Entstehung von Bildern mit Glitch-Effekt. 

Bildstörung, Glitch-Effekt und Co. waren technische Störfunktionen analoger Kameras. Lerne, wie du diese Retro-Effekte mit Adobe Photoshop anwenden kannst.

Bearbeitetes Foto einer Person mit Störeffekten

Der anhaltende Reiz der Retro-Technologie.

„Was man heute an einem neuen Medium seltsam, hässlich, unangenehm und schlimm findet, ist morgen ein charakteristisches Merkmal“, schrieb der Künstler und Produzent Brian Eno 1996 in seinem Buch A Year With Swollen Appendices. „Die Verzerrung von CDs, der Jitter bei digitalen Videos, der schlechte Klang von 8-Bit – all diese Eigenschaften werden geschätzt und nachgeahmt, sobald sie vermeidbar geworden sind.“

 

Mit seiner Prognose behielt Eno recht: Spurfehler und die gebogenen Linien von degradierten analogen Medien gelten jetzt als ästhetische Effekte, die von Künstlern gerne genutzt werden. Um solche Bilder zu erstellen, kann sich ein moderner Künstler aber nicht mehr auf ausgefranste Bänder oder fehlerhafte Kathodenstrahlröhren verlassen. Tatsächliche Verzerrungen bei Retro-Medien wie VHS-Kassetten entstanden zufällig, und die moderne Technologie hat diese Zufälle eliminiert.

 

Glitch-Effekte sind die absichtliche Nachahmung der Fehler dieser alten Medien. Bei Glitch-Art werden also absichtlich Fehler erzeugt. Ähnlich wie die Pixel-Art, bei der die Beschränkungen der alten Technologien als Stilmittel Verwendung finden, werden bei der Glitch-Art mit den Schwächen der Retro-Technologien eindringliche, geheimnisvoll wirkende Bilder kreiert.

 

Störende Abtastlinien simulieren.

Nichts erinnert so an die Abbildungsfehler der früheren Technologien wie die Abtastlinien bei alten Fernsehgeräten. Die dezenten Video-Hintergrundeffekte alter Röhrenbildschirme stellen eine gute Basis für das charakteristische Aussehen von Störeffekten dar. Das Rastermuster von Photoshop (unter „Filter“ › „Vergröberungsfilter“ › „Farbraster“) kann Abtastlinien simulieren, wenn du die Option „Linie“ aktivierst. Dadurch sehen deine Bilddateien aus, als stammten sie aus einer anderen Zeit, selbst wenn du keine zusätzlichen Fotoeffekte anwendest.

 

Verzerrung und Farbseparation.

Bei alten Fernsehgeräten und Kristall-Displays kam es häufig zu Farb- und Abbildungsfehlern, wodurch die Bilder separiert bzw. zerbrochen aussahen. Mit den RGB-Kanälen (Rot, Grün, Blau) in Photoshop kannst du die Farben eines Bildes auseinanderbrechen und selbst eine Farbseparation erzeugen.

 

RGB-Kanäle sind das primäre Mittel, um in Photoshop die Farben eines Bildes voneinander zu trennen. Wenn du einen Störeffekt auf ein Foto anwenden willst, entscheide, welcher dieser drei Farbkanäle der dominanteste ist und welchen du leicht im Multi-Channel-Modus verändern kannst, um gute Ergebnisse zu erzielen. Wenn dein Bild z. B. viele Blautöne aufweist, führt eine Separation des blauen Kanals zu dramatischen Effekten.

 

Wähle im Bedienfeld „Kanäle“ den RGB-Kanal aus, den du verwenden möchtest, und wähle dann „Alle“ auf dem Dokument aus. Mit dem Effekt „Schwingungen“ kannst du die farbbasierte Verzerrung auf nur eine einzige Ebene anwenden. Die Anzahl der Generatoren gibt an, wie viele Schwingungen es gibt, und die Länge und Weite der Schwingung beeinflussen die Form der entstehenden Schwingungen.

 

Du kannst die Verzerrung auch zufällig erzeugen lassen. Wähle dazu unter „Filter“ › „Verzerren“ › „Schwingungen“ die Option „Randomisieren“ aus. Du kannst ein ganzes Bild randomisieren (mit nicht vorhersagbaren Ergebnissen) oder die Verzerrung mit dem Auswahlrechteck-Werkzeug auf einen bestimmten Bereich beschränken. Jedes Auswahlwerkzeug funktioniert hier, aber das rechteckige Auswahlwerkzeug kann die blockartigen verzerrten Formen alter TV-Bildschirme replizieren.

 

Um Farben zu separieren, kopiere das Bild zweimal, sodass es dir dreimal auf drei separaten Ebenen vorliegt. Deaktiviere im Bedienfeld „Fülloptionen“ den grünen und blauen Kanal auf dem ersten Bild, den roten und blauen Kanal auf dem zweiten Bild und den roten und grünen Kanal auf dem dritten Bild. Wähle auf den oberen zwei Ebenen als Füllmethode „Negativ multiplizieren“ aus. Durch das Verschieben der oberen zwei Ebenen wird ein Störeffekt erzeugt und die RGB-Kanäle desselben Bildes verschwimmen, wenn du sie positionierst.

Bearbeitetes Bild mit statischen Fehlern und Störeffekten

Statische Fehler und Spurfehler simulieren.

Es ist auch möglich, Spurfehler zu simulieren, indem man Teile des Bildes auswählt und sie absichtlich verschiebt.

 

Horizontale Spurfehler simulieren.
Wähle mit dem Auswahlrechteck-Werkzeug lange, schmale Bildbereiche aus. Verschiebe diese Bereiche mit dem Verschieben-Werkzeug, damit sie nicht mehr mit dem Rest des Bildes synchron sind. Optional kannst du auch Verzerrungseffekte hinzufügen. Wiederhole diesen Vorgang mehrmals, um das charakteristische Aussehen einer unterbrochenen Übertragung oder Satelliten-Übertragung zu erhalten.

 

Statische Fehler simulieren.
Um das „Schneegrieseln“ und visuelle Rauschen von alten VHS-Kassetten oder Röhrenbildschirmen nachzuahmen, wähle mit dem Auswahlrechteck-Werkzeug einen Bildbereich aus und füge mit der Option „Schwingungen“ (unter den Menüs „Verzerren“ und „Filter“) visuelles Rauschen hinzu. Zufälligkeit und Chaos sind unerlässlich, damit der Glitch-Look authentisch wirkt. Mit dem Button „Randomisieren“ sorgst du dafür, dass jeder Verzerrungseffekt einzigartig ist.

 

Einen kleinen Teil des Bildschirms verzerren.
Du kannst auch individuelle Bereiche des Fotos für die Verzerrung festlegen. Wähle die gewünschten Bereiche mit dem Auswahlrechteck-Werkzeug aus, klicke mit der rechten Maustaste und wähle „Ebene durch Kopie“ aus, um die Schwingungsverzerrung auf diesen bestimmten Bereich anzuwenden.

 

Mit diesen Methoden kannst du ein modernes, hochauflösendes Bild einem raffinierten, künstlichen Alterungsprozess unterziehen und so mit Effekten, die einst als Fehler oder gar Verfall galten, spannende Bilder erstellen.

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