
Tim Flach und Giles Revell sehen die moderne Technologie primär als ein Hilfsmittel. Durch die sorgfältige Nutzbarmachung ihrer Vorzüge eröffnet sich ihnen eine unbeschränkte Vielfalt an Möglichkeiten, ihre Konzepte wunschgemäß zu realisieren. Sie verzichten darauf, mittels Technologie die Wirklichkeit zu verzerren, und konzentrieren sich vielmehr darauf, mithilfe moderner Verfahren die Schönheit des Motivs aus ihrer Sicht unverfälscht in das fertige Bild zu transportieren.
Wirklichkeit und Schönheit sind in der Kunst subjektive Begriffe. Gelegentlich nutzen die Künstler die Bearbeitungsfunktionen in Adobe Photoshop für einfache Aufgaben der Bildbearbeitung, etwa zum Anpassen eines Bildelements, um ihm dieselbe Wirkung zu verleihen, die es im Sucher hatte. Mit digitaler Bildbearbeitung können auch weit dramatischere oder sogar surreale Effekte erzielt werden, wie im Fall von Tim Flachs Bild „Windows Chestnut“, das mit seiner Darstellung eines Pferdes vor einem Fensterrahmen an ein Porträt erinnert (siehe nächste Seite).
„Es steht außer Frage, dass Photoshop die digitale Fotografie revolutioniert hat. Die Software eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, gibt dem Fotografen die vollständige Kontrolle über sein Werk und ermöglicht einen flüssigeren Workflow,“ urteilt Flach und fügt nach kurzem Überlegen hinzu: „Ich bin der Ansicht, dass Technologie alleine wie ein leeres Gefäß ist, das erst durch das Befüllen mit einem Inhalt seiner Bestimmung zugeführt wird.“
„Technologie alleine ist wie ein Gefäß ohne Inhalt.“
– Tim Flach
Beide Künstler stehen den unzähligen Möglichkeiten der digitalen Dunkelkammer offen und pragmatisch gegenüber – schließlich helfen sie ihnen, ihre einzigartige Sicht der Dinge zu vermitteln. Außerdem vertreten beide die Methode „Learning by doing“: Grundkenntnisse in Adobe Photoshop sind vorhanden; ansonsten wird spontan experimentiert.