
| DIE IDEE Obwohl Jean-François Rauzier seine digitale Kunst oft vorskizziert, weiß er aus Erfahrung, dass sich seine Ideen während der Arbeit weiterentwickeln. „Das Ende ist nie wie ursprünglich gedacht“, erklärt er. „Das Puzzle hat viele Teile, und ich weiß vorher nie, wie sie alle zusammenpassen.“ Maggie Taylor führt dieses künstlerische Treiben im Fluss noch einen Schritt weiter und lässt ihre Ideen fast ausschließlich auf dem Bildschirm Gestalt annehmen. „Vor Beginn habe ich kein Konzept“, sagt sie. Stattdessen verlässt sich Taylor ganz auf den künstlerischen Schaffensprozess – auch wenn dieser manchmal Monate in Anspruch nimmt. DIE PRÜFUNG |
“, sagt er. „Ich sammle Bäume, Himmel und Straßen, ohne vorher zu wissen, was ich mit ihnen anfange.“ Doch damit nicht genug. Er erweitert seine Sammlung ständig um Studioaufnahmen. Ein Sessel, ein antiker Vogelkäfig, zwei sich paarende Marienkäfer, der Nacken einer Puppe – allesamt potenzielle Kandidaten für seine digitalen Kunstwerke.
Taylors Sammelleidenschaft zieht noch weitere Kreise. Ebenso wie Rauzier macht sie auf jeder Reise Fotos, normalerweise von Landschaftsmerkmalen wie Wolken oder Wasser. Aber sie sucht auch gezielt nach faszinierenden Objekten. So kauft sie ein antikes Spielzeug auf einem Flohmarkt, dazu eine Daguerreotypie-Kamera auf eBay, und pflückt in ihrem Garten eine Zitrone. Dann scannt sie jedes Objekt in einem schwach beleuchteten Raum, retuschiert die Scans digital und beginnt darüber zu meditieren, welche Elemente sie verwenden könnte – und wie. „Während dieser Zeit prüfe ich alles im Hinblick auf verschiedene Möglichkeiten“, sagt sie. „Ich füge Ebenen in Photoshop hinzu und erstelle mein Bild – hier kommt der Spieltrieb voll zum Zuge.“ |
DIE AUSWAHL Auf das verspielte Aneinanderreihen von Elementen folgt unweigerlich der lange, schmerzhafte Prozess der Auswahl. Bei der Bearbeitung des Bildes werden Details herausgestrichen und überflüssige Objekte entfernt. Sowohl Rauzier als auch Taylor wollen ihre Werke so weit wie möglich zurechtstutzen. „Man muss in der Kunst übertreiben und Grenzen durchbrechen“, erklärt Taylor. „Aber anschließend muss man auch in der Lage sein, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren, Dinge zu vereinfachen und zu überarbeiten.“ „Der Weg zur Einfachheit ist oft lang und steinig“, meint Rauzier. Taylor stimmt zu. „Die Arbeit mit dem Computer beschleunigt den Schaffensprozess nicht. Man muss immer noch Entscheidungen treffen, und das braucht Zeit.“ |