Stop-Motion-Animation. 

Die Stop-Motion-Animation ist eine einfache, aber effektive Methode, um Alltägliches zum Leben zu erwecken. Mit cleveren Kameratricks und einem Gespür für Details lassen sich faszinierende bewegte Bilder erstellen. Erfahre mehr über die Geschichte von Stop-Motion und die Techniken dieses Animationsstils. 

Mann, der vor zwei Computer-Monitoren am Schreibtisch sitzt und auf einem Grafiktablett zeichnet.

Was ist Stop-Motion-Animation? 

Die Stop-Motion-Animation ist eine moderne Form des Daumenkinos. Objekte werden fotografiert, geringfügig verändert und wieder fotografiert. Es entsteht eine Reihe von Bildern, die nacheinander abgespielt den Eindruck von Bewegung erzeugen. Die Geheimnisse der Stop-Motion-Animation liegen in dem, was zwischen den Bildern passiert.  Der flüssige und scheinbar simple Ablauf des Endresultats täuscht darüber hinweg, wie viel Mühe und Aufwand zwischen den einzelnen Aufnahmen liegt und wie viel Aufmerksamkeit auf das kleinste Detail gerichtet werden muss. 

Verglichen mit großen Hollywood-Produktionen ist die Stop-Motion-Technik eher im Low-Budget-Bereich anzusiedeln. In Sachen Originalität, Form und Stil sprechen die Ergebnisse aber für sich. Stop-Go-Animationen werden seit Jahrzehnten als Kunstform gefeiert, wie zahlreiche Oscar-Auszeichnungen und Serien, die zu TV-Institutionen wurden, belegen. 

 

Animationen faszinieren dich?

Lies unseren Leitfaden für Einsteiger in die Animation.

Arten der Stop-Motion-Animation.
 

Objektanimation.

Kein Budget? Kein Problem. Erwecke einen beliebigen Gegenstand zum Leben. 

Beispiel: The Humpty Dumpty Circus (1898) 

 

Knetanimation (Claymation).

Forme Figuren und Kulissen aus Knetmasse oder Ton, und kreiere neue Welten. 

Beispiele: Morph, Wallace & Gromit 

 

Pixilation.

Hier kommen auch menschliche Darsteller zum Einsatz. Ihre Posen werden einzelbildweise aufgenommen. 

Beispiel: Hôtel électrique (1908) 

 

Cutout-Animation.

Ausgeschnittene Figuren und ihre Umgebungen werden im Stop-Motion-Verfahren einzelbildweise fotografiert. 

Beispiele: The Spirit of Christmas (Matt Stone und Trey Parker) 

Silhouetten-Bild einer Filmcrew im Schein von Neonlicht.

Puppenanimation.

Arbeite mit selbst gestalteten Puppen, die im Bild posieren und agieren. 

Beispiele: Coraline, Kubo – Der tapfere Samurai 

 

Silhouetten-Animation.

Ausgeschnittene Objekte werden von hinten beleuchtet, sodass ein geheimnisvolles Schattenspiel entsteht. 

Beispiele: Die Abenteuer des Prinzen Achmed (1926), Papageno (1935) 

 

 

Geschichte. 

 

Mit den Bildermengen, die sich heute per Digitalkamera und Smartphone schnell und einfach knipsen lassen, sind Stop-Motion-Animationen für alle machbar. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts sah das noch ganz anders aus. Damals war die Kunstform denen vorbehalten, die das Geld und die Zeit für die mühevolle Kleinarbeit hatten, die solche Produktionen damals ausmachten. 

 

Als erster Vertreter des Genres gilt The Humpty Dumpty Circus von 1898. J. Stuart Blackton und Albert E. Smith verwendeten Kinderspielzeug, um die unbekannte Welt des Zirkuslebens zu zeigen – lange bevor Woody und Buzz auf der Animationsbühne erschienen. 

 

Ein weiterer Pionier war Wladyslaw Starewicz, der in den 1910er- und 1920er-Jahren Furore machte. Bekannt ist vor allem Lucanas Cervus (lateinisch für „Hirschkäfer“). Handlungsträger des Films sind Insekten, die Starewicz von einem Tierpräparator herstellen ließ. Das Publikum war schockiert. Viele dachten, sie sähen dressierte Käfer, die auf ihren Hinterbeinen gehen und Haushaltsgegenstände umhertragen. 

 

Willis O’Brien war 1933 der kreative Kopf hinter der Animation des ikonischen Riesenaffens King Kong. Seine Handwerkskunst hatte er aber zuvor schon 1925 mit Die verlorene Welt unter Beweis gestellt. Der Film basiert auf dem Roman „Die vergessene Welt“ von Arthur Conan Doyle. Er begleitet Forscher auf der Suche nach Dinosauriern, die noch unbemerkt über die Erde streifen, und enthält einige für die damalige Zeit spektakuläre Effekte. 

 

O’Brien war auch der Mentor eines Mannes, der heute als Inbegriff für die damalige Ära der Spezialeffekte gilt. Fast im Alleingang schuf Ray Harryhausen die Spezialeffekte und Animationen für Filme wie „Panik in New York“ oder „Die Bestie aus dem Weltenraum“ und galt als Pionier der legendären Monster- und Science-Fiction-Filme der 1950er-Jahre. Auch spätere Werke wie „Sindbads gefährliche Abenteuer“ und Kampf der Titanen (1981) sind absolut sehenswert. 

Einfache Animation eines in den Nacken gelegten Kopfes.

Mit fortschreitender Weiterentwicklung etablierte sich das Medium im Mainstream und hielt Einzug in Fernsehsendungen und Musikvideos. Für internationales Aufsehen in beiden Sparten sorgte Aardman Animations. Das Studio erschuf die Knetfigur Morph, die zunächst mit der britischen Fernsehlegende Tony Hart auftrat und später eine eigene Serie bekam. Das Team von Aardman steckte auch hinter dem Musikvideo zu Peter Gabriels Sledgehammer aus den 1980er-Jahren, das mit seiner rasanten Abfolge von Stop-Motion-Effekten zu den bedeutendster Vertretern dieses Genres zählt. 

 

Eine Stop-Motion-Animation erstellen. 

Im Gegensatz zu den frühen Pionieren der Kunstform braucht es heute keine teure Ausrüstung mehr, um eine Stop-Motion-Produktion aufzuziehen. 

 

Voraussetzungen. 

Für dein erstes, eigenes Minimeisterwerk brauchst du: 

 

  • Digitalkamera. Auch ein Smartphone erfüllt den Zweck. Je hochwertiger die Kamera, desto besser ist natürlich das Ergebnis. 
  • Stativ/Auflage. Wichtig ist, die Kamera so aufzustellen oder anzubringen, dass sie absolut stabil steht und nicht wackelt. Solche Vorrichtungen sind zum Glück nicht teuer. 
  • Bearbeitungs-Software. Auch hier reicht notfalls ein Smartphone. Du brauchst aber ein Videobearbeitungsprogramm, mit dem du deine Bilder in eine Reihenfolge bringen und in einer Datei zusammenfassen kannst. 
  • Objekte/Requisiten. Ob du aufwendige Kulissen à la Reiniger erstellst oder einfach ein paar Haushaltsgegenstände zum Leben erweckst, bleibt dir überlassen. 

 

Stop-Motion-Aufnahmen erstellen. 

Obwohl der Prozess relativ einfach ist, gibt es einige Dinge zu beachten, um schnell zu einem guten Ergebnis zu kommen. 

Einfache Animation eines in den Nacken gelegten Kopfes.
  1. Motive ausrichten. Achte darauf, einen Winkel zu wählen, der das Motiv perfekt zur Geltung bringt und keine unerwünschten Elemente enthält. Objekte, die sich nah am Bildrand bewegen oder ganz herausfallen, beeinträchtigen die Qualität des Endprodukts.

  2. Beleuchtung anpassen. Wähle eine Umgebung, in der du das Licht voll unter Kontrolle hast. Für Aufnahmen zweidimensionaler Objekte könntest du die Szene z. B. unter einer Schreibtischlampe arrangieren. Änderungen an den Lichtverhältnissen ergeben ein uneinheitliches Bild im Gesamtfilm. 

  3. Wackelfreie Aufnahmen gewährleisten. Wenn möglich, sollte eine einmal eingerichtete Kamera bis zum Ende einer Sequenz nicht mehr angefasst werden. Verwende eine Fernbedienung oder einen Timer für die einzelnen Bilder der Sequenz, bis für einen anderen Winkel oder eine neue Szene die Kamera neu eingestellt werden muss. 

  4. Frame-Rate bestimmen. Wie lange soll ein Einzelbild in einer Aufnahme zu sehen sein? Für 24 Frames pro Sekunde brauchst du 24 Bilder – bei langsamen Momenten sind das weniger unterschiedliche Bilder, für schnellere Bewegungen sieht jedes der 24 Einzelbilder ein wenig anders aus. 

  5. Bearbeiten. Verschiebe deine Bilder in einen Sequencer, um sie direkt zu bearbeiten – oder übertrage das gesamte Paket am Ende der Aufnahmen. Nun kannst du Zeitraffer- und Zeitlupeneffekte anwenden und Ton und Musik hinzufügen. 

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Techniken.

Da die eigentliche Erstellung einer Stop-Motion-Animation relativ einfach ist, ist es die Art und Weise, wie ein Animator seine Ideen umsetzt, die einen Clip zu etwas Besonderem machen. Über die Jahre sind immer wieder neue Unterarten der Technik entstanden, die frischen Wind in das Genre gebracht haben.

 

  • Bei der Objektanimation werden Alltagsgegenstände zum Leben erweckt. Der Künstler muss also nichts vorab selbst anfertigen. Die weltweit erste Objektanimation war vermutlich „The Humpty Dumpty Circus“. Die Stars der Show waren Spielzeugtiere, die nicht speziell für das Projekt geschaffen wurden.

Nahaufnahme einer Person, die auf einem Grafiktablett zeichnet, der Computerbildschirm zeigt Bearbeitungssoftware

Bei der Knetanimation werden Figuren oder Objekte aus Knetmasse oder Ton modelliert und für jedes Bild einzeln bearbeitet. Die berühmtesten Vertreter dieser Technik sind die mehrfach Oscar-prämierten Käseliebhaber Wallace & Gromit und andere Produktionen von Aardman Animations sowie die amerikanischen Weihnachts-Specials von Rankin/Bass. 

 

Bei der Pixilation wird dieselbe Technik auf menschliche Darsteller angewendet. Die Schauspieler dürfen ihre Körperhaltung zwischen den einzelnen Bildern nur minimal verändern und haben danach vermutlich ziemlich verspannte Muskeln. Ein Beispiel für diese Technik ist das Video zum Song Latchmere, mit dem The Maccabees in der britischen Musikszene für Aufsehen sorgten. 

 

Für Cutout-Motion werden zweidimensionale Objekte (meist aus Papier oder Pappe) ausgeschnitten und animiert. Die Pilotfolge der Erfolgsserie South Park wurde in Cutout-Motion-Technik erstellt – ein aufwendiger Prozess, den Mitschöpfer Matt Stone als „Hölle auf Erden“ bezeichnete. Zum Glück fanden sie im Laufe der Zeit zu einem einfacheren System. 

 

Bei der Puppenanimation werden Puppen hergestellt und verändert, was einen ganz eigenen ästhetischen Charme bewirkt. Berühmtester Vertreter ist das Studio Laika, das Kinoerfolge wie Coraline und Kubo – Der tapfere Samurai produziert hat. 

 

In der Silhouetten-Animation werden Schattenspiel und Cutout-Motion-Technik zu faszinierenden Geschichten kombiniert. Die ältesten Beispiele finden sich in europäischen Produktionen aus den 1920er-Jahren. Am berühmtesten dürften die Arbeiten von Lotte Reiniger sein, die im Laufe ihrer überaus produktiven Karriere mehr als 70 Märchen als Silhouetten-Filme animiert hat. 

Frau am Computer, die mit Animations-Software arbeitet.

Häufig gestellte Fragen. 

Was wird für die Stop-Motion-Animation benötigt? 

Die heutige Kameratechnologie ist so weit fortgeschritten, dass auch Amateure Stop-Motion-Filme herstellen können. Alles, was du brauchst, sind ein Smartphone und ein Stativ oder eine stabile Auflage. Von Vorteil sind eine konstante Lichtquelle und verschiedene Requisiten – sowie Disziplin und Geduld, denn die einzelnen Aufnahmen erfordern Zeit und viele, minimale Veränderungen des Sets. 

 

Welche Arten von Stop-Motion-Animation gibt es? 

Man unterscheidet sechs Hauptformen der Stop-Motion-Animation. Bei der Objektanimation werden vorhandene Gegenstände zum Leben erweckt, während für Claymation Figuren aus Knetmasse oder Ton geformt werden. Bei der Pixilation wird mit menschlichen Darstellern gearbeitet, bei der Cutout-Motion-Technik mit Pappe, Papier und anderen 2D-Materialien. Für Puppenanimationen werden eigene Puppen gefertigt, und die Silhouetten-Animation verbindet Aspekte von Cutout-Motion mit Schatteneffekten. 

 

Wie viele Bilder brauche ich für eine einminütige Stop-Motion-Animation? 

Der Standardwert bei Filmen und TV-Sendungen liegt bei 24 Frames pro Sekunde. Ein einminütiger Clip besteht also aus 1.440 Bildern, von denen aber nicht jedes einzeln produziert werden muss. Solange sich die Figuren in einem normalen Tempo bewegen, kann ein einzelner Frame verdoppelt oder verdreifacht werden, und der Bewegungsablauf erscheint immer noch flüssig. Erst bei schnelleren Bewegungen unterscheidet sich jeder Frame vom nächsten. 

 

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