Breite) erstellt. Das Ergebnis war ein Kompromiss mit verzerrten Buchstabenformen und dünnen vertikalen Konturen neben breiteren horizontalen Konturen.
Für den allgemeinen Einsatz empfiehlt Adobe stattdessen die Schriftart Helvetica Condensed, die speziell für die Komprimierung konzipiert wurde, sodass die Konturenstärke nicht beeinträchtigt wird. Wenn eine Schrift benötigt wird, die genau mit Helvetica Narrow übereinstimmt, bieten viele Programme wie Microsoft Word, Adobe InDesign und Adobe Illustrator die Option, eine Schrift horizontal auf einen gewünschten Schriftgrad zu skalieren. Sie könnten beispielsweise Helvetica LT Std verwenden und die Schrift auf 82 % horizontal skalieren.
2) Alle oder fast alle Schriftfamilien von Robert Slimbach wurden überarbeitet. In den meisten Fällen wurden der Abstand und das Kerning angepasst. Bei einigen Schriften wurde das Design grundlegend geändert. Hier finden Sie die wichtigsten Änderungen sowie eine Liste aller Slimbach-Schriften, die geändert wurden. Beachten Sie, dass die beiden ITC-Designs nicht geändert wurden (ITC Slimbach und ITC Giovanni).
3) Die wichtigste Einzeländerung betrifft das Kursiv-Design von Cronos Pro, das sich von der früheren Version deutlich unterscheidet (weniger kursiv).
4) Die Schriftart Minion Pro wurde im Vergleich zur früheren Version Minion MM überarbeitet, wobei die Unterschiede sehr subtil sind. Dazu gehören auch minimale Änderungen in Bezug auf die Auswahl der Instanzen. Bei der Darstellung von Text in Minion Pro, der in der Type 1-Version von Minion erstellt wurde, wird der Textfluss mit hoher Wahrscheinlichkeit leicht verändert.
5) Die Schriftart Utopia Standard wurde durch Varianten für optische Größen erweitert, und das reguläre Design hat einen neuen Look erhalten.
6) Hier sehen Sie die vollständige Liste der Familien, bei denen Design oder Abstand deutlich geändert wurden:
Adobe Garamond
Adobe Jenson
Caflisch Script
Cronos
Kepler
MinionMyriadPoeticaSanvitoUtopia
7) Einige weitere Adobe Originals-Schriften wurden durch wichtige Ergänzungen oder Anpassungen verbessert. Konkret wurde das Versalien-Design von Lithos Pro und Trajan Pro durch echte Kapitälchen ergänzt. Nach einem Wechsel von Type 1 zu OpenType erscheint in Kleinbuchstaben eingegebener Text in Kapitälchen. Als Kapitälchen eingegebener Text bleibt unverändert.
Alle Schriften mit dem Namenszusatz „Pro“ wurden durch zusätzliche Sprachunterstützung erweitert. Beim Wechsel von der alten zur neuen Version entstehen hierdurch keine Probleme. Wenn jedoch Text mit der neuen Sprachunterstützung erstellt und dann wieder in der alten Version verwendet wird, hat dies zur Folge, dass der Text je nach Applikation entweder fehlt (Anzeige von notdef-Glyphen) oder durch eine andere Schrift ersetzt wird.
8) Alle alphabetischen Schriften wurden durch das Euro-Zeichen ergänzt, sofern noch nicht vorhanden (die meisten Schriften waren davon betroffen).
9) Alle alphabetischen Schriften wurden durch 16 Zeichen ergänzt, darunter 14 „Ersatzsymbole“ für den Mac sowie das Ungefähr- und das Liter-Zeichen. Der Ersatz bestimmter Zeichen durch Symbole ist eine Mac-spezifische Methode: Bei der Eingabe eines bestimmten Zeichens in einer Type 1-Schrift mit standardmäßiger Codierung wird sowohl für die Darstellung auf dem Bildschirm als auch für den Druck eine generische Glyphe im Times-Format aus der Symbol-Schrift abgerufen (sofern dieses Zeichen in der ursprünglichen Type 1-Schrift nicht vorhanden war). In OpenType wird das Zeichen nicht mehr durch eine generische Glyphe aus der Symbol-Schrift ersetzt. Stattdessen nutzt die Infrastruktur eine in die Schrift integrierte Glyphe. Alle OpenType-Schriften von Adobe verfügen über Schriften-spezifische Versionen der ehemaligen Ersatzglyphen aus der Symbol-Schrift, die sich in Bezug auf die Breite von diesen ursprünglichen Glyphen unterscheiden. Die folgenden Zeichen sind von dieser Änderung betroffen: partielles Differential, Delta (Mathematik), Integralzeichen, Pi (Mathematik), Produktzeichen (großes Pi, Mathematik), Wurzelzeichen, Unendlichkeitszeichen, Raute, Summenzeichen (großes Sigma, Mathematik), ungefähr gleich, Ohm (großes Omega, Mathematik), kleiner gleich und größer gleich.
10) Alle Schriften mit akzentuierten Zeichen, die nicht durch Kerning optimiert waren, wurden diesbezüglich erweitert, um Kerning für sämtliche akzentuierten Zeichen zu gewährleisten.
11) Etwaige zusätzliche Schriften in einer Schriftfamilie, wie z. B. Expert-Zeichensätze, Zierbuchstaben oder separate kyrillische Schriften, wurden mit den Grundschriften zusammengeführt. Durch das Vorhandensein solcher zusätzlichen Schriften kann sich das Verhalten in Applikationen mit typografischen Funktionen ändern; genauer gesagt, kann das Schriftbild mehr Ligaturen oder echte Kapitälchen (anstatt falscher) enthalten. In diesen Fällen kann es sein, dass mehrere Type 1-Schriften einer einzigen OpenType-Schrift entsprechen.
12) Jede Instanz einer ehemaligen Multiple-Master-Schrift wird jetzt wie eine separate Schrift behandelt. Eine ehemalige MM-Schrift entspricht daher einer ganzen Gruppe von OpenType-Schriften.
13) Wenn die ursprüngliche Schrift eine Multiple-Master-Schrift mit ergänzenden Multiple-Master-Schriften war, besteht eine komplexe Many-to-Many-Beziehung zwischen den ursprünglichen Schriften und den OpenType-Schriften. Im Prinzip wird eine ursprüngliche Gruppe von Schriften eingelesen und eine neue Gruppe von Schriften ausgegeben, die komplett anders aufgebaut ist.

 

Verhaltensunterschiede und Probleme in Bezug auf Textfluss: Zusammenfassung

Wenn alle nachfolgenden Bedingungen erfüllt werden, ist es unwahrscheinlich, dass der Textfluss beim Wechsel von Adobe Type 1-Schriften zu den entsprechenden OpenType-Schriften beeinträchtigt wird. Eine 100-prozentige Kompatibilität kann jedoch nicht garantiert werden. (Weitere Informationen finden Sie unter den Punkten 1 bis 5 im oberen Abschnitt.)
  1. Sie verwenden Adobe-Schriften, aber nicht Adobe Originals.
  2. Sie erstellen Texte auf Deutsch.
  3. Sie verwenden nicht akzentuierte Zeichen.
  4. Sie verwenden ausschließlich Zeichen, die in den früheren Schriften vorhanden waren, und Sie verwenden keine der früheren Ersatzsymbole.
  5. Sie arbeiten mit Satzprogrammen, in denen (wie in nahezu allen professionellen Grafikapplikationen) der standardmäßige Zeilenabstand ausschließlich auf der Punktgröße oder dem Durchschuss basiert und nicht auf dem Begrenzungsrahmen der Schrift.
Wenn Sie professionelle Applikationen einsetzen, die OpenType-Layout-Funktionen unterstützen, kann das Erscheinungsbild von Schriften durch die zusätzlichen typografischen Glyphen beeinflusst werden. Die OpenType-Version einer Schrift kann mehr standardmäßige Ligaturen umfassen als die Type 1-Version. Da diese Ligaturen in Applikationen mit typografischen Funktionen standardmäßig unterstützt werden, können Unterschiede im Erscheinungsbild entstehen (wobei die OpenType-Version aus typografischer Sicht das bessere Ergebnis liefert).
Genauso kann es auch zwischen der Type 1- und der OpenType-Version einer Schrift zu Unterschieden im Verhalten von Kapitälchen kommen. Um echte Kapitälchen in einer Type 1-Schrift zu setzen, war ein Wechsel der Schrift erforderlich. Durch reines Formatieren, also durch Skalieren der Zeichen innerhalb der Applikation, entstanden falsche Kapitälchen. Falsche Kapitälchen haben eine schwächere Kontur als die restliche Schrift und können schmaler sein. Wenn ein Anwender zur OpenType-Version einer Schrift wechselt, die echte Kapitälchen umfasst, und das Programm mit der Fähigkeit ausgestattet ist, Kapitälchen zu erkennen und zu verwenden, werden die falschen Kapitälchen durch echte Kapitälchen ersetzt. Dies ist aus typografischer Sicht die bevorzugte Methode, aber es ist wahrscheinlich, dass der Text breiter ausfällt und der Textfluss verändert wird.
Beim Einsatz von Geschäftsapplikationen ist eine Veränderung des Textflusses aufgrund eines unterschiedlichen Zeilenabstands wahrscheinlich, wie oben unter Punkt 5 erklärt. Der Grund hierfür ist, dass solche Applikationen den standardmäßigen Zeilenabstand anhand des Begrenzungsrahmens der Schrift festlegen. Die zusätzlichen Zeichen in den OpenType-Schriften können den Begrenzungsrahmen verändern, vor allem, wenn OpenType-Schriften aus früheren Type 1-Zusatzschriften bestehen. Das Vorhandensein von Zierbuchstaben und/oder Ornamenten in OpenType-Schriften ist oft Ursache für Veränderungen des Zeilenabstands in Geschäftsapplikationen. HINWEIS: Um dieses Problem zu vermeiden, sollte der Text anhand eines punktbasierten Zeilenabstands formatiert werden und nicht mit Optionen wie einfachem oder doppeltem Zeilenabstand. Durch die Einrichtung des Zeilenabstands auf Basis eines Punktwertes, der dem standardmäßigen Zeilenabstand entspricht, kann dieser Zeilenabstand beim Wechsel zu einer OpenType-Schrift beibehalten werden.