Animatics: Definition und Technik.

Animatics spielen eine wichtige Rolle in der Vorstufe von Animationsfilmen oder auch komplexen Liveaction-Sequenzen. Mithilfe von Animatics können Filmemacherinnen und -macher besser beurteilen, ob geplante Schnitte funktionieren und den Handlungsfluss wie gewünscht unterstützen. Animatics lassen sich schnell und einfach erstellen und sparen zudem Zeit und Geld.

Vor einem geöffneten Laptop sitzende, lächelnde Frau beim Skizzieren

Was ist eine Animatic?

Eine Animatic ist ein animiertes Storyboard mit oder ohne Ton. Sie vermittelt einen ungefähren Eindruck davon, wie eine Sequenz aussehen wird. Mithilfe von Animatics lassen sich Timing, Fluss und Wirkung einer Sequenz prüfen.

 

Früher wurden für Animatics Zeichnungen gefilmt und dann zu Szenen geschnitten. Heute können Animatics digital in Programmen wie Photoshop oder After Effects erstellt werden.

Eine Hand, die mit einem orangen Bleistift einen Jungen und ein Mädchen auf einer Bank zeichnet

Vorteile von Animatics.

Animatics erleichtern die Arbeit an einem Projekt in mehrfacher Hinsicht:

 

  • Schnelle Unterstützung: Wenn du bereits ein Storyboard für deine Animation oder deinen Film angefertigt hast, kannst du daraus leicht eine Animatic erstellen. Mithilfe von Spezial-Software lassen sich Storyboards automatisch in Animatics umwandeln.

  • Einfache Umsetzung von Korrekturen: Animatics sind nur Skizzen. Wenn eine Szene nicht funktioniert, kannst du sie ohne Weiteres aus der Animatic entfernen. Bei einer fertigen Animation ist das nicht so einfach.

  • Zeit- und Geldersparnis: Die Produktion eines Films oder einer Animation ist aufwendig. Animatics geben dir die Möglichkeit, Timing und Wirkung einer Szene zu überprüfen, bevor du Zeit und Ressourcen in ihre Erstellung investierst.

  • Orientierungshilfe: Bei der Fokussierung auf einzelne Details verliert man schnell den Überblick über das Gesamtkonzept. Animatics liefern nützliche Referenzpunkte und dienen so als wertvolle Hilfestellung.

  • Abstimmung und Koordination: Animatics vermitteln deinem Team einen ersten konkreten Eindruck von einem Projekt. Beteiligte können Vorschläge und Änderungswünsche äußern, bevor es zu spät (und zu teuer) ist, sie zu berücksichtigen.

Unterschiede zwischen Animatic und Animation.

Animatics dienen der Planung. Die Bilder haben deshalb eine geringe Auflösung und stellen die endgültige Szene in grob vereinfachter Form dar. Look-and-Feel der Skizzen spielen eine untergeordnete Rolle, da es vorrangig um die Beurteilung des Timings geht.

 

Artists bereiten Animatics vor, indem sie aus Storyboard-Bildern eine rudimentäre Version der späteren Animation erstellen. So minimalistisch sie auch sind, liefern Animatics die Grundlage für die endgültige Fassung einer Produktion. Bei den meisten Animatics handelt es sich um eher einfache, monochrome Versionen der endgültigen Story.

Eine Arbeitsfläche mit Brille, Storyboard und anderen Hilfsmitteln

Unterschiede zwischen Animatic und Storyboard.

Animatics werden üblicherweise aus denselben Lo-Res-Bildern erstellt wie Storyboards. Anders als bei Storyboards werden diese Bilder aber aneinandergefügt und als Video gerendert. Obwohl Animatics und Storyboards auf denselben Bildern beruhen können, gibt es Unterschiede. Animatics nutzen:

 

  • Untertitel
  • Videoausgaben

  • unterschiedliche Frame-Raten

  • Audio

 

Storyboards enthalten im Gegensatz zu Animatics Frame-Beschreibungen. Storyboards sind ein nützliches Werkzeug zur Planung von Animationen. Animatics leisten aber zusätzliche Anschauungshilfe und können so die Visualisierung der Story erleichtern.

 

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Geschichte.

 

  • 1930er-Jahre: Das Konzept von Animatics ist im Rahmen des Storyboard-Prozesses von Walt Disney Productions entstanden, um Hollywood-Studios neue Filmideen zu präsentieren.
  • 1940er-Jahre: Der Begriff „Animatics“ wurde erstmals verwendet, um den Animationsprozess von John Halas und Joy Batchelor zu beschreiben, die für das Studio von George Méliès in Frankreich arbeiteten.
  • 1990er-Jahre: Trotz der zunehmenden Verbreitung digitaler Technologie werden Animatics weiterhin primär von Hand erstellt. Einzelne Aufnahmen werden auf einer Arbeitsfläche angeordnet und mit Folie abgedeckt, um unbeabsichtigtes Verrutschen zu verhindern. In Hollywood werden erste Versuche zur digitalen Vorvisualisierung unternommen.
  • Heute: Durch technische Fortschritte bei Hardware und Software werden Animatics immer komplexer und realistischer. Mit einem Programm wie Photoshop lassen sie sich nun auch auf Tablets und Desktops erstellen.

Beispiele.

Star Wars: Episode 1 – Die dunkle Bedrohung (1999).

Als George Lucas in den 1990er-Jahren zu seiner Star Wars-Saga zurückkehrte, nutzte er für „Episode 1 – Die dunkle Bedrohung“ die neuen Möglichkeiten der digitalen Vorvisualisierung. Zum Einsatz kam diese Technik vor allem bei der Sequenz mit den Podracern. Animatic Supervisor David Dozoretz arbeitete fast drei Jahre an der Szene. 

 

Die Animatics für diesen Film sind auch deshalb beachtenswert, weil sie Greenscreen-, Liveaction- und CGI-Material (Computer-Generated Imagery) kombinieren.

 

SpongeBob Schwammkopf (1999).

Die beliebte amerikanische Zeichentrickserie wurde von Animator Stephen Hillenburg für Nickelodeon entwickelt. Das ca. 50 Personen starke Team arbeitete in der ersten Staffel mit Cel- bzw. Folienanimation, stieg dann aber auf digitale Animation um.

 

Nickelodeon hat zahlreiche Animatics bei YouTube veröffentlicht. Die Animatic zur Folge „Ein göttlicher Burger“ aus der ersten Staffel verdeutlicht die Rolle von Animatics bei der Optimierung des komischen Timings – ein Aspekt, der für eine witzige Serie wie „SpongeBob Schwammkopf“ natürlich besonders wichtig ist.

 

Grand Budapest Hotel (2014).

Dieses Beispiel zeigt, dass Animatics auch bei der Visualisierung und Optimierung eines Liveaction-Films hilfreich sein können. Regisseur Wes Anderson ist berühmt dafür, auf jedes noch so kleine Detail zu achten. Dieser Auszug besteht größtenteils aus einer Ansprache von Jeff Goldblum – mit Nebenauftritten von Ralph Fiennes und Adrien Brody – und ist ein Beleg dafür, dass Hollywood Animatics nicht nur für Action-Szenen nutzt.

 

Gorillaz – Feel Good Inc. (2005).

Damon Albarns virtuelle Band Gorillaz wird regelmäßig durch den Co-Erfinder und Animator Jamie Hewlett zum Leben erweckt. Die Animatic zur Single „Feel Good Inc.“, die 2005 in Kooperation mit der US-amerikanischen Hip-Hop-Band De La Soul aufgenommen wurde, zeigt, dass die Gorillaz in visueller Hinsicht ebenso Pionierarbeit leisten wie musikalisch. Bei den MTV Music Awards 2005 wurde das Video mit zwei Ehrungen ausgezeichnet.

Ein Künstler beim Zeichnen vor einem geöffneten Laptop und anderen Hilfsmitteln

Technik.

So erstellst du eine Animatic in Photoshop.

Animatics lassen sich in Photoshop mit wenigen einfachen Schritten erstellen:

 

  1. Ein Dokument erstellen – Öffne Photoshop, und erstelle ein neues Dokument mit einer Breite von 1920 Pixeln und einer Höhe von 1080 Pixeln. Das entspricht der Auflösung für Full HD oder HDTV 1080p.

  2. Eine Zeitleiste hinzufügen – Klicke im Bedienfeld „Zeitleiste“ auf „Videozeitleiste erstellen“. Um das Bedienfeld anzuzeigen, wähle „Fenster > Zeitleiste“.

  3. Frames hinzufügen – Ziehe deine Storyboard-Bilder in die Zeichenfläche. Dadurch werden Referenzen für die Frames auf der Zeitleiste erstellt. Füllt die Zeitleiste nicht die gesamte Breite des Bedienfelds aus, passe die Ansicht mit den Zoom-Funktionen unten im Bedienfeld „Zeitleiste“ an.

  4. Reihenfolge der Frames festlegen – Ziehe den Endpunkt der einzelnen Frames nach links, sodass eine Art Treppe entsteht. Der erste Frame sollte an oberster Stelle sein, der letzte ganz unten. Du musst die Startpunkte nicht bearbeiten, da Photoshop jeweils nur den obersten sichtbaren Frame zeigt. Der Endpunkt des letzten sichtbaren Frames auf der Zeitleiste definiert die Dauer der Animatic.

  5. Die Animatic wiedergeben – Verwende zur Wiedergabe die Buttons „Abspielen“, „Zum vorherigen Frame“ oder „Zum nächsten Frame“ im Bedienfeld „Zeitleiste“. Mit der ersten Option wird die Animatic als Schleife abgespielt. Mit den anderen beiden wird die Animatic Frame für Frame angezeigt. Mit der Leertaste kannst du die Wiedergabe starten und anhalten.

 

So erstellst du eine Animatic auf traditionelle Weise.

Wenn du deine Animatic lieber nach dem herkömmlichen Verfahren erstellen möchtest, brauchst du:

 

  • Bleistift

  • Papier

  • Lineal

     

Mehr nicht. Zeichne gleich große Kästchen auf ein Blatt Papier, und skizziere deine Szenen. Denke daran, dass du nicht ins Detail gehen musst – die Umrisse der einzelnen Elemente reichen aus. Wenn du möchtest, kannst du unter den Bildern Notizen zu Sound-Effekten oder wichtigen Bewegungen machen. 

Eine Hand, die einen schwarz-gelben Bleistift hält und damit einen Animatics-Plan erstellt

Häufig gestellte Fragen.

 

Haben Animatics auch Ton?

Im Gegensatz zu Storyboards können Animatics auch Musik, Sound-Effekte und sogar Begleitkommentare und/oder Aufnahmen von Schauspielern enthalten. Sound hilft dem Produktions-Team und anderen Beteiligten, eine Vorstellung vom endgültigen Produkt zu bekommen.

 

Welche anderen Programme kann ich für die Erstellung von Animatics verwenden?

Adobe After Effects ist ein beliebtes Programm zur Erstellung von Animatics. In After Effects kannst du:

 

  • Zeichnungen mit dem Marionetten-Pin-Werkzeugen bearbeiten

  • Elemente mit Timecodes, Frame-Anzahl und Aufnahmenummer zum Projekt hinzufügen 

  • Projekte in unterschiedlichen Formaten und Codecs exportieren

 

Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine Animatic selbst erstellen kann. Kann ich jemanden damit beauftragen?

Auch wenn du jetzt einiges über Animatics weißt, hast du vielleicht nicht die nötige Zeit oder Zuversicht, selbst eine zu erstellen. In diesem Fall kannst du einen Profi anheuern, der dir bei Aufgaben in der Vorproduktion wie der Erstellung von Storyboards und Animatics hilft. Auf Websites wie Jorgen’s List findest du Spezialistinnen und Spezialisten für Animatics.