Lerne Alias-Effekte und Techniken für das Anti-Aliasing in der Fotografie verstehen.

In bestimmten Strukturen digitaler Fotos kann es zu unregelmäßigen Ecken und Kanten oder verpixelten Mustern kommen. Hier erfährst du mehr über die Hintergründe. Wir zeigen dir, wie man diese sogenannten Alias-Effekte bei der Aufnahme verhindert und in der Nachbearbeitung korrigiert.

Eine Frau, die beim Gehen auf ihr Smartphone blickt

Wenn Muster zu Bildstörungen führen: der Moiré-Effekt.

Der auch unter dem Namen Moiré bekannte Alias-Effekt bezeichnet ein Phänomen, das auftritt, wenn kleinteilige Muster von einer Digitalkamera nicht richtig wiedergegeben werden. Die Folge sind oft seltsame visuelle Artefakte im Foto oder Video. So kann ein Shirt mit schmalen Streifen oder feinem Muster zu neuen wellen- oder wirbelförmigen Mustern im Bild führen. Diese auch als Moiré bezeichneten Muster sind aber nur eine mögliche Folge. Auch Farbrauschen, Tonsprünge (zufällige Farbänderungen) oder unregelmäßige Kanten bzw. Pixeleffekte an Linien und Umrandungen können entstehen.

 

„Aliasing ist im Grunde ein Artefakt, das ein Bild besonders digital aussehen lässt – und das nicht auf positive Weise“, erklärt der Fotograf Philip Heying. „Das Phänomen tritt auf, weil digitale Informationen in Pixel und Bits aufgebrochen werden – winzige Partikel, die auf einem Raster angeordnet sind. Wenn Informationen aus der realen Welt auf dieses Raster der digitalen Welt treffen, entsteht manchmal ein unerwünschtes Moiré-Muster oder eine seltsame Farbveränderung, die nicht mit der sichtbaren Realität übereinstimmt.“

Runder Wireframe
Würfelförmiger Wireframe

Verschiedene Arten von Anti-Aliasing.

Der Begriff Anti-Aliasing bezieht sich auf Programme und Techniken, mit denen sich Aliasing oder sichtbare Moiré-Effekte in digitalen Projekten vermeiden lassen. Doch dieses Problem tritt nicht nur in der Fotografie auf. Hochwertiges Anti-Aliasing wird auch in den Bereichen Computer-Grafik und Video-Games benötigt. Die Rechenleistung der Grafikkarten spielt hier eine wichtige Rolle. Im Prinzip haben Fotografen ebenso Bedarf an Anti-Aliasing wie Gamer und alle anderen, die digitale Signale oder Bilder verarbeiten oder komplexe Szenen in Bilder mit geringerer Auflösung übertragen. Hier erfährst du, wie sich Aliasing im Grafik-Design reduzieren lässt.

 

Aliasing-Risiken in Fotos.

In der Fotografie treten Alias-Effekte fast nur bei kleinteiligen Mustern mit engen Linien, konzentrischen Kreisen, spitzen Winkeln oder Rastern auf. Bei Landschafts- oder Naturaufnahmen ist das Problem daher so gut wie unbekannt. Architektur- und Modefotografen müssen dagegen bei gemusterten und strukturierten Gebäuden bzw. Stoffen aufpassen. Kleidungsstücke mit karierten oder gestreiften Mustern gehören zu den häufigsten Verursachern von Aliasing. Auch Tür- und Fenstergitter oder die Bildschirme und Displays von Digitalgeräten können dazu führen. Aliasing tritt häufiger auf, wenn du mit einer Kamera mit einer eher geringen Auflösung arbeitest oder Motive aus größerer Entfernung fotografierst. Die falsche Kombination aus Mustern oder Winkeln kann aber selbst in Fotos mit sehr hohen Auflösungen unerwünschte Effekte haben.

 

„Ich habe eine Weile als Architekturfotograf gearbeitet. Dabei ist mir das Phänomen immer mal wieder bei Dächern oder Fassaden begegnet“, berichtet der Fotografieprofessor Adam Long. 

Aliasing bei einer Struktur in einem Digitalfoto

Um den Alias-Effekt in einem Foto zu veranschaulichen, halte die Kamera deines Smartphones vor den Computer-Monitor. Fotografiere dann einen relativ leeren Bereich des Bildschirms aus verschiedenen Winkeln. Manche Fotos haben nun ein in der Realität nicht vorhandenes Wellen- oder Moiré-Muster. Dieser Effekt entsteht, weil die Kamera versucht, das mikroskopische Raster des Computer-Bildschirms sinnvoll zu interpretieren.

 

Vermeidung des Alias-Effekts bei der Aufnahme.

Mithilfe von eingebauten Kamerafiltern oder bestimmten Aufnahmetechniken lassen sich Alias-Effekte in Echtzeit vermeiden. Dazu stehen verschiedene Methoden zur Wahl.

 

Kamera mit Anti-Aliasing-Filter nutzen.

Einige Kameras verfügen über einen physischen Anti-Aliasing-Filter, auch optischer Tiefpassfilter oder OLPF (Optical Low Pass Filter) genannt. Dieser analoge Filter erzeugt einen sehr geringen Grad an Unschärfe im Bild. Dadurch werden gerade genug Details kleinteiliger Muster ausgeblendet, um den Alias-Effekt zu verhindern. Mit höheren Auflösungen steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass eine Kamera die Details feiner Muster auch ohne Filter auflösen kann. Moderne HD-Kameras haben daher oft gar keinen Tiefpassfilter mehr bzw. können ohne Filter gekauft werden.

 

Blende verkleinern.

Ganz gleich, wie gut deine Kamera ist: Wenn du weit von einem Muster entfernt bist oder in einem falschen Winkel aufnimmst, besteht immer die Gefahr von Aliasing. Versuche, die Blendenöffnung so gering wie möglich zu halten. Bei kleinen Blenden tritt ein Beugungseffekt auf, der das Bild etwas weicher wirken lässt und Aliasing verhindert.

 

Näher an das Motiv herangehen oder den Winkel verändern.

Wenn du in deinem Originalbild einen Alias-Effekt feststellst, kannst du auch einfach näher an das Motiv herangehen oder den Aufnahmewinkel verändern. Je näher oder größer das Objekt dann bei der Aufnahme ist, desto leichter kann es die Kamera verarbeiten, und der Störungseffekt wird vermieden.

 

Korrektur des Alias-Effekts bei der Nachbearbeitung.

Wenn du das Moiré-Muster oder Aliasing bei der Aufnahme übersehen hast oder nicht verhindern konntest, kannst du das Problem bei der Nachbearbeitung korrigieren. Adobe Photoshop oder Lightroom enthalten dafür mehrere digitale Filter und Effekte.

 

 

Aliasing in verschiedenen Größen prüfen.

Prüfe deine Bilder nach jeder Größenänderung. Beim Konvertieren oder dem Erstellen von Bildkopien in geringerer Auflösung können plötzlich Alias-Effekte in Bereichen auftreten, in denen du das nicht vermutet hättest. 

Anti-Aliasing in Adobe Photoshop

„Manchmal verkleinere ich mein Bild am Monitor auf Briefmarkengröße und vergrößere es dann auf 400 Prozent, um zu überprüfen, ob alles passt“, sagt Heying. „So kann ich sicher sein, dass es beim Druck keine Überraschungen gibt. Eventuell empfiehlt sich auch ein Testdruck, um einen Eindruck vom Endresultat zu bekommen.“

 

Am besten ist es immer, Aliasing schon vor der Nachbearbeitung zu erkennen. Wenn du mit dem Zauberstab-Werkzeug, dem Schnellauswahl-Werkzeug oder einer anderen Auswahlmethode arbeitest, können Alias-Effekte unerwünschte Auswirkungen auf die Ränder der Auswahlbereiche haben. Wie bei jeder nachträglichen Korrektur gibt es aber verschiedene Möglichkeiten, das Anti-Aliasing durchzuführen. Die richtige Methode findest du nur durch Ausprobieren.

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