Die wichtigsten Luftbildfotografietipps für Anfänger

Setze atemberaubende Landschaften, Bauwerke und vieles mehr mittels Luftbildfotografie in Szene. Ob du eine Drohne einsetzt, auf einem Wolkenkratzer stehst oder aus dem Flugzeug fotografierst – mit diesen Luftbildfotografie-Tipps gelingen dir erfolgreiche Luftaufnahmen.

Luftaufnahme Golden Gate Bridge

Foto von Toby Harriman

Die Vogelperspektive erkunden

Die Luftbildfotografie bietet einen außergewöhnlichen Blickwinkel auf Landschaften und Bauwerke aus ungewöhnlicher Perspektive und eröffnet die Möglichkeit, wunderschöne Aufnahmen von Orten einzufangen, die normalerweise unerreichbar sind. Aufnahmen und Videos aus der Luft sind für die Architektur, die Immobilienwirtschaft und den Umweltsektor unerlässlich. Erfahre welche Besonderheiten das Fotografieren aus dem Flugzeug oder Helikopter, mit der Drohne oder aus hohen Gebäuden erfordern. Lerne außerdem alles über die richtigen Werkzeuge und Anwendungen, mit denen du das Beste aus deinen Luftaufnahmen herausholst.

 

Wähle das Flugzeug mit Bedacht

Die optimale Methode für Luftaufnahmen hängt vom Motiv und vom Zweck ab. Einfache Projekte wie Fotos für die Standortplanung oder von Immobilien, kannst du gut mit einer Drohne bewerkstelligen. Bestimmte Höhenanforderungen oder Regionen machen allerdings die Nutzung eines Flugzeugs notwendig. In einem Flugzeug oder Helikopter kannst du mehr Ausrüstung transportieren und höher aufgelöste Bilder machen.

Zwei Männer fliegen eine Drohne
Luftaufnahme Golden Gate Bridge in Wolken

Foto von Toby Harriman

Luftaufnahme einer Altstadt an einem Hügel

Drohnen sind leicht zugänglich und nachhaltig

Die Drohnen-Fotografie macht es möglich, auf einfache und erschwingliche Art in die Luftbildfotografie einzusteigen. Die Umweltauswirkungen von Drohnenflügen sind um vieles geringer als von Flugzeugen und Helikoptern. Die Drohnentechnologie erreicht mittlerweile das Niveau hochauflösender Kameras. Wenn du aber sehr hoch aufgelöste Fotos möchtest, verzichte auf Drohnen oder verwende eine, die deine Kamera transportieren kann. Bedenke, dass Drohnen Luftfahrtbeschränkungen unterliegen. Achte darauf, die entsprechenden Genehmigungen für das geplante Fluggebiet einzuholen.

 

Flugzeuge eignen sich für große Entfernungen

Flugzeuge können höher und weiter fliegen und ermöglichen eine echte Draufsicht auf Gegenden, die für Drohnen nicht zugänglich sind. Einen solchen Flug zu buchen ist oft günstiger und einfacher, als man denkt. Außerdem kannst du deine eigene hochwertige Kamera mit Ausstattung mitnehmen und höchste Qualitätsstandards erreichen. Der Pilot und Luftbildfotograf Alex MacLean empfiehlt die Wahl eines Schulterdeckers, also eines Flugzeugs mit hohen Tragflächen wie die Cessna 172, damit die Tragfläche über dem Cockpit sitzt und so beim Fotografieren nicht stört.

 

Helikopter sind in niedrigeren Höhen flexibler

Ein Flugzeug kann in bewohnten Gebieten nicht niedriger als 300 Meter fliegen. Für niedrige Flughöhen oder längeres Schweben über einer Gegend solltest du also einen Helikopterflug buchen. Das ist teurer als die Buchung eines Flugzeugs. Dennoch ist das Chartern eines Helikopters die beste Möglichkeit, wenn du kleinere Bildausschnitte brauchst oder dich in einem dicht besiedelten Gebiet bewegst, wie in der Nähe von Häusern oder einem Stadion.

 

Bereite dich mit den richtigen Werkzeugen und Anwendungen gut vor.

„Du kannst alles machen. Letztlich kommt es auf die Genehmigung und das Budget an“, sagt der Luftbild-Fotograf und Kameramann Toby Harriman. Allerdings musst du gut vorbereitet sein. Beachte folgende wichtige Faktoren vor dem Flugbeginn.

Luftaufnahme Charles River zwischen Hochhäusern

Foto von Toby Harriman

Straße schlängelt sich durch Landschaft Luftaufnahme

Lasse Flüge von der Flugsicherheitsbehörde genehmigen.

Flüge in unerlaubtes Gebiet können ernste Konsequenzen nach sich ziehen. Der Vorteil von Charterflügen ist, dass der Pilot die nötigen Kenntnisse der Genehmigungen hat und deinen Flug im Voraus genehmigen lassen wird. Drohnenflüge müssen ebenfalls bei der Flugsicherheit angemeldet werden. In den USA kann man mit dem Programm AirMap die Genehmigung einer Flugroute beantragen.

 

Plane den Sonnenstand

MacLean zufolge ist die beste Zeit für einen Flug bei einem Sonnenstand von 20 Grad über dem Horizont. Dies ist normalerweise früh morgens der Fall oder einige Stunden vor Sonnenuntergang, hängt aber von der Jahreszeit und vom Standort ab. Wenn man einfach Bilder von einem hohen Gebäude oder einem Hügel aus macht, sollte die Sonne etwas tiefer als 20 Grad stehen. Dienste wie SunCalc.org ermöglichen es, den Sonnenstand zur Zeit des Fluges genau einzuplanen.

 

Fotografiere wenn möglich aus einem geöffneten Fenster oder einer Tür

Bitte den Piloten, ein Fenster oder eine Tür zu öffnen, um Verzerrungen durch die Glasscheibe zu vermeiden. Stelle sicher, dass deine Kamera innerhalb des Flugzeugs bleibt, da außerhalb sehr hohe Windgeschwindigkeiten auftreten. Berühre mit deiner Kamera nicht den Fensterrahmen oder andere Bereiche, da deine Fotos sonst durch die Vibration verwackeln. Muss das Fenster geschlossen bleiben, wirst du auf den Fotos Verzerrungen durch die Fensterscheibe sehen. Um dem entgegenzuwirken, kannst du dunkle Kleidung tragen, die sich weniger in der Fensterscheibe spiegelt.

 

Sichere deine Ausrüstung und Einstellungen vor dem Start

Befestige deine Kameraausrüstung mit Riemen am eigenen Körper, insbesondere, wenn du aus der offenen Tür, aus geöffnetem Fenster oder aus sehr großer Höhe fotografierst. Achte auch auf verschließbare Taschen für Schlüssel und dein Handy.

 

Wähle das richtige Objektiv und Ersatzgehäuse

Viele Kamerahersteller am Markt bieten Objektive mit Bildstabilisator an. Diese Objektive mindern das Verwackeln durch die Vibrationen des Flugzeugs. Wenn du allerdings im Verhältnis zur Brennweite eine kurze Verschlusszeit wählst, musst du den Bildstabilisator gegebenenfalls ausschalten, da sonst die Bildqualität leidet. Objektive mit Brennweiten zwischen 28 und 400 Millimetern eignen sich am besten. Bringe ein weiteres Kameragehäuse für dein zweites Objektiv mit, damit du nicht das Objektiv, sondern nur die Kamera wechseln musst. Objektive mit weniger als 28 Millimetern Brennweite erfassen meist auch den Rumpf oder die Tragflächen des Flugzeugs, wogegen Objektive mit Brennweiten über 400 Millimetern eine zu starke Vergrößerung bewirken und zu verschwommenen Fotos führen können. Reduziere das Verwackeln, indem du die Kamera auf einem gyroskopischen Stabilisator montierst.

 

Fotografiere mit kurzer Verschlusszeit und fixiere die anderen Einstellungen

Mache Aufnahmen mit kurzen Verschlusszeiten wie 1/1000 Sekunde oder noch höher, um das Verwackeln zu vermeiden. Stelle deine Kamera auf Autofokus und sichere die Einstellungen, eventuell mit einem Klebeband, damit der Regler beim Hantieren nicht wieder auf manuell springt.

 

Arbeite bei dunkleren Lichtverhältnissen mit hohen ISO-Werten

Der Outdoor-, Abenteuer- und Lifestyle-Fotograf Justin Bailie empfiehlt eine Kamera, die mit höheren ISO-Werten zurechtkommt, wenn die Sonne während des Fluges untergeht. „Du kannst mit 200 oder 400 anfangen und wenn es dann dunkler wird auf 1600, 3200 oder sogar noch höher gehen“, schlägt er vor.

 

Nutze die Zeit in der Luft optimal

„Fliegen ist teuer. Sobald du da draußen bist, kannst du ruhig die Gelegenheit nutzen und ein paar Bilder nur für dich selbst machen“, sagt MacLean. „Ich habe das Gefühl, das Fliegen gar nicht genug ausgekostet zu haben, wenn ich einen Auftrag habe und dann nur mit den dafür benötigten Aufnahmen zurückkomme.“

Landschaft Kameraeinstellungen korrigieren
Effekteinstellungen für Kamera korrigieren
Landschaftsbild Wüste mit Hügeln und Regenbogen

Überprüfe die Einstellungen noch einmal, bevor es los geht

Sieh dir die ersten Bilder an, um sicherzustellen, dass die Einstellungen stimmen. „Man versinkt leicht im Augenblick“, sagt Harriman. „Wenn du nur eine Tankfüllung hast und pro Stunde bezahlst, versuchst du, alles herauszuholen, was geht. Du verpasst die Szene und verdaust schon gar nicht, was gerade geschieht, bis du landest.“

 

Schaue nach draußen und mache viele Bilder

Bei den ersten paar Aufnahmen muss du die Einstellungen überprüfen. Bedenke aber, dass deine Flugzeit begrenzt ist und sich der Ausblick mit jeder Sekunde ändert. Richte deine Aufmerksamkeit während des Fluges nach draußen. „Widerstehe der Versuchung, deine Bilder zu prüfen während du noch in der Luft bist“, sagt MacLean.

 

Behebe unvermeidbare Probleme bei der Nachbearbeitung

Beim Fotografieren aus der Ferne ist das Nachbearbeiten die Lösung. Die Option „Dunst entfernen“ in Adobe Lightroom ist eine sehr nützliche Hilfe zur Entfernung des Dunstschleiers, der oft bei Aufnahmen aus großen Höhen auftritt. Mit dem Abwedler zum Aufhellen bestimmter Bereiche des Bildes und dem Nachbelichtungswerkzeug zur Abdunklung kannst du den Korrekturpinsel hervorragend nutzen. Wie bearbeitet man Luftbilder von Drohnen am besten? Erfahre mehr dazu in diesem Schritt-für-Schritt-Video von Michael Shainblum.

 

Denk daran: „Nur der Himmel ist die Grenze.“

Um neue Einblicke einer vertrauten Stadt zu gewinnen oder mehr über wilde Naturlandschaften zu lernen, braucht es manchmal einfach nur die Vogelperspektive. Beginne das Fotografieren von einem sicheren, leicht zugänglichen Hausdach oder buche einen Flug oder eine Drohne, wenn dein Budget dies erlaubt. „Als ich meine ersten 300 Dollar für einen einstündigen Flug ausgab, dachten meine Eltern, ich sei verrückt geworden“, erzählt Harriman. „Aber dieser eine Flug führte zu zehntausenden Dollar durch bezahlte Aufträge.“

Flug über den Grand Canyon

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Wenn du nicht an die Höhe gewöhnt bist, ist der Anfang nicht leicht. „Verzeih dir, wenn du ein bisschen abgelenkt bist. Die Welt da oben ist voller Ablenkungen“, sagt MacLean. Wenn du bestmöglich vorbereitet bist, werden dir einige fantastische Luftaufnahmen auf deinem Flug gelingen. Vergiss nicht, die Aussicht zu genießen.

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