Fotografie
Verborgene Bedeutungen in der Symbolfotografie.
Erfahre, wie Fotoprofis anhand von Symbolen Botschaften in ihren Bildern transportieren. Nutze ihre Tipps, um diese wirkungsvolle Technik selbst anzuwenden.
Fotografie
Erfahre, wie Fotoprofis anhand von Symbolen Botschaften in ihren Bildern transportieren. Nutze ihre Tipps, um diese wirkungsvolle Technik selbst anzuwenden.
Vergleichbar mit konzeptioneller Fotografie und Surrealismus arbeitet die Symbolfotografie mit Gegenständen, Farbwelten und Motiven, um konkrete Botschaften zu transportieren und Emotionen zu wecken. „Für mich dreht sich alles um ein Objekt, hinter dem sich ein tieferer Sinn verbirgt“, erklärt Fotografin Lauren Johnson.
Ein symbolisches Bild soll leicht verständlich sein – wähle die Elemente daher mit Bedacht. Denke aber daran, dass Symbole unterschiedlich interpretiert werden können. Die meisten Symbole haben je nach Kultur und Land eine andere Bedeutung, manche wandeln sich auch im Laufe der Zeit. Zudem gewinnen neue Symbole im Internet und in der Popkultur an Bedeutung.
„Das Tolle an Social Media ist für mich der kulturelle Austausch: Wenn ich meine Fotos online stelle, teilen mir Menschen aus aller Welt ihre ganz eigene Sichtweise mit. Manchmal unterscheidet sich deren Interpretation komplett von meiner ursprünglichen Idee“, so Fotograf Alex Stoddard.
Durch Symbole erzählst du mit deinen Bildern Geschichten. Ein Motiv in der Porträtfotografie vor einem Klavier lässt sofort auf Musikalität, Kunstsinn und Kreativität schließen. In der Food-Fotografie steht edles Porzellan für Eleganz und Oberklasse. Wählst du für dasselbe Gericht stattdessen Pappteller, vermittelt das ein ganz anderes Bild des Rezepts. Symbolik ist ein mächtiges und flexibles Werkzeug für jedes Fotogenre.
Symbole in der Bildenden Kunst.
„In der klassischen Kunst – vor allem in Renaissance und Barock – wimmelt es nur so von bekannten Symbolen“, so Stoddard. „Ich greife extrem gerne darauf zurück, weil ihre Wirkung zeitlos ist.“ Ein Gemälde mit einem Schädel als Symbol für den Tod ist etwa ein typisches Memento-Mori-Motiv, das Vergänglichkeit und Sterblichkeit aufgreift.
Diese Symbole kannst du auch in deiner modernen Fine-Art-Fotografie einsetzen. „Ich beziehe mich gerne auf Kunst, die die Zeit überdauert hat – denn sie berührt die Menschen offensichtlich tief. Und das über verschiedene Kulturen und Epochen hinweg“, sagt Stoddard.
Auch wenn jeder Mensch und jede Kultur Symbole und Archetypen anders interpretiert, macht genau das oft den Reiz aus. Entdecke diese verschiedenen Symbole und ihre Bedeutungen in der bildenden Kunst.
Farbe.
Farbe ist ein idealer Ausgangspunkt für symbolische Fotografie – sie ist vielseitig und leicht zugänglich. Verschiedene Farben wecken starke Gefühle, und jeder Farbton hat weltweit seine eigene Bedeutung. Gehe daher nicht davon aus, dass dein Publikum dieselben Assoziationen mit einer bestimmten Farbe teilt. Rot steht in Nordamerika für Leidenschaft und Liebe, in einigen afrikanischen Kulturen für Trauer und Tod und in China für Fruchtbarkeit und Glück.
„Ich finde es faszinierend, wie unterschiedliche Kulturen Dinge wahrnehmen. Bei Hochzeitskleidern tragen Menschen in manchen Kulturen zum Beispiel Schwarz, weil diese Farbe Treue, Ehe und Liebe symbolisiert. In westlichen Kulturen hingegen steht Weiß für das Hochzeitskleid, da es Reinheit verkörpern kann“, sagt Johnson.
Tod und Zeit.
Neben dem klassischen Totenkopf können auch Gegenstände wie Raben, Geier, Sanduhren und Uhren in der Kunst als Symbole für den Tod stehen. Häufig sieht man Stillleben, bei denen frische, blühende Blumen mit einem Totenkopf kombiniert werden. Dies kann das Vergehen der Zeit oder die Vergänglichkeit des Lebens darstellen. Überlege dir genau, wie du Objekte in einer Komposition anordnest, um neue, tiefere Bedeutungen zu schaffen.
Natur.
Pflanzen, Tiere und Elemente tragen jeweils ihre eigene symbolische Bedeutung. „Ich arbeite in meinen Fotos viel mit der Natur – mit Feuer, Wasser, Erde und Pflanzenwelt. Und jedes dieser Elemente hat eine andere Bedeutung“, sagt Stoddard. Wasser kann Kraft und Weisheit symbolisieren, während Feuer alles von Leidenschaft über Zerstörung bis hin zur Wiedergeburt verkörpern kann.
Fotos von Lauren Johnson
Objekte.
Objekte können die unterschiedlichsten Emotionen und Ideen hervorrufen. Während eine Krone für Macht und Sieg stehen kann, repräsentiert ein Stift oft Diplomatie und Stabilität. „Ich nutze Waffen gerne als Symbole. Manchmal haben Schwerter oder Pfeile eine doppelte Bedeutung. Sie sind zwar Werkzeuge der Zerstörung, können aber auch auf Amors Pfeil und die Liebe anspielen“, ergänzt Stoddard.
Formen.
Geometrische Formen und ihre Anordnung zueinander können eine eigene Symbolsprache entfalten. In der traditionellen Kunst der australischen Aborigines dienten Formen und Symbole dazu, kulturell bedeutsame Geschichten und Überlieferungen über das Land festzuhalten. In westlichen Kulturen hingegen stehen gerade Linien häufig für Ordnung, während Kreise oft Einheit symbolisieren.
Religion und Legenden.
Neben kulturellen Aspekten verweisen Symbole oft auch auf religiöse oder mythologische Konzepte. „Die Schlange wird im Christentum ganz anders interpretiert als in der Medizin, wo sie für Heilung steht“, so Johnson. Auch wenn das Grundmotiv identisch ist, stehen die Schlange aus dem Paradies und die Schlange am Medizinerstab für völlig gegensätzliche Aussagen und Geschichten.
Wenn du solche symbolischen Motive in deinen Fotos einsetzen möchtest, lohnt sich vorab ein Blick in die Mythologie und Religionsgeschichte. So stößt du vielleicht auf noch einzigartigere Motive mit vielschichtigen Aussagen. Lasse dich außerdem von der Welt der konzeptionellen Fotografie für deine Arbeit inspirieren.
Beginne mit einer Idee.
„Es geht darum, genau hinzuschauen und die Elemente im eigenen Leben zu erkennen, die immer wieder auftauchen“, sagt Johnson. Du kannst natürlich ein klassisches, allgemein bekanntes Symbol in den Mittelpunkt deines Fotos stellen – oder du findest Symbole, die für dich ganz persönlich bedeutsam sind.
„In vielen Fällen gehst du los, ohne einen exakten Plan im Kopf zu haben. Das Motiv entsteht dann organisch, passend zu deiner Stimmung. Es hat viel mit Fügung zu tun“, ergänzt Johnson. Ob du nun ein voll ausgearbeitetes Konzept im Kopf hast oder spontan über einen Gegenstand stolperst – etwa ein liegengelassenes Spielzeug – und ihn spontan einbindest: Lasse deine Idee beim Fotografieren ruhig dynamisch wachsen.
Bereite dich auf das Fotoshooting vor.
„Wenn ich eine Idee habe, geht es darum, alle Elemente zusammenzutragen, die ich in dem Foto haben möchte – wie Kostüme und Requisiten", sagt Stoddard. „Die meisten meiner Fotos sind Selbstporträts, und es ist sehr praktisch, dass ich mich selbst als Modell zur Hand habe, wenn ich eine Inspiration habe."
Foto von Alex Stoddard
Symbolische Fotografie ist selten ein reines Kameraergebnis. Ob du Composite-Bilder erstellst oder in der Nachbearbeitung Effekte anwendest: Für ein gutes symbolisches Foto braucht es mehr als nur einen schnellen Schnappschuss.
„Ich verwende nicht gern viele Stockfotos oder Bilder aus verschiedenen Shootings, die nicht zum selben Zeitpunkt entstanden sind. Wenn alles gleichzeitig aufgenommen wird, lässt sich in der Nachbearbeitung alles viel nahtloser zusammenfügen“, sagt Stoddard.
Wenn du symbolische Objekte fotografieren möchtest, um sie später zu bearbeiten, halte die Motive aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Lichteinstellungen fest. So hast du bei der Bearbeitung ausreichend Material zur Auswahl. Außerdem kannst du neutrale Aufnahmen mit gleichmäßiger Beleuchtung und schlichten Hintergründen als Bildgrundlage erstellen.
Behalte beim Fotografieren immer im Hinterkopf, wo dein Bild später gezeigt oder verwendet wird. Da Symbolik so vielseitig ist, eignet sie sich perfekt für Editorial-Shootings oder die Produktfotografie, um die Geschichte einer Marke oder eines Unternehmens zu erzählen. Wenn auf deinem Foto Produkte zu sehen sind, achte darauf, dass das Branding gut erkennbar ist. Stimme dich während der Arbeit regelmäßig mit deiner Kundschaft ab, damit das finale Bild ihren Anforderungen entspricht und trotzdem eine Geschichte erzählt.
Ob du nur kleinere Korrekturen an einem Foto vornehmen oder ein komplexes Composite-Bild erstellen möchtest – Adobe Photoshop ist der ideale Ausgangspunkt. Wenn du noch keine Erfahrungen in der Fotobearbeitung hast, erfährst du in einem kurzen Tutorial, wie das Kombinieren von Bildern über Ebenenmasken funktioniert.
„Allen, die neu im kreativen Bereich sind, kann ich nur raten: Experimentiert! Das hat mir selbst am meisten geholfen, mich weiterzuentwickeln. Finde heraus, was du gerne fotografierst, und probiere Neues aus“, sagt Stoddard. Egal, ob du mit Bearbeitungs-Tools, Effekten oder Ideen experimentierst: Die symbolische Fotografie ist das perfekte Feld, um etwas Neues zu wagen.
„Trau dich auch, deine Werke zu zeigen. Wer nur im stillen Kämmerlein schafft und sich kein Feedback von außen holt, schöpft das volle Potenzial nicht aus“, so Stoddard. Das Ziel ist, dass deine Bildsprache verstanden wird. Wenn dein Konzept beim Publikum nicht zündet, geht es zurück an den Rechner für eine neue Runde in Photoshop. Die Nachbearbeitung ist ein dynamischer Prozess – bleibe offen für Feedback und Anpassungen.
„Gehe einfach raus und produziere eine ganze Reihe von Arbeiten – denn genau so lernst du“, fügt Johnson hinzu. Kunst ist nie perfekt, aber Übung hilft dir dabei, besser zu werden. Wenn du Symbolik einsetzt, hast du enorm viel Spielraum für tiefere Bedeutungen und unerwartete Ideen. Gehe also raus und erschaffe etwas Neues.
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