So kannst du Posen richtig zeichnen.

Dynamische Posen vermitteln Lebenskraft und Energie. Lerne, wie du menschliche Bewegungen zeichnerisch festhalten kannst.

Künstlerische Zeichnung eines Skateboarders, der einen Trick zeigt

Was sind dynamische Posen?

Eine dynamische Pose stellt Bewegung dar. Anders als bei einer statischen Pose zeigt die dynamische Pose die Figur zum Beispiel mitten im Springen, Tanzen oder Laufen. Egal ob du Figuren, Anime oder Manga entwirfst oder besser im Zeichnen des menschlichen Körpers werden möchtest: Das Wissen, wie man Posen voller Leben und Bewegung zeichnen kann, wird dich in jedem Fall weiterbringen.

 

Anatomie ist das A und O.

Du hast im Figurenzeichnen, also im Zeichnen des menschlichen Körpers, bereits Erfahrung gesammelt und bist bereit für die nächste Herausforderung? Wir zeigen dir, wie du Action in deine Projekte bringst. Hier sind ein paar nützliche Tipps für Einsteiger:

 

1. Um den menschlichen Körper richtig darzustellen, musst du die Grundlagen der Anatomie kennen. Dieses Wissen hilft dir, realistische Proportionen und Muskelbewegungen zu zeichnen. So kannst du auch sicherstellen, dass sich die gezeichneten Gliedmaßen innerhalb des natürlichen Bewegungsradius bewegen. Das bedeutet natürlich nicht, dass du stets ein Anatomiebuch zur Hand haben musst. Die Darstellung des menschlichen Körpers ist für jeden Künstler ein lebenslanger Lernprozess. Es schadet allerdings nicht, dich mit einzelnen Muskelgruppen zu befassen und Referenzfotos griffbereit zu halten.

 

2. Du brauchst eine solides Training im Figurenzeichnen. Wenn du die Basics beherrschst, fällt es dir leichter, die Figur aus anatomischer Sicht richtig darzustellen, bevor du zu komplexeren dynamischen Posen übergehst. Ob Einsteiger oder erfahrener Künstler – dynamische Posen stellen immer Herausforderungen an den Zeichner.

Collage von Akrobatikzeichnungen menschlicher Figuren

Ändere deine Perspektive.

„Auf diese Weise macht eine dynamische Pose mehr Eindruck. Es ist natürlich möglich, ein Motiv aus Augenhöhe oder von einem geraden Blickwinkel aus zu zeichnen. Aber eine andere Perspektive und ein ausgefallener Kamerawinkel können viel bewirken“, erklärt Künstlerin Megan Levens. Stelle dir zum Beispiel vor, wie ein Superheld auf eine Kamera zufliegt. „Man kann die Figur so zeichnen, dass sie direkt auf den Betrachter zukommt. Oder man richtet die Kamera von unten auf den Helden. Es sieht viel cooler aus, wenn Superman von schräg oben anstatt von vorn auf mich zufliegt“, so Levens.

 

Folge der Aktionslinie.

Die Aktionslinie bzw. Kraftlinie ist die Linie, der ein Körper im Laufe einer Bewegung folgt. Sie ist sozusagen das Rückgrat deiner Pose. Konzentriere dich bei deiner Arbeit auf diese Kraftlinie, um deine Bewegungspose flüssig und natürlich zu gestalten. „Es geht nicht darum, Körperteile zusammenzufügen. Stattdessen sollte der Zeichner versuchen, sich auf die Bewegung und die Richtung der Bewegung zu konzentrieren“, erklärt Levens. Denke daran, dass sich kein Körperteil unabhängig vom Rest des Körpers bewegt; dasselbe gilt für eine gezeichnete Figur.

 

Lege zuerst deine Aktionslinie fest. Lasse den Körper dann ausgehend von dieser Linie Form annehmen. „Am Anfang erstellt man nur ein Strichmännchen und überlegt sich, wo die Energie im Körper verlaufen wird. Auf dieser Basis wird dann die Anatomie aufgebaut“, sagt Levens. 

 

Vermeide gerade Linien. „Linien sollten immer eine gewisse Rundung haben. Mit geraden Linien wirken Figuren steif und leblos“, erklärt Künstlerin Shiela Larson.

 

Person betrachtet mehrere Zeichnungen von menschlichen Figuren, die vor ihr liegen

Halte dich an Models aus dem echten Leben.

Gestalte deine Zeichnungen realistischer, indem du Referenzen aus dem echten Leben heranziehst. Fotoreferenzen sind eine großartige Quelle. Bei Behance oder Adobe Stock findest du Ideen für unterschiedlichste Posen. Du kannst aber auch ein eigenes Referenzbild erstellen. „Eine Idee wäre zum Beispiel, Freunde aus einer extremen Perspektive oder aus verschiedenen Kamerawinkeln aufzunehmen. So bekommst du ein Gefühl dafür, wie Körperproportionen wahrgenommen werden, wenn sie im Raum näher oder weiter entfernt sind“, empfiehlt Levens. Beim perspektivischen Zeichnen wird der Tiefeneffekt dargestellt, der entsteht, wenn sich ein Teil des Motivs näher zur Kamera befindet. In diesem Fall verändert sich das Aussehen der Proportionen. Du kannst diese natürliche Verzerrung in deinen Fotoreferenzen nutzen, um deine Zeichnungen mit nach hinten verlaufenden Linien realistischer zu gestalten.

 

Wenn du gerade keinen Freiwilligen findest, den du fotografieren kannst, nimm dich einfach selbst auf. So entwickelst du ein besseres Gefühl für die Aktionslinie im menschlichen Körper. Fotos können sehr hilfreich sein. Es handelt sich aber dennoch nur um statische Momentaufnahmen von Aktionen, die Bewegungen nicht immer authentisch vermitteln können. „Man darf sich nicht zu stark an das Referenzfoto klammern“, rät Levens. „Irgendwann kommt der Moment, in dem man der Zeichnung wieder die Bewegung einhauchen muss, die beim Fotografieren verloren gegangen ist.“ Zu diesem Zweck kannst du die Bewegung selbst nachahmen, während du zeichnest, genauso wie Animationsexperten einen Gesichtsausdruck nachahmen, wenn sie eine Figur animieren. „Beim Nachstellen der Pose sollte man sich so gut wie möglich in die Bewegung hineinversetzen. Das kann ruhig ein bisschen verrückt aussehen“, so Levens.

Person fügt Stoffe zusammen und nutzt menschliche Figuren auf Tablet als Referenz
Person zeichnet menschliche Figuren für Modedesign auf einem Tablet

Inspirationen und Tutorials zum Zeichnen.

Posen schnell skizzieren.

Das schnelle Skizzieren von Posen mit der Stoppuhr hilft dir, Routine beim Zeichnen von Gesten und dynamischen Posen zu gewinnen. In diesem Beispiel kannst du dynamische Posen entdecken, die die Künstlerin Twosenseless mit Adobe Fresco erstellt hat. 

 

Die Grundlagen zum Gestalten von Figuren lernen.

Folge dem Illustrator Sam Peterson beim Rendern von 3D-Figuren und Erfassen der menschlichen Körperform. Lerne Tipps für digitales Zeichnen und Malen, während Peterson seine Skizzen ausgestaltet.

 

Comic-Figuren illustrieren.

In diesem Tutorial zeigt dir Illustrator Logan Faerber Schritt für Schritt, wie er Comic-Bilder für die Geschichte des Schwarzen Panthers zeichnet. Comics sind eine großartige Quelle für Action-reiche Posen, zum Beispiel kämpfende Figuren aus perspektivisch verzerrten Winkeln.

 

Tipps für mehr Inspiration.

Lasse dich von Profis inspirieren. Studiere Concept Art aus Filmen, Video-Games oder Comics. Entdecke dabei viele verschiedene erstklassige Referenzen für Figuren-Design. Zum Beispiel sind die einzelnen Frames eines Disney-Films eine gute Möglichkeit, zu untersuchen, wie dynamische Posen entstehen. Eine kurze Google-Suche nach deinen Lieblingsfiguren liefert dir vielleicht die richtige Inspiration für deine nächste herausragende Pose.

 

Keine Angst vor Fehlern. Nimm dein Skizzenbuch oder deinen digitalen Zeichenstift zur Hand, und lege mit schnellen Skizzen los. „Muskeln haben ein Gedächtnis“, erklärt Levens. „Es ist wie Radfahren: Je mehr man übt, desto besser beherrscht man die Bewegungen und den Ablauf.“ Übe regelmäßig, und achte darauf, dass die Bewegungen locker von der Hand gehen.

 

Bei der Erstellung dynamischer Posen geht es im Grunde darum, herauszufinden, wie sich die Körperform des Menschen durch Bewegung verändert. Versuche, Bewegung in deine Zeichnungen zu bringen. Lasse dich nicht entmutigen, wenn du denkst, einen Fehler gemacht zu haben. Sei immer offen für das Unerwartete. Schließlich ist das Zeichnen von lebensechten Bewegungen ein geschmeidiger Vorgang, bei dem starre Präzision eher hinderlich wäre.

Mitwirkende.

Megan Levens,  Shiela Larson

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