Key-Posen erstellen und animieren.

Key-Posen sind die Grundpfeiler flüssiger, natürlich wirkender Animationen. Nur wenn du weißt, wie du deine Figuren und Requisiten über die Seite bewegen musst, sehen die Animationen realistisch aus. Hier erfährst du, wie du Key-Posen erstellst und animierst.

Eine Person, die animierte Figuren auf Papier zeichnet.

Was ist eine Key-Pose?

Im Kontext von Animationen sind Key-Posen zentrale Momente von Bewegungen innerhalb einer Sequenz. Anhand der Schlüsselposen ermitteln Animatoren, wie viele verschiedene Aspekte einer Szene mit eigenen Frames und eigenem Timing animiert werden müssen.

 

Wenn du beispielsweise eine Figur animierst, die ihre Hand hebt, würden die Key-Posen den Arm seitlich am Körper, am Ende der Bewegung und an einigen Punkten dazwischen zeigen. Die Lücken zwischen diesen Key-Posen werden im Anschluss mit den Zwischenbewegungen (In-Betweens) gefüllt.

 

Unterschied zwischen Key-Posen und Keyframes.

Eine Key-Pose ist im Grunde ein Einzelbild oder Frame einer Animation. Keyframes stellen auch nicht bewegungsbezogene Übergänge dar, z. B. beim Ton oder bei anderen visuellen Effekten, die nicht mit der Animation an sich zusammenhängen.

 

Verwendung.

Key-Posen spielen für Animationssequenzen eine wichtige Rolle. Sie dienen dem Animator als Orientierungshilfe, um die Logik hinter einer Bewegung oder einem (Gesichts-)Ausdruck für den Zuschauer darzustellen. 

 

Es ist wie beim Unterschied zwischen der Arbeit mit und ohne Drehbuch: Die Schauspieler können eine Szene auch improvisieren, doch dabei besteht immer das Risiko, ein ganz anderes Ergebnis zu erhalten als das angestrebte. Selbst improvisationserfahrene Schauspieler arbeiten normalerweise mit Anweisungen zu den wichtigsten Handlungspunkten oder Sätzen in der Szene. Genau diese Anhaltspunkte benötigen auch Animatoren, um eine Szene wie geplant umsetzen zu können.

Animationen faszinieren dich?

Lies unseren Leitfaden für Einsteiger in die Animation.

Anatomie.

Die Bedeutung von Key-Posen lässt sich am besten anhand von Beispielen erklären.

Drei gelbe Bälle, die auf dem Boden hüpfen.

Die drei Bilder oben zeigen einen Ball in verschiedenen Zuständen. Zusammen ergibt sich daraus ein Zyklus des Balls, wie er auf der Fläche auftrifft und wieder hochspringt.

 

Diese Key-Posen zeigen die unterschiedlichen Ausdrücke und Formveränderungen, die der Ball bei der Bewegung durchläuft. Würde eine dieser Key-Posen fehlen, wäre möglicherweise nicht klar, dass die Animation einen hüpfenden Ball zeigen soll. 

 

  • Ohne das Bild links könnte man denken, der Ball sei nur ein wabbeliger Klumpen auf dem Boden.
  • Ohne das Bild in der Mitte ist nicht ersichtlich, dass die Schwerkraft beim Auftreffen am Boden auf den Ball einwirkt.
  • Ohne das Bild rechts wäre nicht klar, dass der Ball überhaupt auf dem Boden auftrifft.

 

Animatoren benötigen Key-Posen, um das gesamte Bewegungs- und Ausdrucksspektrum der Objekte und Figuren schon vor den Animieren der gesamten Sequenz zu erfassen.

Animationsabfolge eines gehenden Bauarbeiters in verschiedenen Posen.

Die oben gezeigte Abfolge von Key-Posen verdeutlicht die unterschiedlichen Phasen im Gang einer Figur. Die Positionen der Arme und Beine ergeben sich zwar automatisch aus der Gehbewegung, doch der Animator muss dennoch den Umfang der Bewegung mit Key-Posen festlegen. Wenn eine andere Figur vielleicht humpelt, würden die Beinbewegungen ganz anders aussehen, was in der Animation festgehalten werden müsste.

Verschiedene animierte Gesichtsausdrücke desselben Mannes.

Auch subtilere Bewegungen wie der Gesichtsausdruck einer Figur erfordern eine Reihe von Key-Posen. Durchläuft eine Figur unterschiedliche Emotionen, muss jeder einzelne Gesichtsausdruck klar definiert werden. 

 

Wenn eine Figur wie der oben gezeigte Mann eine schwierige Entscheidung treffen muss oder irritiert auf etwas reagiert, wird für jede Phase dieses inneren Kampfs eine Key-Pose benötigt. Anderenfalls wird vielleicht das volle Ausmaß der Gefühle nicht deutlich und die Zuschauer können die Geschichte nicht mehr so gut nachvollziehen.

 

Mit Key-Posen stellst du sicher, dass Bewegungen und Gesichtsausdrücke klar ersichtlich sind, bevor die Sequenzen dazwischen animiert werden. 

 

Es gibt auch eine andere, experimentellere Vorgehensweise.

 

Posen animieren.

Es gibt zwei sehr unterschiedliche Ansätze zum Animieren mit Key-Posen. Bei der einen wird die Sequenz sehr genau ausgearbeitet, bei der anderen gehen die Animatoren nur von einer anfänglichen Key-Pose aus und arbeiten freier. Nachfolgend erfährst du mehr über die Unterschiede zwischen diesen Ansätzen und über typische Anwendungsfälle.

 

Pose-to-Pose-Animation.

Pose-to-Pose folgt üblicherweise dem oben beschriebenen Prozess mit Key-Posen oder „Story Beats“ (wichtige Wendepunkte in der Geschichte). Die Lücken dazwischen werden dann vom Team mit sogenannten In-Betweens gefüllt. In größeren Teams übernehmen diese Aufgabe oft die weniger erfahrenen Animatoren.

Mann, der am Schreibtisch sitzt und auf einem Laptop verschiedene animierte Figuren zeichnet.

Pose-to-Pose eignet sich am besten für Situationen, in denen lückenloses, strukturiertes Storyboarding gefragt ist. Timing spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die Animatoren müssen für glatte Übergänge genügend Frames erstellen. Wenn von Anfang bis Ende Key-Posen vorhanden sind, können sie die Geschwindigkeit und den kreativen Ausdruck der In-Betweens (oder kurz „Tweens“) gezielter steuern.

 

Breakdowns sind ein Zwischending zwischen Key-Posen und In-Betweens. Sie unterteilen die Handlung zwischen zwei Key-Posen und stellen einen weiteren Schritt im Prozess dar. Zur Erläuterung dieser Begriffe stelle dir eine Figur vor, die von der linken zur rechten Bildschirmseite geht:
 

  • Die Key-Posen wären hier die zwei Posen am Anfang und am Ende der Sequenz sowie weitere dazwischen, wenn wichtige Gesten, Gesichtsausdrücke oder Schritte betont werden sollen.
  • Die In-Betweens sind die Frames zwischen den Key-Posen, die für flüssige Bewegungen sorgen.
  • Breakdowns könnten zum Einsatz kommen, wenn die Figur stehen bleibt, um auf die Uhr zu sehen, oder kurz stolpert – also an allen Stellen, die die lange Sequenz spontan unterbrechen.

 

Straight-Ahead-Animation.

Wie bei Pose-to-Pose wird bei der Straight-Ahead-Animation eine Key-Pose am Beginn einer Sequenz festgelegt. Danach folgen jedoch im Gegensatz zu Pose-to-Pose keine weiteren Key-Posen. Der Rest der Sequenz wird ohne diese Orientierungshilfen erstellt. Dementsprechend sind auch keine In-Betweens erforderlich.

 

Straight-Ahead-Animation ist die experimentellere Methode. Selbst bei einer Sequenz mit Skript wirken die Ergebnisse freier interpretiert als beim Pose-to-Pose-Ansatz. Manche Animatoren bevorzugen Straight-Ahead für einzelne freiere Szenen, die sich deutlich von den ansonsten festen Vorgaben des Projekts abheben.

 

Woolie Reitherman, in den 1960er- und 1970er-Jahren einer der „Nine Old Men“ bei Walt Disney Productions, wusste diese Technik zu schätzen. „Wenn ich nicht genau wusste, wie eine Handlung aussehen soll, war Straight-Ahead immer mein Mittel der Wahl. Mir macht das Spaß. Man entdeckt auf diese Weise immer wieder Neues.“1

 

Die gängige Darstellung eines Kampfes zwischen zwei Figuren – eine „Wolke“ aus fliegenden Fäusten vor einem Hintergrund – wird meistens im Verlauf der Szene kleiner und größer. 

 

Diese Wolke ist ein gutes Beispiel für ein Straight-Ahead-Ereignis, das ohne Key-Posen auskommt. Der Stilwechsel erfolgt erst, wenn der Kampf zu Ende ist und ein klarer Gewinner – und ein Verlierer – gezeigt werden. Die Größe und sogar die Farbe der Wolke ändern sich oft, da keine Key-Posen zur Orientierung vorhanden sind. Insofern verliert eine Straight-Ahead-Animation mit der Zeit an Konsistenz und verändert sich scheinbar willkürlich.

 

Welche Technik ist besser: Pose-to-Pose oder Straight-Ahead?

Beide haben ihre Vor- und Nachteile und unterscheiden sich im Ergebnis.

Vorteile

Nachteile

Pose-to-Pose-Animation

Leichter zu steuern, weil die Zwischenergebnisse geplant und festgelegt werden.  

Kann zu strukturiert wirken, wenn eine Sequenz einen eher improvisierten Charakter haben soll.

Mehr Kontrolle über Geschwindigkeit und Timing einer Sequenz.

Sieht bei längeren Sequenzen mit nur einer einzigen flüssigen Bewegung schnell künstlich aus.

Effektive Kommunikation der entscheidenden Momente einer Geschichte mit den entsprechenden Bewegungen und Gesichtsausdrücken.

Verringert die Wahrscheinlichkeit, durch Improvisation Verbesserungen zu erzielen.

Sorgt bei Objekten für einheitliche Form und Größe.

Kann unrealistisch wirken.

Straight-Ahead-Animation

Lässt Handlungen spontaner aussehen.

Führt zu physischen Inkonsistenzen innerhalb der Sequenz.

Durch Improvisation wirkt die Sequenz nicht so „glatt“ und hat mehr Charme.

Bietet wenig Gelegenheit zur Zusammenarbeit.

Verleiht Sequenzen eine individuellere Note, weil nur eine Person sie steuert.

Schwierig zu steuern.

Fühlt sich freier an als die strukturierte Pose-to-Pose-Methode.

Erfüllt möglicherweise nicht die Erwartungen des Regisseurs.

Kann durch „glückliche Zufälle“ zu kreativeren Ergebnissen führen.

Kann unbeabsichtigt die Aufmerksamkeit auf Handlungen lenken, die für den Plot gar nicht wichtig sind.

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Häufig gestellte Fragen.

 

Was sind Zwischenposen?

Zwischenposen sind die Frames zwischen den Key-Posen, die die Bewegung vervollständigen. Sie mögen zunächst weniger wichtig erscheinen als die Key-Posen, machen aber den Großteil einer Sequenz aus. Sie werden nur deshalb weniger beachtet, weil sie die Geschichte nicht direkt voranbringen.

 

Animationssequenz eines Cartoon-Roboters, der im Laufen stolpert und hinfällt.

Was bedeutet „Stauchen und Strecken“ bei Animationen?

Stauchen und Strecken ist eine Technik, die Bewegungen elastischer, weniger steif und damit natürlicher wirken lässt. Bei Übertreibung dieser Technik wirkt eine Form Cartoon-ähnlicher, bewegt sich jedoch noch im Rahmen des Realistischen. Beispielsweise wird eine Figur, die zum Sprung ansetzt und dafür in die Knie geht, oft stärker gestaucht und beim Sprung stärker gestreckt als ein echter Mensch. Dieses Stilmittel lässt die Bewegung flüssiger und dynamischer aussehen.

 

Was sind die 12 Prinzipien der Animation? 

Der Begriff wurde von Johnston und Thomas geprägt, als sie 1981 ein Buch über die Geschichte der Animation bei Disney veröffentlichten. In diesem Buch werden die vielfältigen Aspekte der Animationsarbeit zu 12 grundlegenden Prinzipien (u. a. Pose-to-Pose und Straight-Ahead) zusammengefasst und erläutert.

 

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