Storyboards für Animationen.

Storyboards wurden bereits in den 1930er Jahren für Animationen aus dem Hause Disney verwendet. Seitdem sind sie fester Bestandteil des Produktionsprozesse für verschiedene Medienarten. Erfahre, wie du eigene Storyboards erstellst und welche modernen Tools dir dabei helfen können.

Eine Hand beim Zeichnen von Bildern in einem Storyboard

Was ist ein Animations-Storyboard?

Eine Reihe von Illustrationen zu Robotern auf einem Blatt Papier

Storyboards spielen im Entstehungsprozess von Animationen und Filmen eine wichtige Rolle. Sie bilden die zentrale Vorstellung der Regisseurin oder des Regisseurs in visueller Form ab und stellen sozusagen das inhaltliche und formale Grundgerüst dar. 

 

Im Prinzip besteht das Storyboard aus einer Reihe von Skizzen, die den Handlungsbogen chronologisch nachvollziehen. Es fungiert als visuelle Brücke zwischen Skript (oder Gesamtkonzept) und fertigem Film. 

 

Üblicherweise entspricht jede Skizze einer wichtigen Szene oder einem zentralen Frame. Diese sogenannten Panels können auch durch technische Details ergänzt werden – meist in separaten Kästchen. 

 

Ein Storyboard-Panel besteht in der Regel aus folgenden Komponenten:

 

  • Frame: Ein rechteckiges Kästchen, in dem eine Szene aus Sicht der Zuschauenden grob skizziert wird.

  • Dialognotizen: Anmerkungen zu Dialogen in der skizzierten Szene. Eine wortwörtliche Wiedergabe ist nicht erforderlich, es reicht eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen.

  • Aktionsnotizen: Anmerkungen zu Begleitaktionen, z. B. herabstürzende Felsen oder ein schlingerndes Auto. Oder eine Auflistung der Aktionen der Figuren.

  • Kameraeinstellungen: Angaben zu den geplanten Kameraeinstellungen für die Szene (Weitwinkelaufnahme, Nahaufnahme usw.).

 

Wer erstellt Storyboards?

Eine Brille auf einem leerem Storyboard neben einer Kamera

Hobby-Filmerinnen und -Filmer erstellen ihre Storyboards meist selbst. Profis überlassen es aber oft sogenannten Storyboard Artists, ihre Vision zu Papier zu bringen. 

 

Obwohl die Gesamtverantwortung für das Storyboard zu einem Projekt traditionell bei der Regie liegt, handelt es sich um ein gemeinschaftliches Projekt, an dem z. B. auch Expertinnen und Experten für Drehbuch, Schnitt und Kameraführung mitwirken.

 

Wie sind Storyboards entstanden?

Aufrecht stehende Buntstifte

Storyboards sind fast so alt wie die Traumfabrik Hollywood. Die ersten Animations-Storyboards wurden in den 1930er-Jahren von Walt Disney Studios erstellt.

 

Für Walt Disney war die Entwicklung einer Story ein wesentlicher Bestandteil des Produktionsprozesses für einen Animationsfilm. Er hat dazu beigetragen, dass Storyboards sich als Branchenstandard etabliert haben. 

 

Es heißt, Disney-Animator Webb Smith sei der erste gewesen, der Szenen auf Papier skizziert und dann nebeneinander angeordnet hat – an einer Pinnwand. 1933 wurde für den animierten Disney-Kurzfilm Die drei kleinen Schweinchen zum ersten Mal ein Storyboard für den gesamten Film erstellt.

 

Auch 80 Jahre später sind Storyboards bei Disney noch ein wichtiges Hilfsmittel, um die Vision für einen Film zum Leben zu erwecken.

 

Warum werden Storyboards erstellt?

Ein leeres Atelier mit einer Staffelei

Abgesehen davon, dass Storyboards ein Standardinstrument in der Filmproduktion sind, bieten sie u. a. den Vorteil, dass man damit Ideen auf ihre Produktionstauglichkeit überprüfen kann. Und das ist nicht alles:

 

  • Erprobte Methode: Storyboards werden seit den 1930er-Jahren für Animationen und Filme genutzt. Auch wenn es inzwischen ganz andere Technologien gibt, ist das Grundprinzip eines Storyboards gleich geblieben.

 

  • Abbildung von Ideen: In der Frühphase eines Films existiert das Projekt größtenteils in den Köpfen von Regisseur(in) und Drehbuchautor(in). Erst mit dem Storyboard wird eine visuelle Darstellung des Handlungsbogens verfügbar.

 

  • Kombination aus Wort und Bild: Filme bestehen aus Worten und Bildern. Beim Storyboarding können Storyboard Artists (oder Story Artists, wie sie bei Disney heißen) gemeinsam mit dem Skript-Team daran arbeiten, die beiden Medien optimal auf die Vision der Regisseurin oder des Regisseurs abzustimmen.

 

  • Planungshilfe für Szenen und Aufnahmen: Das Storyboard leistet wichtige Unterstützung beim Planen und Organisieren einer Produktion. Die Animation lässt sich damit in einzelne Szenen unterteilen. Jede Szene wird dann mit Regieanweisungen versehen.

 

  • Nützliche Checkliste: Ein sorgfältig aufgesetztes Storyboard kann auch als Checkliste herangezogen werden. So weißt du genau, wie viele Szenen du abdrehen musst, welche Figuren darin auftreten, ob Ton eingefügt wird, welche Aufnahmen du noch brauchst usw.

 

  • Referenz zur Entwicklung eines Projekts: Storyboards werden oft mehrfach überarbeitet. Wenn du alle Versionen aufbewahrst, kannst du die Entstehung eines Projekts vom ersten Tag bis zur letzten Aufnahme nachvollziehen.

 

  • Grundlage für Feedback: Das Storyboard vermittelt eine bessere Vorstellung davon, ob sich eine Animation in der gewünschten Form umsetzen lässt. Es bietet auch die Möglichkeit, Herausforderungen und Hindernisse zu bestimmen und konstruktives Feedback einzuholen. Dieses Feedback entscheidet möglicherweise über den Erfolg eines Films oder kann als wichtige Abstimmungshilfe mit einer Mentorin oder einem Mentor dienen.

Was ist eine Animatic?

Eine Animatic ist eine einfache, animierte Version eines Storyboards. Es handelt sich im Prinzip um eine Dia-Show der einzelnen Panels – manchmal mit Bewegungseffekten – , die hilft, einen besseren Eindruck des fertigen Films zu vermitteln. 

 

Animatics werden oft für Präsentationszwecke erstellt, z. B. von Agenturen, die eine Idee für einen animierten Werbe-Spot vorstellen möchten. Animatics können auch Übergänge zwischen einzelnen Aufnahmen sowie Dialog und Ton enthalten. 

 

Weitere Infos zu Animatics

 

Beispiele.

Mehr über den Storyboarding-Prozess lernst du am besten anhand von echten Beispielen. Besonders hilfreich sind die, die Storyboard und fertige Animation nebeneinander zeigen. 

 

Hier haben wir einige besonders gute Beispiele zusammengestellt. 

 

Luca und Alberto beim Abendessen mit Guilia und Massimo – Pixar.

In dieser charmanten Animation von Pixar hat Guilia ihre Freunde zum Abendessen mit zu sich nach Hause genommen. Im Video siehst du das Storyboard über der endgültigen Szene. Dieses Beispiel liefert einige nützliche Tipps zum Grad an Details in einem Storyboard.

 

Oben „Eheleben“ – Pixar.

In dieser bekannten (und herzzerreißenden) Szene aus dem Animationsfilm „Oben“ von Pixar siehst du das Original-Storyboard über der fertigen Animation. Es gibt viel Action in dieser Sequenz. Man sieht ganz gut, wie ein Storyboard Bewegungen nachbilden kann. 

Die Eiskönigin 2, „Into the Unknown“ (Wo noch niemand war).

In dieser berühmten Szene singt Elsa ihren Song „Into the Unknown“, der für einen Oscar nominiert wurde. Das zugehörige Storyboard zeigt Details zur beabsichtigten Schattierung. 

Storyboard Artist Patrick Harpin von Sony Pictures.

Patrick Harpin von Sony Pictures spricht über den Storyboarding-Prozess und gibt nützliche Tipps. Außerdem schildert er die Anfänge seiner Karriere, die mit dem Film Ice Age bei Blue Sky Studios begann.

Technik.

Nahaufnahme einer Hand, die mit einem Bleistift in einem Storyboard-Panel zeichnet

1. Vorbereitung.

Bevor du mit der Erstellung deines Storyboards beginnst, brauchst du eine genaue Vorstellung von der geplanten Animation. Lege alle Materialien bereit, die du für dein Storyboard brauchst.  

 

  • Handlungsgerüst entwerfen. Diese Zusammenfassung sollte den Handlungsbogen sowie Angaben zu den wichtigsten Figuren, Szenen, Konflikten und Auflösungen enthalten. Bei vielen professionellen Produktionen liegt zu Beginn des Storyboarding-Prozesses bereits ein vollständiges Drehbuch vor. Für private Projekte dürfte ein kurzes Exposé aber völlig ausreichend sein.

 

  • Erzählstruktur aufschlüsseln. Abgesehen von der übergeordneten Handlung musst du auch wissen, was mit wem in welcher Reihenfolge passiert. Du benötigst also eine Aufschlüsselung der Handlung nach Szenen.

 

  • Aktionen analysieren. Was machen die Figuren in einer Szene? Bewegen sie sich? Sprechen sie? Was passiert um sie herum? Kommen in der Szene Autos, Flugzeuge oder einstürzende Gebäude vor? Sanft schaukelnde Bäume oder prasselnder Regen?

 

  • Kameraanforderungen festhalten. Diese Liste kannst du parallel zum Storyboard ausarbeiten. Du brauchst aber vorab zumindest eine generelle Vorstellung von den Aufnahmen für deine Animation. Sammle Ideen für Übergänge, Kamerasteuerung und ähnliche Aspekte.

 

  • Materialien bereitlegen. Für deine Zeichnungen benötigst du hochwertige Stifte, Bleistifte und Papier. Alternativ kannst du die Skizzen auch mit einer Zeichen-App anfertigen. Bei der Gestaltung der Panels helfen Software-Programme wie Storyboard Pro und/oder die Storyboard-Vorlagen von Adobe Express.

 

2. Skizzen.

Die Storyboard-Gestaltung beginnt mit Papier und Bleistift. Fertige für jede Szene eine kleine, ungefähre Skizze aus Sicht der Zuschauenden an. Sobald sie den Kopf bewegen müssen, um etwas Neues zu sehen, brauchst du eine neue Skizze. 

 

Bilde zunächst den Gesamtablauf der Animation auf einer Seite ab. Fertige dann detailliertere Skizzen auf einzelnen Blättern an, und klebe sie in der gewünschten Reihenfolge auf ein Whiteboard oder an eine Wand. 

 

Auch wenn viele Animationskünstlerinnen und -künstler ihre Storyboards nach wie vor von Hand erstellen, arbeiten sie oft mit Zeichenprogrammen. 

 

3. Panels.

 

Nahaufnahme einer Hand, die mit einem Bleistift in einem Cartoon-Panel zeichnet

Sobald die Skizzen für deine Szenen fertig sind, kannst du sie in Panels übertragen. Ein Storyboard-Panel besteht aus einem rechteckigen Rahmen und separaten Kästchen für Dialog- und Aktionsnotizen. 

 

Die Abmessungen des Rahmens hängen davon ab, ob du dein Storyboard für Film, TV oder Breitbild erstellst. Ein typisches Format wäre 10 x 7,5 cm. Du zeichnest die Szene in den leeren Rahmen und fügst anschließend in den anderen Kästchen Angaben zu Dialogen, Kamerawinkeln usw. hinzu. 

 

Über dem Panel trägst du Szenen- und Panel-Nummer ein. Panels können auf Papier erstellt werden – oder digital in einem Zeichenprogramm.

 

Tipps und Tricks.

 

  • Auf Haftnotizen Ideen sammeln. Leere Panels können schnell zu einer kreativen Blockade führen. Abhilfe schaffen Post-its oder digitale Notizzettel, auf denen du erst einmal einfach nur Ideen sammelst.

 

  • Miniaturskizzen erstellen. Arbeite die erfassten Ideen zu Miniaturskizzen aus, die du dann ausschneidest und in der gewünschten Reihenfolge aneinanderfügst. Du musst hier noch keine finalen Entscheidungen treffen, bekommst aber vielleicht schon eine erste Vorstellung vom Handlungsgerüst.

 

  • Weniger ist mehr. Gut möglich, dass du viel künstlerisches Talent hast. Die Skizzen für dein Storyboard müssen aber keine Meisterwerke sein. Strichfiguren, grobe Umrisse und eine einfache Schattierung reichen völlig aus, um deiner Vorstellung Ausdruck zu verleihen.

 

  • Nicht in Details verlieren. Panels oder Miniaturen müssen nicht bis ins kleinste Details ausgestaltet werden. Ziel ist es, mithilfe kurzer Illustrationen einen schnellen Überblick über die Gesamt-Story zu geben – etwa so wie bei einem Elevator Pitch.

 

  • Ideen Raum zum Atmen geben. Eventuell hast du bei den ersten Entwürfen für dein Storyboard schon ein festes Handlungsgerüst im Kopf. Wenn du aber mit dem Zeichnen anfängst, ist es gut möglich, dass die Story sich dann doch in eine andere Richtung entwickelt. Bleibe für solche Abweichungen offen, und schaue einfach, wohin sie dich führen.

 

  • Framelimit festlegen. Bei der Anzahl der Panels ist dagegen strikte Disziplin gefragt. Versuche, die Story in einer kleinen Anzahl von Panels abzuhandeln und dabei einen klaren Handlungsbogen vom Anfang über die Mitte bis zum Ende zu spannen, der die zentralen Konflikte und Auflösungen enthält. Wenn dieses Grundgerüst steht, kannst du es gegebenenfalls durch weitere Panels ergänzen.

 

  • Rotstift ansetzen. Nicht jede Szene, zu der du eine Skizze erstellt hast, hat ihre Berechtigung im Storyboard. Bei der Zusammenstellung und Überarbeitung deines Storyboards wirst du schnell feststellen, wo Schwachstellen liegen, die sich bedenkenlos streichen lassen.

 

  • Auf Feedback hören. Hole konstruktives Feedback von Kolleginnen und Kollegen oder Gleichgesinnten ein. Niemand hört gern Kritik, aber möglicherweise wirst du dadurch auf Probleme in deinem Animations-Storyboard aufmerksam, die dir bislang entgangen sind.

 

 

Die richtige Software und Vorlage wählen.

Professionelle Studios erstellen ihre Storyboard-Panels mit Software wie Adobe Photoshop und Storyboard Pro. Storyboard Pro ist der Branchenstandard, mit dem Artists Miniaturskizzen erstellen und anordnen, Kamerabewegungen definieren oder Bilder und Sound importieren können.

 

Wenn du in deiner Freizeit Animationen erstellst, kommt für dich vielleicht Adobe Creative Cloud Express infrage.

 

Lade deine Zeichnungen in die gewünschte Vorlage hoch, und füge anschließend Anmerkungen zu Figuren, Dialogen, Kameraeinstellungen usw. hinzu. 

Animationen faszinieren dich?

Lies unseren Leitfaden für Einsteiger in die Animation.

Häufig gestellte Fragen.

 

Wie lange dauert es, ein Storyboard zu erstellen?

Es gibt dafür keine feste Regeln. Im Durchschnitt kannst du aber pro Panel etwa eine halbe Stunde ansetzen. Bei TV-Produktionen geht Storyboard Artist Steve Hulett von 10 bis 20 Minuten pro Panel aus. Wenn du noch keine Erfahrung mit dem Medium hast, brauchst du natürlich länger – und das ist absolut in Ordnung.

 

Lässt sich mit der Gestaltung von Storyboards der eigene Lebensunterhalt verdienen?

Ja. In der Regel brauchst du dafür ein abgeschlossenes Studium in einem kreativen Fach wie Animation oder Grafik-Design. Danach musst du einfach Ausschau halten nach passenden Chancen. Sammle so viele praktische Erfahrungen, wie du kannst. Eine gute Möglichkeit dafür sind Praktika in Studios. 

 

Aus wie vielen Panels besteht ein Storyboard?

Die Anzahl der Panels in einem Storyboard ist nicht fest geregelt. Du brauchst aber mindestens ein Panel pro Szene. Darüber hinaus gilt: Je länger die Laufzeit deiner Animation oder deines Films, desto größer die Anzahl an Panels. Bei einem Kinofilm können das mehrere Tausend Panels sein. Für eine kurze Animation ist die Zahl erheblich kleiner. 

 

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