Katty Kay zum Thema Frauen und Erfolg

Vor Kurzem hatten wir Gelegenheit, mit Katty Kay, Moderatorin bei „BBC World News America“ und regelmäßige Kommentatorin auf NPR sowie bei „Meet the Press“ und „Morning Joe“ zu sprechen. Sie hat schon über Präsidentschaftswahlen, Skandale und den Nahen Osten berichtet und als Mutter von vier Kindern in puncto Familie und Karriere Erfahrung aus erster Hand. Zusammen mit Claire Shipman (die sich mit „Good Morning America“ einen Namen gemacht hat) hat sie zwei Bücher geschrieben „Womenomics: Bestimmen Sie Ihre eigenen Erfolgsregeln“ (2009) und „Confidence Code: Was Frauen selbstbewusst macht“ (2014).

Wir haben diese Expertin in Sachen Frauen und Arbeit gefragt, wie innovative Unternehmen Frauen am Arbeitsplatz unterstützen und wie diese Frauen Erfolg neu definieren. Hier einige Auszüge aus dem Gespräch, das wir vor Kurzem bei einer Vertriebskonferenz geführt haben:

 

Adobe: Können Sie uns etwas über die moderne Frau am Arbeitsplatz berichten? Und darüber, was Recherchen zu Frauen, flexibler Arbeitszeit und Effizienz ergeben haben?

Katty: „Womenomics“, das erste Buch, das ich mit Claire Shipman verfasst habe, zitiert viele dieser Recherchen. So hat Harvard beispielsweise in den frühen 2000er-Jahren erstmals einen Bericht veröffentlicht, demzufolge der Anteil der Juristinnen, Journalistinnen, Finanzberaterinnen und Versicherungsmaklerinnen in Amerika sinkt. Frauen sind aus diesen Jobs ausgestiegen, weil die Arbeitszeiten nicht mit ihrem Leben vereinbar waren.

In unserem Buch haben wir versucht, kreative Arbeitsplatzmodelle vorzustellen, und herausgefunden, dass Unternehmen mit alternativen Mitarbeiterprogrammen auch an Produktivität gewonnen haben. Und welches Unternehmen ist nicht an mehr Produktivität interessiert? Wenn Sie Ihre Mitarbeiter wie Erwachsene behandeln und sie auf ihre Weise arbeiten lassen, erhalten Sie auch bessere Resultate. Die meisten Unternehmen, die alternative Arbeitszeitmodelle anbieten, möchten nicht mehr zum alten Modell zurückkehren. Alternative Modelle machen das Pendeln und die Büroraumnutzung effizienter. Und mit der Flexibilität erhalten Sie noch eine ganze Reihe anderer Vorteile.

 

Adobe: In Ihrem Buch „Womenomics“ sprechen Sie auch darüber, dass Frauen ihre eigenen Erfolgsregeln bestimmen. Können Sie mir sagen, was genau Sie damit meinen?

Katty Kay: Wenn sie neu definieren, was es heißt, erfolgreich zu sein, können Eltern (denn meiner Ansicht gilt dies nicht nur für Frauen) ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Privat- und Berufsleben erzielen. Bisher haben wir Karriere immer als eine Leiter gesehen, die es zu erklimmen gilt. Meiner Ansicht nach ist Karriere bei Frauen eher eine Art Welle. Zu bestimmten Zeiten können sich Frauen voll engagieren, zu anderen möchten sie vielleicht lieber etwas kürzertreten. Und sich anschließend wieder mehr auf den Beruf konzentrieren, je nachdem, in welcher Phase von Privat- und Berufsleben sie gerade stecken.

Mir gefällt zwar der Gedanke einer utopischen Welt, in der Männer und Frauen gleichberechtigt für die Kindererziehung verantwortlich sind, doch die Realität sieht manchmal anders aus. Wir haben „Womenomics“ geschrieben, um herauszufinden, wie Frauen mit Kindern sich am Arbeitsplatz behaupten können, ohne in eine Sackgasse zu geraten, da sie zwischen Kindern oder Karriere wählen müssen. Und dabei geht es nicht nur um das Aufziehen von Kindern, sondern auch um die Pflege von Angehörigen oder um soziales Engagement.

 

Adobe: Wie definieren Sie Erfolg? Welche Regeln haben Sie für sich selbst festgelegt?

Katty: Das ist eine gute Frage. Für mich bedeutet Erfolg, wenn meine Arbeit interessant ist, ich genug verdiene und noch ausreichend Zeit habe, mich um meine Kinder zu kümmern. Wenn ich alles unter einen Hut bringe und damit glücklich und zufrieden bin. Für mich persönlich hat Priorität, dass ich genug Zeit für meine Kinder habe. Ich habe Karrierechancen in den USA nicht genutzt, obwohl ich mich hätte verbessern können, allerdings auf Kosten der Zeit, die ich für meine Kinder habe. Ich wusste, dass ich damit nicht glücklich wäre, und habe dies auch so gesagt.

 

Adobe: Was ist Ihrer Ansicht nach für Frauen für ein ausgewogenes Privat- und Berufsleben wichtig?

Katty: Letztendlich geht es dabei um Kontrolle. Nicht um einen Teilzeit-Job, eine halbe Stelle oder einen Vollzeit-Job. Wenn Sie Ihre Zeit einteilen können, wie es für Sie am besten ist, sind Sie auch produktiver.

Der Hauptgrund, warum Frauen keine flexible Arbeitszeitregelung haben, ist, dass sie nicht darum bitten, weil sie denken, das können sie nicht. Falls Arbeitgeber Mitarbeiterinnen binden und ihnen den Weg in die Management-Etage ebnen möchten, müssen sie dabei flexibel sein. In vielen Unternehmen muss hier noch weitaus mehr für Frauen getan werden.

 

Adobe: Sehen Sie große Unterschiede bei Frauen in unterschiedlichen Branchen? Was sind Ihrer Ansicht nach die Herausforderungen für Frauen in der Technologiesparte?

Katty: In manchen Branchen gibt es ganz eindeutig Herausforderungen. Überraschenderweise haben wir in „Womenomics“ insbesondere die Chirurgie als solche identifiziert. Diese Sparte ist von Männern dominiert, und für Frauen ist der Weg nach oben in der Regel schwieriger. In anderen Branchen, zum Beispiel bei Finanzdienstleistern, wendet sich das Blatt, aber die Situation ist immer noch nicht wirklich gut.

Wir müssen Mädchen in der Mittel- und Oberstufe mehr dazu ermutigen, sich mit Technologie zu befassen. Wenn wir uns nicht nur auf Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurswesen und Mathematik konzentrieren, sondern auch Kunst mit ins Spiel bringen, können wir vermitteln, wie kreativ das Programmieren sein kann, und eventuell mehr Mädchen dafür interessieren. Hier müssen bereits in der Schule die Weichen gestellt werden. Wir müssen mit Ingenieurinnen und Programmiererinnen in die Mittelstufen gehen, damit Mädchen merken: „Oh, jemand wie ich macht diesen Beruf“. Meiner Ansicht nach ist es wirklich wichtig, hiermit in jungen Jahren zu beginnen.

 

Adobe: Das Thema Ihres zweiten Buchs ist Selbstbewusstsein. Was sollten Ihrer Ansicht nach Frauen über Selbstbewusstsein wissen?

Katty: Es handelt sich um einen kontinuierlichen Prozess, und ich arbeite immer noch daran! Manche Dinge im täglichen Leben stellen mein Selbstvertrauen noch immer auf die Probe, und manchmal sage ich: „Ach, das könnte ich nicht“. Oder „Ich habe nicht danach gefragt, was ich wert bin. Seit Jahren habe ich keine Gehaltserhöhung gefordert“. Das ist doch absurd. Ich sollte das sofort tun, oder? Ich bin nicht hier, weil mir jemand einen Gefallen tut. Ich bin hier, weil ich es wert bin.


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