Verstehe, welche Kameraobjektive du wann verwenden solltest.

Lerne, wie du das richtige Kameraobjektiv für deine Fotoprojekte auswählst und wie verschiedene Brennweiten – von Weitwinkel bis Tele – deine Bilder beeinflussen. 

Silhouette eines Fotografen, der eine Kamera hält, während hinter ihm die Sonne untergeht

Wechselobjektive für Kameras.

Einige Kameras, wie etwa die deines Handys, haben ein festes Objektiv, das nicht abgenommen werden kann. Aber wenn du dich in die fortgeschrittenere Fotografie wagst, wirst du wahrscheinlich mit einer Kamera arbeiten, die ein Wechselobjektivsystem hat. Alle professionellen Kameramarken, wie Canon, Nikon, Sony und Sigma, bieten ähnliche Auswahl an Objektiven an, die du einfach auswechseln kannst.

 

Jedes Wechselobjektiv hat eine andere Brennweite, wodurch sie sich gut für verschiedene Arten von Fotoprojekten eignen. Die Brennweite wird in Millimetern angegeben (die Vergrößerungsfähigkeit des Objektivs) und bestimmt, wie viel von einer Szene in deinem Sucher zu sehen ist. Einige Objektive sind „fest“ (auch bekannt als Prime-Objektive) und haben nur eine einzige Brennweite, während andere „variabel“ (auch bekannt als Zoomobjektive) sind und auf verschiedene Brennweiten eingestellt werden können.

 

Objektive, die mit den Kameras geliefert werden.

Kameragehäuse werden oft in Kombination mit einem Objektiv verkauft. Diese werden Kit-Objektive genannt. Das sind in der Regel preiswerte Zoomobjektive, die Einsteigern Vielseitigkeit bieten. Bestimmte Effekte wie eine flachere Tiefenschärfe wirst du mit einem variablen Kit-Objektiv wahrscheinlich nicht erreichen können, da ihre Blendenwerte (gemessen in Blendenzahlen) in der Regel am oberen Ende liegen.

 

Fotografen, die genau wissen, was sie wollen, können sich auch nur ein Kameragehäuse kaufen und dann ihr Wunschobjektiv auswählen. Aber wenn du gerade erst anfängst, kannst du zunächst mit dem Kit-Objektiv experimentieren und dann in ein höherwertiges Objektiv investieren, das für einem spezielleren Zweck geeignet ist.

 

Wie man ein Objektiv auswählt.

Welches Objektiv für dich das richtige ist, hängt davon ab, welche Art von Fotografie du machen möchtest. Und deine Entscheidung für ein Objektiv wird hauptsächlich von der Brennweite abhängen. Je niedriger die Brennweite deines Objektivs ist, desto breiter ist sein Sichtfeld – kürzere Brennweiten fangen mehr Weitwinkelszenen ein. Dein Objektiv bestimmt auch deinen Brennweitenbereich oder welche Teile deiner Szene in deinem Bild scharf sein können.

Verschiedene Kameraobjektive, ausgebreitet auf einem Holztisch

Gängige Arten von Kameraobjektiven.

Egal, ob du Filmkameras, DSLR-Kameras oder spiegellose Kameras verwendest, du wirst bei deinen Objektiven auf einen ähnlichen Bereich an verfügbaren Brennweiten stoßen. „Die Brennweite lässt sich für den Einsteiger in drei Kategorien unterteilen. Das sind Weitwinkel, Medium und Tele", erklärt Fotograf Wes Kriesel.

 

„Möchtest du Fotos von Landschaften machen? Dann brauchst du ein Weitwinkelobjektiv, damit alles ins Bild passt. Willst du Fotos von Menschen machen? Dann brauchst du ein Objektiv im Medium-Bereich“, erläutert Wes Kriesel. „Und wenn du sehr weit von deinem Motiv entfernt bist, wie bei der Vogelfotografie, dann brauchst du ein Teleobjektiv.“

 

Weitwinkelobjektive.

Am unteren Ende des Brennweitenspektrums befinden sich die Weitwinkelobjektive, die typischerweise eine Brennweite von 12 mm bis 35 mm haben. Diese ermöglichen eine weite Aufnahme der Szene. „Wenn du Landschaften fotografierst, würde sich ein variables Weitwinkelobjektiv gut für solche Fotos eignen“, sagt Fotograf Pablo Diaz. „Wenn du Straßenfotos machst, solltest du mit einem festen Objektiv arbeiten, das etwa 35 mm aufweist, also am oberen Ende des Weitwinkelbereichs ist.“

 

Nifty-Fifty-Objektive

„Nifty Fifty“ ist ein Spitzname für ein 50-mm-Objektiv, das eine große Blende aufweist. Die Linsenelemente eines Nifty-Fifty-Objektivs sind in der Regel aus erschwinglichen Materialien gefertigt und dafür bekannt, dass sie Bilder ähnlich wie das menschliche Auge interpretieren können. Da sie genau in der Mitte des Brennweitenbereichs liegen, gibt es mit ihnen sehr wenig Verzerrung oder Vergrößerung in deinem Bild.

 

Mit ihren großen Blendenöffnungen, typischerweise ab f/1,4 oder f/1,8, können Nifty-Fifty-Objektive dir helfen, Fotos mit flacherer Tiefenschärfe oder einem Bokeh-Hintergrund zu erstellen, bei denen das Motiv scharf und der Hintergrund unscharf ist.

 

Objektive für Porträts

So gut wie jedes Objektiv im Medium-Bereich mit einer großen Blendenöffnung ermöglicht dir, stilvolle Porträts mit einer flacheren Tiefenschärfe zu fotografieren. „Ein 85-mm-Objektiv wird als Porträtobjektiv bezeichnet, und eines mit einer großen Blende kann diese flachere Tiefenschärfe und die Trennung von Motiv und Hintergrund gut einfangen“, weiß Pablo Diaz. „So fokussiert es wirklich gut auf die Person in deinem Porträt.“

 

Teleobjektive

Am oberen Ende des Brennweitenspektrums sind die Teleobjektive angesiedelt, deren Brennweite von 70 mm bis zu 500 mm und sogar noch höher gehen kann. Das sind längere Objektive mit einem engeren Brennweitenbereich, aber sie können dem Fotografen helfen, sich auf ein Hauptmotiv zu konzentrieren (beispielsweise auf eine Person) oder auf Objekte, die weit entfernt sind (beispielsweise Wildtiere). 

Ein großes Teleobjektiv, das an einer Kamera befestigt ist

Ein kurzer Leitfaden zu typischen Brennweiten und deren Verwendung.

12 mm bis 35 mm. Weitwinkelobjektive – großartig geeignet für Landschaftsfotografie, Architekturfotografie und Fotos von dem Himmel oder der Milchstraße.

 

35 mm bis 70 mm. Standard- oder Medium-Bereichsobjektive – ideal geeignet für Porträt-, Straßen- und Reisefotografie.

 

70 mm bis 135 mm. Kurze Teleobjektive – ideal geeignet für Sportfotografie, Porträts und Straßenfotografie.

 

135 mm und mehr. Tele- und Superteleobjektive – ideal geeignet für Tierfotografie, Sportfotografie und andere Situationen, in denen du eine ordentliche Vergrößerung benötigst.

 

Spezielle Kameraobjektive.

Neben der typischen Auswahl an Objektiven gibt es auch einige speziellere Optionen. Verwende diese für besondere Projekte, die das gewisse Etwas erfordern.

 

Fischaugenobjektiv. Dies ist ein Weitwinkelobjektiv mit einer so geringen Brennweite, dass das Bild an den Rändern rund und verzerrt erscheint. Sie haben in der Regel eine Brennweite zwischen 4 mm und 14 mm.

 

Makroobjektiv. Makroobjektive wurden speziell entwickelt, um scharfe Nahaufnahmen von kleineren Motiven zu machen. Diese Objektive eignen sich großartig für Dinge wie Insektenfotografie, Blumenfotografie oder Produktfotografie.

 

Tilt-und-Shift-Objektiv. Diese Objektive ermöglichen das Verschieben (engl.: Shift) parallel zu seiner Achse und das Verschwenken (engl.: Tilt) des Linsensystems gegenüber der Kameraebene. Dadurch wird es möglich, Dinge wie etwa ein großes Gebäude vom Boden aus in ein Bild zu bekommen, ohne dass du deine Kamera verschwenken musst oder dabei die Perspektive verzerrt wird. Du kannst auch Tilt-Shift-Fotos machen, bei denen große Szenen miniaturisiert erscheinen.

 

Was du beim Kauf eines Objektivs beachten solltest.

Die Brennweite ist nicht die einzige Überlegung beim Kauf eines Objektivs. Entscheide dich, ob du ein Festbrennweiten-Objektiv mit einer einzigen Brennweite oder ein Zoomobjektiv mit etwas Reichweite möchtest. Achte auf eine kurze Verschlusszeit, wenn du bewegte Objekte fotografierst und eine große Blende, wenn du eine flachere Tiefenschärfe haben möchtest. Und prüfe immer, ob dein Kameragehäuse mit dem Objektiv deiner Wahl kompatibel ist.

Eine Kamera neben zahlreichen verschiedenen Objektiven auf einem Tisch

Prime-Objektive.

Wenn du vorhast, in einer Atmosphäre mit wenig Licht zu fotografieren, ist ein Festbrennweiten- oder Prime-Objektiv vielleicht die beste Option. Objektive mit Festbrennweite sind besser für Fotos mit großer Blende geeignet als ein Zoomobjektiv, da sie eine größere maximale Blendenöffnung haben. „Prime-Objektive sind nur für eine Brennweite gemacht und deshalb kann das Glas in der Mitte so hergestellt werden, dass es mehr Licht durchlässt“, weiß Wes Kriesel. „Das bedeutet, dass du in einer dunkleren Umgebung die Aufnahmen machen kannst, die du mit einem anderen Objektiv nicht erreichen kannst.“

 

Zoomobjektive.

„Bei Zoomobjektiven befindet sich am Objektiv ein drehbarer Tubus, mit dem zwischen verschiedenen Brennweiten gewechselt wird“, erklärt Wes Kriesel. „Von 15 mm bis 35 mm ist ein ziemlich üblicher Bereich für ein Weitwinkel-Zoomobjektiv. Der gängigste Standard-Zoombereich ist 24 mm bis 70 mm. Damit kannst du Porträts und Event-Fotos machen. Und dann gibt es den Bereich von 70 mm bis 200 mm, die Tele-Zoomobjektive. Es geht immer um Flexibilität.“

 

Kamerasensoren und Objektive.

Alle Digitalkameras haben einen Kamerasensor, der das Licht in ein Bild umwandelt. Bevor du dich für ein Objektiv entscheidest, solltest du prüfen, ob dein Kameragehäuse einen Vollsensor oder einen Crop-Sensor hat. Bestimmte Kameras haben Crop-Sensoren, wie den APS-C-Sensor, die das Bild leicht vergrößern. Das bedeutet, dass dein Sichtfeld mit jedem Objektiv, das du anbringst, etwas kleiner sein wird als bei einem Vollformatsensor.

 

„Die Leute kaufen sich vielleicht eine APS-C-Kamera und dann ein Objektiv, das sich zwar korrekt daran montieren lässt, aber sie merken nicht, dass es sich auf die Brennweite auswirkt“, sagt Wes Kriesel. „Dadurch entsteht ein engerer Rahmen um dein Motiv herum, was einen Eindruck des Heranzoomens erweckt.“

 

Qualität zählt.

Sobald du weißt, welche Art von Objektiv du möchtest, solltest du dich nicht scheuen, in das hochwertigste Objektiv zu investieren, das du dir leisten kannst. In den meisten Fällen führt ein höherwertiges Objektiv auch zu einer besseren Bildqualität. Hochwertige moderne Objektive können Unregelmäßigkeiten in deinen Fotos reduzieren, wie chromatische Aberrationen, die durch kontrastreiche Szenen verursacht werden. Und sie werden weniger wahrscheinlich kaputt gehen. „Billig gekauft ist doppelt gekauft“, weiß Wes Kriesel.

 

Dem kann Pablo Diaz nur zustimmen. „Kaufe das beste und schnellste Objektiv, das du dir leisten kannst“, sagt er. Eine kurze Verschlusszeit gibt dir die Möglichkeit, die Zeit bei sich schnell bewegenden Motiven „einzufrieren“ oder auch bei Tageslicht gut zu fotografieren, ohne dass deine Bilder überbelichtet werden.

Eine Fotografin macht ein Foto mit ihrer Kamera, die ein Teleobjektiv hat

Arbeiten mit deinem neuen Objektiv.

Es gibt eine Menge Möglichkeiten, mit denen du deine Bilder in Bearbeitungsprogrammen wie Adobe Photoshop Lightroom perfektionieren kannst, aber es ist wichtig, mit den richtigen Objektiv- und Kameraeinstellungen für dein Projekt zu beginnen. Experimentiere einfach mit den Einstellungen deines Kameragehäuses sowie mit den Einstellungen deines Objektivs. Beide Elemente verfügen in der Regel über manuelle und automatische Betriebsarten.

 

„Wenn ich mein Kameragehäuse auf manuell stelle, bedeutet das, dass alle Einstellungen – Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert – von mir, dem Fotografen, festgelegt werden“, erklärt Pablo Diaz. „Wenn ich auch noch das Objektiv auf manuell stelle, bedeutet das, dass ich am Tubus drehen muss, um das Bild scharf zu stellen.“ Alternativ kannst du auch den Autofokus aktivieren und die Hardware die Einstellungen für dich wählen lassen.

 

Mit dem richtigen Objektiv hast du unendlich viele Möglichkeiten. Nimm dir die Zeit, damit du einen sachkundigen Kauf tätigst. Du wirst es später nicht bereuen. „Bei der Entscheidung geht es um den Zweck, die Leistung und den Preis“, sagt Wes Kriesel. „Denke darüber nach, wofür du das Objektiv verwenden willst und wie gut es für diesen Zweck geeignet ist. Dann versuche, gleich beim ersten Mal das beste Objektiv zu bekommen.“

Mitwirkende

Adobe Photoshop Lightroom besser nutzen.

Bearbeite deine Fotos schnell und einfach mit den Lightroom-Vorgaben. Mit der Cloud-basierten Foto-Speicherverwaltung kannst du von überall auf deine Projekte zugreifen.

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