Die Geschichte der Farbe Bordeaux.
Die englische Bezeichnung für roten Bordeaux-Wein (claret) leitet sich ursprünglich von „Leichtigkeit und Klarheit“ ab.
Um zu verstehen, warum die Beschreibung „leicht“ und „klar“ heute so gar nicht mehr zur Farbe Bordeaux passt, müssen wir uns ein wenig mehr mit der Geschichte der Region Bordeaux und ihres Rotweins befassen. Im Altfranzösischen wurde das Wort clairet zur Bezeichnung eines „klaren“ und „hellen“ Rotweins verwendet. Diese Beschreibung traf im Mittelalter auch durchaus auf den Rotwein zu, den man in der Region Bordeaux erzeugte: ein relativ dunkler, gewürzter Rosé, der allerdings viel klarer und heller war als typische Rotweine. So kam der aus Bordeaux stammende Rotwein in England zu seiner Bezeichnung „Claret“.
Veränderungen bei der Weinproduktion in Bordeaux veränderten auch die Vorstellung von der gleichnamigen Farbe.
Bei dem bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts in großen Mengen aus Bordeaux nach England eingeführten Wein handelte es sich vorwiegend um clairet, einen Roséwein, der in England als claret bezeichnet wurde. Im Laufe der Zeit entwickelte sich claret in England zum Inbegriff aller aus Bordeaux stammenden rötlichen und roten Weine ungeachtet aller Farbunterschiede. Als man dann ab dem 18. Jahrhundert damit begann, zunehmend dunklere Rotweine aus Bordeaux zu konsumieren, wurde der Name claret als Bezeichnung für dunklen Rotwein beibehalten und mit seiner Farbe assoziiert, obwohl diese alles andere als hell und klar ist, sondern dem tiefrot-violetten Farbton entspricht, den wir heute mit rotem Bordeaux-Wein und dem Farbnamen „Bordeaux“ assoziieren.
Der Hype um den Rotwein und die Innenarchitektur wirkten als treibende Faktoren für die Beliebtheit der Farbe Bordeaux.
Die Erwähnung von Bordeaux (der Farbe und des Weins) in der Literatur folgt einem Trend, in dem sich deren kulturelle Bedeutung widerspiegelt. Claret tauchte häufig in Texten um das Jahr 1800 auf, als der Import von Bordeaux-Weinen nach England zu boomen begann. Die Verwendung von claret nahm dort in den 1820er Jahren sprunghaft zu und wurde bis zum Jahr 1860 immer beliebter. Danach geriet es allmählich wieder in Vergessenheit. Seit dem Jahr 2000 erlebt Bordeaux dank der zunehmenden Verwendung der Farbe Bordeaux in der Innenarchitektur zum ersten Mal seit hundert Jahren wieder einen Aufschwung.
Die Farbe Bordeaux in verschiedenen Kulturen.
Die Farbe Bordeaux ist mit mehr als nur einer französischen Weinregion verknüpft.
Bordeaux wird heutzutage gleichermaßen als Sammelbegriff für rote Weine aus Bordeaux als auch als Name für deren typische Farbe verwendet. Oft wird es auch als Synonym für die Farbe Burgunderrot verwendet, obwohl die beiden Farben nicht identisch sind. Burgunderrot ist eine dunkelrote Farbe, die genau wie Bordeaux nach einer berühmten Weinregion Frankreichs benannt ist. Der Wein aus Burgund wird fast ausschließlich aus der Rebsorte Pinot Noir gekeltert, während in Bordeaux eine Mischung aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc bevorzugt wird. Dies verleiht dem Bordeaux (und damit auch der Farbe Bordeaux) eine deutliche Violettnote, die beim Burgunder wesentlich schwächer ausgeprägt ist.
Obendrein hat auch noch die sogenannte Clairette-Traube für zusätzliche Verwirrung.
Dass clairette so ähnlich klingt wie claret hat schon oft zu Verwechslungen geführt. Die Clairette-Traube ist eine Weißweintraube von klarer, heller Farbe. Clairette und claret stammen beide vom altfranzösischen Wort clairet für „klar“ ab, aber die damit bezeichneten Weinsorten haben nichts miteinander zu tun.
Im Lauf der Jahrhunderte hat sich Rotwein aus Bordeaux nicht nur geschmacklich verändert, sondern auch farblich.
Die echten Rotweine, die ab dem Beginn des 18. Jahrhunderts anstelle von Roséwein nach England importiert wurden, waren tiefrot mit stark violetten Untertönen. Sie enthielten einen hohen Anteil an Tanninen, die die violette Färbung verstärkten. Da sich in die Methoden zur Herstellung und Abfüllung von rotem Bordeaux im Lauf der Jahrhunderte verändert haben, enthält er heute weniger Tannine als einst und hat dadurch einen Teil seiner violetten Untertöne eingebüßt. Er wirkt heute also etwas rötlicher. Dies hat sich auch auf unsere Definition der Farbe Bordeaux ausgewirkt. Das ist wahrscheinlich der wahre Grund, warum die Farben Bordeaux und Burgunder oft miteinander verwechselt werden, obwohl sie eindeutig unterschiedlich sind: Dadurch, dass Bordeaux einen Teil seines Violettanteils eingebüßt hat, hat es sich der Farbe Burgunder ein wenig mehr angenähert.