CGI-Animation: Definition, Geschichte und Beispiele.

Für den Animationsfilm war CGI (Computer-Generated Imagery) in den 1990er-Jahren ein echter Gamechanger. Die Anfänge des Genres liegen aber mehrere Jahrzehnte vor Toy Story.

 

Hier erfährst du, was CGI-Animation ist und wie sie funktioniert. Wir zeigen dir, wie du eigene Computer-generierte Animationen erstellst – und rufen dir die wichtigsten Momente aus der Geschichte von CGI in Erinnerung. 

Gemälde eines viktorianischen Karussells

Was ist CGI-Animation?

CGI (Computer-Generated Imagery) bezeichnet eine Unterkategorie von visuellen Effekten (VFX), nämlich Szenen, Effekte und Bilder, die mithilfe von Software erzeugt werden. CGI kann statisch oder dynamisch, 2D oder 3D, subtil oder auffällig sein.

 

Bei Liveaction-Filmen wird CGI oft genutzt, um animierte Elemente in die Aufnahmen einzubinden. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Szene aus Jurassic Park , in der Jeff Goldblum von einem T-Rex gejagt wird. Außerdem lassen sich mit CGI aufwendige Szenen erstellen, die in einem Realfilm zu teuer oder zu kompliziert wären (z. B. die Schlachten in Game of Thrones). CGI kann Schauspieler sogar um Jahrzehnte jünger aussehen lassen (wie in der Netflix-Produktion The Irishman) oder mittels Greenscreen-Technologie in Fantasiewelten versetzen.

Mann an einem Film-Set im Freien mit verschiedenen Lichtquellen

Wie funktioniert CGI-Animation?

In Animationsfilmen kann CGI völlig neue Welten erschaffen. Beispiele dafür sind Toy Story von Pixar oder Die Eiskönigin – Völlig unverfroren von Disney. Da komplexe, kostspielige und zeitaufwendige manuelle Animationsschritte entfallen, haben Künstler mehr Freiheit und sind nicht an die Beschränkungen von 2D gebunden.

CGI-Animation ist aber nur eine von vielen Animationstechniken. Weitere Beispiele sind:

 

 

Außerhalb der Film- und TV-Branche kommen CGI-Animationstechniken in so unterschiedlichen Bereichen wie Medizin, Wissenschaft, Technik, Immobilien, Architektur, Astrologie, Kunst oder Werbung zum Einsatz. 

Unterschiede zwischen CGI und Animation.

Bis in die Mitte der 1990er-Jahre basierten die meisten Animationsfilme auf klassischen Folienzeichnungen. Disney-Klassiker wie Das Dschungelbuch wurden minutiös von Hand gezeichnet. Ähnlich komplex waren Stop-Motion-Filme wie Jason und die Argonauten, bei denen Modelle aus Knetmasse vor jeder Aufnahme in winzigen inkrementellen Schritten verändert werden mussten. Was unterscheidet CGI von diesen traditionellen Methoden?

CGI-Animation

Klassische Animation

Der offensichtlichste Unterschied zwischen CGI und klassischer Animation ist der Einsatz von Software. 3D-Animatoren erstellen z. B. virtuelle Skelette (Rigs), die eine feste Reihe von Bewegungen machen können. Die Übergänge zwischen diesen Bewegungen werden von Software generiert. Das spart Zeit, Aufwand und Ressourcen.

Bei der traditionellen Animation werden einzelne Bilder oder Posen zu Sequenzen zusammengefügt, um den Eindruck einer flüssigen Bewegung zu erwecken. Bei der Folienanimation werden für 1 Sekunde Film bis zu 24 Zeichnungen benötigt.

Mithilfe von Software lassen sich CGI-Animationen relativ einfach mit Liveaction-Aufnahmen kombinieren. So kann man z. B. Fantasiewesen wie Drachen oder Monster in die Aufnahme einer echten Stadt verpflanzen. Analog dazu besteht auch die Möglichkeit, physische Modelle aus Knetmasse oder anderen Materialien in Computer-generierte Szenen einzufügen.

Liveaction und Animation werden schon seit Jahrzehnten kombiniert. Es ist aber recht aufwendig. Im Disney-Klassiker Falsches Spiel mit Roger Rabbit von 1988 filmte die Crew zunächst die Live-Szenen und fügte dann später in enger Kooperation mit Animationsexperten Folienanimationen ein. Das VFX-Studio Industrial Light and Magic bearbeitete bei der Einbindung visueller Effekte über 3.000 m Film.

CGI-Animationen erfordern ein geringeres Budget und weniger Ressourcen – ein wichtiger Grund für die Beliebtheit der Technik. Für Toy Story wurden 110 Animatoren und 30 Mio. US-Dollar benötigt – weit weniger als bei dem etwa zeitgleich erschienenen Film Der König der Löwen.

Traditionelle Animationen stellen ungleich höhere Anforderungen an Ressourcen und Budgets. Am Disney-Film König der Löwen waren 800 Animatoren beteiligt – bei Toy Story waren es nur 110. Die Produktionskosten beliefen sich auf 45 Mio US-Dollar.

Frau am Computer, die mit Animations-Software arbeitet

Geschichte.

Die Geschichte der CGI-Animation beginnt mit Alfred Hitchcocks bahnbrechendem Thriller Vertigo – Aus dem Reich der Toten aus dem Jahr 1958.

 

Für die Eröffnungssequenz ließ Hitchcock von Animationskünstler John Whitney und Grafik-Designer Saul Bass eine Serie kontinuierlich rotierender Spiralen kreieren. Sie erzeugen den Eindruck einer Wendeltreppe und lösen beim Zuschauer dasselbe desorientierende Schwindelgefühl aus, unter dem auch der von James Stewart verkörperte Polizist leidet.

 

Animationsständer konnten damals nur begrenzt gedreht werden, ehe sich die Kabel verhedderten. Whitney und Bass platzierten ihre Animationsfolien deshalb auf einer rotierenden Komponente eines Flugabwehr-Systems aus dem Zweiten Weltkrieg. Das daraus resultierende, endlos zirkulierende, geometrisch perfekte Muster wäre mit entsprechenden Freihand-Techniken nicht realisierbar gewesen. Diese komplexe, aber wirksame Idee war eines der ersten Beispiele für 2D-CGI-Animation.

 

1972 digitalisierten die Informatikstudenten Edwin Catmull und Fred Parke für ihren Kurzfilm A Computer Generated Hand eine menschliche Hand. Sie zeichneten dafür zunächst 350 Polygone und Dreiecke auf eine Modellhand. Dann speisten sie die Daten in einen Computer ein und erstellten daraus die erste digitale Hand mit realistischen Bewegungen. Das Resultat war eine der ersten Computer-Animationen.

 

Catmull gehörte später zu den Gründern von Pixar. Mit seinem frühen Kurzfilm Die kleine Lampe, den er gemeinsam mit John Lasseter erstellte, hob er die Messlatte für das, was mit CGI-Animation möglich ist, weiter an. Die herzerwärmende Vater-Sohn-Szene zwischen zwei Lampen wurde als erster CGI-Film für einen Oscar nominiert.

 

Die kleine Lampe war Wegbereiter für den ersten vollständig Computer-animierten Film in Spielfilmlänge. Mit Toy Story begann eine neue Ära der CGI-Kinofilme.

Mann im Motion-Capture-Anzug, der vor einem Greenscreen gefilmt wird

Animationen faszinieren dich?

Lies unseren Leitfaden für Einsteiger in die Animation.

Beispiele.

 

Tin Toy (1988).

Dieser Kurzfilm von John Lasseter leistete einen Großteil der thematischen und visuellen Vorarbeit für Toy Story. Die Handlung dreht sich um die Ein-Mann-Orchester-Blechfigur Tinny und ihre Versuche, dem krabbelnden Monster-Baby Billy zu entkommen.

 

Da die proprietäre Software PhotoRealistic RenderMan von Pixar noch nicht mit den Ambitionen der Künstler Schritt halten konnte, ist die Animation des Films längst nicht so perfekt und realistisch wie in späteren Werken. Trotzdem erregte Tin Toy die Aufmerksamkeit von Entscheidungsträgern bei Disney, die sich später zur Finanzierung von Toy Story bereit erklärten.

 

Toy Story (1995).

Toy Story machte Pixar einem breiten Publikum bekannt und etablierte das Studio über Jahrzehnte als Experte für CGI-Animation. Die unterhaltsame Idee und ihre äußerst innovative Umsetzung sorgten dafür, dass Toy Story verdientermaßen zum Kino-Hit wurde und die Hauptfiguren Woody und Buzz Lightyear internationalen Ruhm erlangten. Das Werk gilt als einer der besten Filme aller Zeiten – ein Erfolg, der umso beeindruckender ist, wenn man bedenkt, dass die CGI-Animation als absolute Nischentechnik begonnen hat.

 

Antz (1998).

Einige Jahre später bekam Pixar erstmals ernst zu nehmende Konkurrenz. Dreamworks störte 1998 die Veröffentlichungspläne für den zweiten Pixar-Film, Das große Krabbeln, mit einem eigenen CGI-Animationsfilm über die Welt aus der Sicht von Insekten – Antz. Zum ersten Mal wirkte CGI nicht mehr wie eine bahnbrechende Innovation, sondern wie der neue Standard für Animationsfilme.

 

Der König der Löwen (2019).

Wie zuvor schon das Remake von Das Dschungelbuch aus dem Jahr 2016 setzte auch Der König der Löwen neue Maßstäbe in Sachen CGI – diesmal mit der absolut fotorealistischen Nachbildung der afrikanischen Savanne. Das Projekt war unter den Fans des handgezeichneten Disney-Klassikers von 1994 nicht unumstritten. Doch das Resultat kann sich sehen lassen. Jede einzelne Aufnahme des Remakes – von den Trinkstellen und Ebenen bis zu den Figuren Simba, Timon und Pumbaa – wurde digital gerendert und wirkt absolut real. Der Kontrast zu A Computer Generated Hand könnte größer nicht sein.

Technik.

Für professionelle CGI-Animationen wird oft ein ganzes Team von Experten für VFX, Vorvisualisierung, Beleuchtung, Animation, Rotoscoping, Komposition usw. benötigt. Du kannst CGI-Animationen aber durchaus auch zu Hause erstellen. Hier sind einige Tipps.

CGI-Bild der von Satelliten umkreisten Erde
  1. Basiswissen zu CGI erwerben: Informiere dich anhand von Büchern, Tutorials und anderen Ressourcen über das Thema CGI-Animation. Mache dich mit den grundlegenden Begriffen und Techniken vertraut.

  2. Hardware-Ausstattung prüfen. Zur Ausführung von CGI-Software brauchst du leistungsfähige Hardware mit mindestens 3 GB RAM, schnellem Prozessor und Grafikkarte.

  3. Umgang mit CGI-Software üben. Für CGI-Animationen benötigst du Spezial-Software. Einige dieser Programme sind kostenlos erhältlich, für andere musst du ein Abo abschließen. Von Adobe Animate ist eine kostenlose Testversion verfügbar.

  4. Ein Modell erstellen. Das Modell ist der erste Schritt, um deine Kreation zum Leben zu erwecken. Experimentiere mit Polygonen und Formen, und gestalte eine 2D- oder 3D-Figur nach deinen Vorstellungen.

  5. Textur hinzufügen. Durch die Textur beginnt dein Modell, lebendig und realistisch zu wirken.

  6. Ein Rig für das Modell erstellen. Damit sich deine Animation bewegen kann, benötigst du ein Rig. Wenn du mit Adobe Animate arbeitest, kannst du das Asset-Verkrümmung-Werkzeug nutzen, um Knochen und Gelenke für dein Design zu erstellen. Anschließend kannst du grundlegende Bewegungen definieren und das Rig mit entsprechenden Bewegungs-Tweens versehen. Weitere Informationen über das Rigging von Figuren

  7. Animieren. Teste dein Rig, um zu prüfen, ob es sich in der gewünschten Weise bewegt. Falls nicht, nimm geeignete Korrekturen an den Bewegungen vor.

  8. Ausleuchten, rendern und Effekte hinzufügen. Füge im letzten Schritt Hintergründe, Beleuchtung und andere visuelle Effekte hinzu. Lasse dich nicht entmutigen, wenn deine Animation nicht gleich im ersten Anlauf perfekt ist. Führe deine Tests und Übungsversuche einfach so lange fort, bis du mit dem Ergebnis zufrieden bist.

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Häufig gestellte Fragen.

Ist 3D-Animation dasselbe wie CGI?

3D-Animation ist nur eine Komponente von CGI. Weitere Elemente sind visuelle Effekte oder auch 2D-Animationstechniken. Die 3D-Animation beschäftigt sich ausschließlich mit der Modellierung und Animation von 3D-Figuren.

Was kostet CGI?

2018 beliefen sich die Kosten für CGI, 3D-Animation und andere visuelle Effekte im Durchschnitt auf 33,7 Mio. US-Dollar pro Film. Nicht professionell arbeitende CGI-Künstler müssen nur die Kosten für ein Software-Abo und geeignete Hardware einkalkulieren. Von Adobe Animate und Adobe After Effects sind kostenlose Testversionen verfügbar.

Wie werde ich CGI-Animator?

Die grundlegenden Handgriffe kannst du dir selbst aneignen. Möchtest du die CGI-Animation aber beruflich ausüben, brauchst du eventuell ein spezielles Training. Ein Abschluss in Computer-Grafik, Informatik oder einem Kunst-, Design- oder Filmfach ist von Vorteil. Unabhängig davon, ob du dich für ein Hochschulstudium entscheidest oder nicht, musst du einschlägige Projekte und Erfahrungen vorweisen können, um das Animations- oder Film-Studio deiner Wahl zu überzeugen. 

Was war die erste CGI-Animation?

CGI-Animation findet sich bereits in Liveaction-Filmen aus den 1950er-Jahren. Die erste vollständig Computer-generierte Animation ist vermutlich A Computer Generated Hand aus dem Jahr 1972. In diesem bahnbrechenden Kurzfilm ist eine bewegliche Hand zu sehen, die vollständig aus Computer-Grafiken erstellt wurde. Einer der beteiligten Künstler gehörte später zu den Gründern des CGI-Animations-Studios Pixar.

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