Adobe Magazine für Kreative
Adobe
Noch vor nicht allzu langer Zeit schien es ganz so, als seien die Tage der Print-Medien gezählt. Viele Branchenkenner prophezeiten den Siegeszug der Pixel über die Pica, der digitalen Kunst über die Druckerschwärze und der Plasmabildschirme und ihrer Nachfolger über alle anderen gängigen Präsentationsformate für Design, Inhalte, Werbung und sogar Kunst.

Und doch sind, um es mit Mark Twain zu sagen, die Nachrichten über den Tod der Drucktechnik völlig übertrieben. Denn ausgerechnet digitale Technologie und Interaktivität – die beiden Phänomene, von denen man annahm, dass sie den Print-Bereich eines Tages ersetzen würden – haben ihn als Kunst- und Medienform letztlich gestärkt.

Entsprechende Beispiele finden sich überall. Dank moderner digitaler Drucktechnologien wird beinahe jede Fläche zur Leinwand, von den gigantischen Textilbahnen, die Baugerüste verkleiden, über Flugzeuge bis hin zu papierdünnen Magneten. Und die Anwendungen der Adobe® Creative Suite®, mit denen Grafik-Designer täglich arbeiten, haben sich zu hoch integrierten Werkzeugen entwickelt, mit denen mühelos zwischen verschiedenen Medien wie Print, Web oder Video gewechselt werden kann.

„Digitale Technologie eröffnet uns fantastische Möglichkeiten“, sagt Simon Wooller, Creative
Director bei Saatchi Denmark. „Sie macht Print
zu einer Plattform, mit der sich die unge-
wöhnlichsten Dinge realisieren lassen.“

PRINT ZUM ANFASSEN
Wenn Simon Wooller von „fantastischen“ Möglichkeiten spricht, meint er damit weit mehr als kreative Spielereien mit Adobe Photoshop. Vor allem begeistert ihn die Tatsache, dass dank digitaler Technologie die Interaktion mit Zielgruppen wieder in den Mittelpunkt der Kommunikation gerückt ist. Es ist eine Besinnung auf alte Werte, eine Rückkehr zu der Art und Weise, wie seit Menschengedenken Waren und Dienstleistungen angepriesen werden: in persönlichen Gesprächen, häufig improvisiert, mit relevanten Argumenten und – vor allem – einem echten Dialog.

„Interaktivität ist heute der Maßstab für erfolgreiche Kampagnen“, sagt Wooller. „Nur wenn Sie auf Augenhöhe kommunizieren, können Sie Wirkung erzielen.“ Nach Woollers Meinung ist Interaktivität mit Überzeugungskraft gleichzusetzen, ob online, in viralen Kampagnen, elektronischer Werbung und auch im Print-Bereich. Interaktive Werbung ist längst keine Randerscheinung mehr. In einer preisgekrönten Kampagne zeigt z. B. eine Plakatwand stets den aktuellen Stand einer SMS-Umfrage an, und in einer Damentoilette verführt ein Spiegel mit eigener Perlenkette die Besucherinnen zur virtuellen Anprobe des Schmucks.

In einer von Wooller für Quiksilver entwickelten Kampagne wurden als Interaktionsmedium für die Zielgruppe der jungen „Urban Skater“ Bushaltestellen ausgewählt, die man kurzerhand in Quarterpipes verwandelt hatte. Der Quiksilver-Slogan „Original thinking“ präsentierte sich auf der seitlich an die Bushaltestelle montierten Rampe, auf der sich Skateboarder austoben konnten, während sie für die eigene Unterhaltung und die der wartenden Fahrgäste sorgten. Die Demonstration der Originalität, die diesem Ambient Media-Meisterstück so grandios gelungen ist, ist in ihrer Wirksamkeit wohl kaum durch herkömmliche Kampagnen zu übertreffen.

+ Saatchi Denmark definiert Interaktivität: Mit Frontside Ollies
an und über Bushaltestellen.