Kreativität und dauerhafte Kompetenzen im KI-Zeitalter vermitteln

Adobe Education

07-29-2025

Kreativität und dauerhafte Kompetenzen im KI-Zeitalter vermitteln

Wenn ein Schüler KI nutzt, um ein Mural zu entwerfen, oder eine Studentin im ersten Semester mit Kommilitonen auf anderen Kontinenten an einem digitalen Storytelling-Projekt arbeitet, wird klar: Die Grenzen des Lernens verschieben sich. Klassenräume sind nicht mehr nur Orte der Wissensvermittlung. Sie werden zu kreativen Studios, in denen Lernende Technologie einsetzen, um reale Probleme zu lösen.

Kürzlich moderierte EdSurge-Host Carl Hooker eine zweiteilige Webinar-Serie, gesponsert von Adobe, mit Expertenrunden zum Zusammenhang zwischen Kreativität, künstlicher Intelligenz und Lernerfolg an Schulen der Primar- und Sekundarstufe und Hochschulen. Zu den Referentinnen und Referenten gehörten Melissa Vito, Vice Provost für akademische Innovation an der University of Texas in San Antonio, Laura Slover, Geschäftsführerin von Skills for the Future, einer gemeinsamen Initiative von ETS und der Carnegie Foundation, Justin Hodgson, außerordentlicher Professor an der Indiana University Bloomington, Adeel Khan, Gründer und CEO von MagicSchool AI undBrian Johnsrud, globaler Leiter für Education Learning and Advocacy bei Adobe.

Inspiriert von der aktuellen Studie von Adobe darüber, wie Kreativität und künstliche Intelligenz für bessere Leistungen und eine bessere Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt sorgen, sprechen die Führungskräfte in dieser Reihe über ihre Perspektive und Ideen zu Innovation in heutigen Lernumgebungen.

EdSurge: Welche Kompetenzen sind für die Zukunft der Lernenden am wichtigsten und wie reagieren die Bildungseinrichtungen darauf?

Slover: Wir möchten, dass alle Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe diese wichtigen dauerhaften Kompetenzen (Durable Skills) entwickeln. Fähigkeiten, die nicht nur für den Erfolg in der weiterführender Bildung und im Beruf ausschlaggebend sind, sondern auch für ihr Wohlbefinden und positive Beiträge.

Laut Forschung von Carnegie und ETS sind die wichtigsten dauerhaften Kompetenzen Zusammenarbeit, Kommunikation, Kreativität, kritisches Denken, Neugier, digitale und KI-Kompetenz, ein wachstumsorientiertes Mindset, Führungsstärke, Ausdauer, Selbstregulation und gesellschaftliches Engagement.

Laura Slover, Geschäftsführerin, Skills for the Future

Laura Slover, Geschäftsführerin, Skills for the Future

Vito: In der Hochschulbildung bekommen Microcredentials wie Projektmanagement viel Aufmerksamkeit. Natürlich sind sie wichtig. Aber sie beinhalten nicht immer beständige Kompetenzen: kritisches Denken, Teamwork, Kommunikation, Kreativität. Arbeitgeber sagen durchweg, dass ihnen diese Skills am wichtigsten sind.

Melissa Vito, EdD, Vice Provost for Academic Innovation, University of Texas at San Antonio

Melissa Vito, EdD, Vice Provost for Academic Innovation, University of Texas at San Antonio

Johnsrud: Es ist längst klar, dass die Berufe von morgen nicht mit dem übereinstimmen, was wir heute lehren. Was sich jetzt geändert hat – und was unsere Forschung gezeigt hat – ist, dass KI diese Diskrepanz verstärkt hat. Sie hat den Wert bestimmter Fähigkeiten auf den Kopf gestellt. Manche Fähigkeiten sind ersetzbar, andere werden erweitert. Am interessantesten ist jedoch die Gruppe von Fähigkeiten, die für Lernende jetzt leichter zugänglich sind – die Art von Kompetenzen, bei deren Entwicklung KI überraschend gut helfen kann.

Brian Johnsrud, PhD, Global Head of Education Learning and Advocacy, Adobe

Brian Johnsrud, PhD, Global Head of Education Learning and Advocacy, Adobe

Wie verändert KI die Rolle der Lehrkräfte im Unterricht von heute?

Hodgson: Wir sehen immer noch Widerstand dagegen, wie KI einbezogen wird. Aber größtenteils beginnen die Lehrkräfte zu verstehen, dass sich ihre Rolle wandeln muss. Sie müssen nicht nur anders bewerten, sondern zu Mentoren der KI-Nutzung werden.

Wir bewegen uns weg von angstbasierten Reaktionen hin zu durchdachterem Engagement. Die erste Reaktion waren Bedenken, dass KI zu Betrug führen würde. Aber jetzt sehen wir strategischeres Denken darüber, was KI ermöglicht.

Justin Hodgson, PhD, Associate Professor, Indiana University Bloomington

Justin Hodgson, PhD, Associate Professor, Indiana University Bloomington

Wie setzen Lehrkräfte Kreativität und KI in Kombination ein?

Vito: An der UTSA sind wir früh eingestiegen. Wir haben mit einigen Kernwerten begonnen – einer davon war, neugierig zu sein und zu experimentieren. Wir wollten Gelegenheiten für die Lehrkräfte schaffen, einfach auch zu lernen. Wir haben alle gemeinsam gelernt. Das Tempo der Veränderung ist gerade sehr hoch, und das müssen wir verstehen. Unsere Lehrkräfte waren fantastisch.

Studierende beschrieben KI früh als anonymen Tutor – besonders wertvoll für Erstsemester, die sie nutzten, um Fragen zu stellen und zu lernen.

Johnsrud: Wenn man sich die Studien anschaut, wie oft Lernende tatsächlich kreativ sein und kreativ denken können, finde ich das ernüchternd.

Die meisten kreativen Branchen berichten tatsächlich von mehr Kreativität, besonders wenn man es in die Komponenten des kreativen Denkens aufgliedert: eine Herausforderung auf verschiedene Weise verstehen, mehrere Lösungen sammeln, unterschiedliche Ansätze zur Problemlösung entwickeln und vielfältige Wege erkunden, um diese Lösungen zu kommunizieren.

Genau bei solchen Aufgaben kann KI uns wirklich hervorragend unterstützen.

Sieh dir jetzt beide On-Demand-Webinare an:

Wie können Lehrkräfte das Lernen mithilfe von KI individueller gestalten?

Khan: Mit KI sparen Lehrkräfte bei der Erstellung von Materialien Zeit. Aber noch wichtiger ist, dass sie diese Materialien basierend auf dem Wissensstand der einzelnen Schülerinnen und Schüler individuell anpassen können.

Lernen wird so viel reichhaltiger, wenn Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler wirklich kennen. Mit KI-Tools können sie dann den Unterricht besser auf die einzelnen Kinder zuschneiden.

Am Ende des Tages ist das Wichtigste, Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern aufzubauen. Da sehe ich künstliche Intelligenz als unglaublichen Katalysator.

Adeel Khan, Gründer und CEO, MagicSchool AI

Adeel Khan, Gründer und CEO, MagicSchool AI

Wie steht es aktuell mit der KI-Kompetenz an Schulen?

Am Ende des Tages ist das Wichtigste, Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern aufzubauen. Da sehe ich künstliche Intelligenz als unglaublichen Katalysator.

Adeel Khan

Johnsrud: Bei der KI-Kompetenz denke ich daran, wo wir jetzt stehen – ähnlich wie bei der Medienkompetenz, als ich in der Primar- und Sekundarstufe Bibliothekswissenschaften unterrichtet habe. Das Ziel war nicht nur, ein Tool auszuwählen, sondern den Schülerinnen und Schülern beizubringen, kritische Konsumenten zu sein. Bei KI ist es genauso: Wir müssen ihnen beibringen, „das Kleingedruckte zu lesen“, bevor sie mit künstlicher Intelligenz generierte Inhalte verwenden. Wer hat das Modell entwickelt? Wie wurde es gestaltet? Was macht es gut und wo hat es Schwächen? Wie entscheide ich, ob ich den Ergebnissen vertrauen kann?

Khan: Die meisten Kinder nutzen KI, ob sie es wissen oder nicht. Generative KI gibt es erst seit etwa zwei Jahren, aber sie ist bereits sinnvoll in ihre Welt integriert – sei es auf ihren Handys oder in beliebten Tools.

Für viele ist ihre erste Berührung mit KI so etwas wie ein KI-Freund im Chat. Das ist besorgniserregend. Die generative KI, die bei der ersten Interaktion behauptet, ihr Freund zu sein.

Unserer Meinung nach müssen Schülerinnen und Schüler in der Schule von einer vertrauten erwachsenen Person alles Wissenswerte über generative KI lernen, damit sie kritische Gespräche darüber führen können, wie das Modell trainiert wird, was generative KI ist, wie Antworten generiert werden und wofür sie verwendet werden sollte. KI ist kein „Freund“.

Vor welchen Herausforderungen stehen Bildungseinrichtungen bei der Bewertung von Kreativität und dauerhaften Kompetenzen? Wie versuchen einige, das zu ändern?

Wenn KI deinen Kurs belegen und bestehen kann, dann ist KI vielleicht nicht das Problem. Wenn das, was du machst, von einer Maschine erledigt werden kann, dann müssen wir überdenken, was wir bewerten. Es geht nicht um ein spezifisches Ergebnis, sondern um den Prozess. Wie bewerte ich das Lernen, das stattfindet, oder die Fähigkeit der Lernenden, eine Problemstellung zu durchdenken?

Justin Hodgson

Slover: Das Problem ist, dass Schulen um Fächer wie Mathe, Englisch und Biologie organisiert sind. Das sind wichtige Fächer, in denen viele Kompetenzen vermittelt werden. Auf den Zeugnissen und Bewertungen von heute erhalten Kinder eine Note in Mathe oder Englisch – nicht in Zusammenarbeit, Kommunikation oder kritischem Denken.

Diese Kompetenzen werden nicht gemessen oder bewertet. Mit unserer Arbeit gehen wir diese Herausforderung bewusst an. Wir verschieben die Zielsetzung und machen klar, dass es nicht nur um Mathe und Englisch geht. Es gibt eine ganze Palette dauerhafter Kompetenzen (Durable Skills), die ebenfalls sehr wichtig sind.

Hodgson: Wenn KI deinen Kurs belegen und bestehen kann, dann ist KI vielleicht nicht das Problem. Wenn das, was du machst, von einer Maschine erledigt werden kann, dann müssen wir überdenken, was wir bewerten. Es geht nicht um ein spezifisches Ergebnis, sondern um den Prozess. Wie bewerte ich das Lernen, das stattfindet, oder die Fähigkeit der Lernenden, eine Problemstellung zu durchdenken?

Wir wurden auf eine bestimmte Art des Unterrichtens konditioniert, um standardisierte Ergebnisse zu erhalten, Erwartungen zu erfüllen und all die Noten vergeben zu können. Dabei ist ein System entstanden, das darauf ausgerichtet ist, sich Inhalte einzuprägen und wiederzugeben.

Aber letztlich ist die Art und Weise entscheidend, wie wir mit Wissen umgehen, handeln und Neues kreieren. Die Fähigkeit, mit all diesen Lernmethoden und Praktiken zu arbeiten – das ist das Wichtigste.