Wie viele Low-Budget-Produktionen machen Sie wirklich?
Alles, was ich mache, ist günstiger als der völlig überzogene „übliche Satz“. Momentan arbeite ich zum Beispiel gerade an einem Editorial. Ich komme auf einen guten Tagessatz, aber dennoch können wir dem Kunden Qualität bieten, die er nirgendwo sonst für dasselbe Geld bekäme.
Wie schaffen Sie es, diesen Mehrwert zu bieten, ohne das Budget zu sprengen?
Der Kunde, für den wir gerade das Editorial machen, erhält z. B. eine HD-Editing-Demo seines Projekts, die er auf seinen eigenen Monitoren oder Projektoren abspielen kann, tägliche Infos auf einer Flash-Website sowie DVDs zum Produktionsfortschritt. Da wir miteinander integrierte Adobe-Software einsetzen – z. B. Premiere Pro,
Flash und
Photoshop – ist der Mehraufwand für die Erstellung der Website oder DVDs minimal.
Das klingt ganz so, als ob das Image als Low-Budget-Produzent gar nicht so schlecht ist.
Manche Menschen sind ziemlich technikresistent, doch wer nicht mitzieht, bleibt schnell auf der Strecke. Die meisten Editoren arbeiten bei Werbespots immer noch in Standard-Definition, was purer Verschwendung gleichkommt. Es ist viel sinnvoller, mit der höchstmöglichen Auflösung zu arbeiten und die Qualität erst am Schluss bei Bedarf etwas herunterzuschrauben.
Welche Projekte lassen sich auch mit knappem Budget realisieren?
Orson Welles hat einmal gesagt, dass begrenzte Mittel der Kreativität Vorschub leisten, und das würde ich ohne zu zögern unterschreiben. Sehen Sie sich meinen Clip zu
John Golds „Cactusflower“ an: Er hat nicht einmal 5.000 Dollar gekostet, und mehr wäre auch nicht nötig gewesen.
Um im Rahmen unseres Budgets zu bleiben, konnten wir nur ein einziges Setup ausleuchten und mussten Aufnahme und Szenario so schlicht wie möglich halten. Dafür erhielten wir ein Ergebnis, das durch seine natürliche, ehrliche Wirkung besticht.
Weil alles schnell und kostengünstig sein sollte, versuchte ich zuerst, einen Greenscreen zu organisieren, dort das gesamte Material aufzunehmen und es später zu bearbeiten. Doch damit hätte das Video nicht so natürlich gewirkt, wie John und ich es uns vorgestellt hatten. Deswegen verlegten wir den Dreh in sein Apartment und nahmen alles an einem Wochenende auf. Die Wohnung ist klein, sodass ohnehin kein großes Filmteam hineingepasst hätte. Also waren wir nur zu dritt, wodurch wir wieder gespart haben.