[Sprecher] Eine der gängigen Techniken in der Postproduktion ist die Aufnahme von Personen vor einem Blue- oder Green-Screen.
Das Ziel dabei ist, die Person freizustellen und sie später vor einen anderen Hintergrund zu montieren.
Adobe After Effects bietet seit jeher erstklassige Keying-Werkzeuge, doch auch die stießen immer wieder an die Grenzen des Machbaren, wenn die Aufnahme einfach schlecht war.
Zwei neue Effekte setzen genau hier an: die Key-Reinigung sowie die erweiterten Steuerungen für die Unterdrückung der Key-Farbe.
Zunächst möchte ich Ihnen die Key-Reinigung vorstellen, die bei schlechten Aufnahmen wahre Wunder bewirken kann.
Und genau das gilt es zu beachten: Den Effekt brauchen Sie wirklich nur bei schlechten Aufnahmen!
Er wurde speziell zur Korrektur von pixeligen Kompressionsartefakten in einem Key entwickelt, die ein unschönes Kantenrauschen verursachen.
Wenn Ihre Aufnahme diese Probleme nicht aufweist, benötigen Sie die Key-Reinigung nicht und können einfach Ihre bevorzugten Keying-Effekte verwenden.
Falls Ihre Aufnahme aber doch problematisch ist, dann ist die Key-Reinigung das Tool der Wahl.
Lassen Sie mich das anhand dieser Nahaufnahme einer blonden Frau vor einem Green-Screen demonstrieren.
Dies ist eine Standardsituation, die meist Key-Probleme mit sich bringt.
Die Szene ist gut ausgeleuchtet, aber die Aufnahme wurde mit H.264 komprimiert, die einige Artefakte hervorruft und Korrekturen am Key normalerweise sehr erschwert.
Ich setze Keylight ein und ermittle den verwendeten Grünton.
Dann schalte ich die Komposition auf Alpha-Modus um, um den Key zu prüfen.
Hier haben wir die Kanten und das störende Rauschen.
Sie kennen das mit Sicherheit und wissen, wie schwierig sich das korrigieren lässt.
Keylight kann hier manchmal etwas bewirken.
Doch Keylight ist auch ein recht komplexes Werkzeug, das nicht immer bequem zu bedienen ist.
Die Folge ist dann oft der Verlust von Details.
Bisher gab es keine effektive und einfache Lösung, solche Probleme in den Griff zu bekommen.
Sehen wir uns aber an, was die Key-Reinigung nach Keylight bewirkt.
Bei diesen neuen Plug-ins sollte man wissen, dass sie mit den originalen RGB-Daten des Clips arbeiten.
Keylight hat aber eine integrierte Unterdrückung von Key-Farben, die die RGB-Werte standardmäßig ändert.
Ich ändere zunächst die Anzeigeeinstellung auf „Intermediate Result“.
Damit wird der Key auf die Aufnahme angewendet, ohne ihre Farbe zu ändern.
Schon diese Standardeinstellung bringt sanftere Übergänge.
Die Key-Reinigung verwendet denselben Ansatz wie der Effekt „Maske verbessern“, den Sie vielleicht schon aus Photoshop und After Effects kennen.
Wenn wir einen Blick auf die Parameter werfen, sehen wir hier nur vier Steuerungen.
„Zusätzlicher Kantenradius“ (Additional Edge Radius) ist standardmäßig auf 10 eingestellt.
Um die unerwünschte Ausdehnung der Maske zu korrigieren, kann man den Wert reduzieren.
In diesem Beispiel wähle ich den Wert 6, da die obere Kante des Kopfs keine weitere Korrektur benötigt.
Die Option „Kantenrauschen reduzieren“ (Reduce Chatter) ist die eigentliche Geheimwaffe.
Sie wendet einen temporären Glättungseffekt an, der das Rauschen der Maske effektiv entfernt.
Wenn ich einzoome, ist dies deutlich zu erkennen.
Eine weitere Anpassung des Alpha-Kontrasts reduziert das Kompressionsrauschen in den transparenten Bereichen noch weiter.
Bei diesem Regler ist jedoch Fingerspitzengefühl gefragt, damit nicht allzu viele Details verloren gehen.
Ein Wert um die 15 % sollte bei diesem Clip ein gutes Ergebnis bringen.
Der Regler „Strength“ für die Stärke mildert den Effekt wieder ab, wenn man z.
B. wieder etwas Körnung einbringen will, um eine bessere Anpassung an den Hintergrund zu erreichen.
Ich schalte wieder in den RGB-Modus, aktiviere den Hintergrund und kann mit dem Ergebnis ganz zufrieden sein.
Der andere neue Filter in der Keying-Suite bringt die erweiterten Steuerungen für die Unterdrückung der Key-Farbe mit.
Um seine Arbeitsweise zu demonstrieren, deaktiviere ich diese Ebenen und aktiviere unsere Nahaufnahme.
Der Effekt „Key-Farbe unterdrücken“ arbeitet mit anderen Keying-Werkzeugen zusammen.
Da meist Keylight zuerst zum Einsatz kommt und dann eine weitere Optimierung mit der Key-Reinigung vorgenommen wird, sind alle 3 Plug-ins in einer Animationsvoreinstellung zusammengefasst.
Wenn ich „key“ im Effekte- und Vorgabenfenster eingebe, erhalte ich diese Animationsvoreinstellungen.
Keylight, Key-Reinigung und die erweiterten Steuerungen für die Unterdrückung der Key-Farbe sind in einer Gruppe zusammengefasst.
Diese wende ich auf die Aufnahme an.
Beachten Sie, dass zwar alle 3 Effekte auf die Aufnahme angewendet werden, aber die Unterdrückung der Key-Farbe deaktiviert ist.
Dies erlaubt mir, zunächst die restliche Maske zu prüfen.
Keylight ist schon auf „Intermediate Result“ eingestellt, was gut ist.
Ich wähle noch die Hintergrundfarbe aus, aktiviere wie zuvor die Option „Kantenrauschen reduzieren“ (Reduce Chatter) und stelle den Alpha-Kontrast auf ca. 10 % ein.
Zunächst scheint das Ergebnis zu passen.
Wenn ich aber den Hintergrund aktiviere, sehen wir deutlich starke Artefakte der grünen Farbe um die Kanten.
Dieses Problem tritt bei den meisten Blue- oder Green-Screen-Aufnahmen auf.
Es ist weniger dramatisch, wenn der Hintergrund zufällig farblich dazu passt.
In unserem Beispiel ist dies der Fall.
Bei kontrastierenden Farben sieht das aber schlecht aus.
„Key-Farbe unterdrücken“ schafft genau hier Abhilfe.
Ich aktiviere also die erweiterten Steuerungen für die Unterdrückung der Key-Farbe (Advanced Spill Suppression) und erhalte umgehend ein besseres Ergebnis.
Das ist hier der normale Ablauf.
Sie haben noch die Möglichkeit, zwischen dem Standard- und Ultra-Modus umzuschalten, um Zugriff auf ganz neue Steuerungen zu erhalten.
Auch ändert der Ultra-Modus die Berechnungsalgorithmen des Plug-ins basierend auf dem Ultra-Key-Effekt in Premiere Pro.
Hier finden Sie weitere Möglichkeiten zur Feinjustierung für bestimmte Problemfälle, wie z.
B.
Farbreste aus Lichtbrechungen.
Normalerweise ist der Standard-Modus aber für die meisten Aufnahmen ausreichend.
After Effects war immer schon eine erstklassige Lösung für Keying- und Compositing-Workflows.
Mit den neuen Effekten zur Key-Reinigung sowie den erweiterten Steuerungen für die Unterdrückung der Key-Farbe ist es leistungsfähiger denn je.
