Geschichte des Anime
Die Frage nach dem ersten offiziellen japanischen Animationsfilm ist nicht eindeutig geklärt. Im Rennen sind verschiedene Kandidaten wie Katsudō Shashin (auch bekannt als Matsumoto-Fragment) aus dem Jahr 1907 und Nippāru no henkei („Nipparus Transformation“) von circa 1911.
Leider fielen 1923 die meisten der bis dahin entstandenen japanischen Animationen dem Großen Kantō-Erdbeben zum Opfer. Erst in den 1930er-Jahren konnten sich Studios wieder leisten, traditionelle Folienanimationen zu produzieren. Als erster Kurzfilm aus dieser Ära gilt The Dance of the Chagamas (1935).
Animes wurden im Zweiten Weltkrieg für Propagandazwecke genutzt. In den 1950er-Jahren wurden dann die ersten Anime-Studios gegründet. Toei Animation verwirklichte 1958 mit der Koproduktion eines ersten Farb-Anime-Films das selbst gesteckte Ziel, sich als „Disney des Ostens“ zu etablieren. Erzählung einer weißen Schlange basiert auf einem alten chinesischen Märchen und sollte zur Aussöhnung zwischen den beiden Ländern beitragen.
In den 1960er-Jahren eroberten Animes nach und nach den TV-Bildschirm. Einige Produktionen hatten auch auf dem westlichen Markt Erfolg. Astro Boy besiegelte den Ruf seines Erfinders Osamu Tezuka als Meister des Anime. Auch Speed Racer und Lupin III fanden außerhalb Japans eine Fan-Gemeinde.
In den 1980er-Jahren wurde die visuelle Qualität von Animes immer besser, was ihren weltweiten Erfolg zusätzlich begünstigte. Das von Hayao Miyazaki gegründete Studio Ghibli brachte einige der besten und erfolgreichsten Filme des Genres heraus. Zu ihnen zählt Chihiros Reise ins Zauberland, das 2003 als bislang einziger Anime-Film mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Mit Werken wie Das wandelnde Schloss (2004) und Ponyo – Das große Abenteuer am Meer (2008) festigte das Studio seinen Ruf für fein ausgearbeitete Details und fesselnde Geschichten, die bei Jung und Alt gut ankommen.
In den 1980er-Jahren wurden Animes auch düsterer und dramatischer. Science-Fiction-Thriller wie Akira und Ghost in the Shell erforschen die Abgründe der menschlichen Psyche und werfen einen verstörenden Blick in die Zukunft und auf das Verborgene – packend präsentiert mit visuellen Effekten und Storylines voller überraschender Wendungen.
Die Kombination aus Psycho-Thriller und futuristischer Fantasy ist nicht auf Kinofilme beschränkt. Zu den von Kritikern meistgelobten japanischen TV-Serien überhaupt zählt Neon Genesis Evangelion. Die Serie wurde erstmals im Oktober 1995 ausgestrahlt, gewann nach und nach immer mehr Zuschauer und entwickelte sich zu einem echten Kulturphänomen. Mit Rebuild of Evangelion wurde die Idee der künstlichen Lebensformen mit menschlicher Gestalt später erneut aufgegriffen und neu verfilmt. Der letzte der vier Spielfilme erschien 2021.