So bereitest du Aufnahmen bei schwachem Licht vor.

Ihr volles Potenzial entfaltet die Lichtspurenfotografie während der Blauen Stunde. Die findet zwischen Sonnenuntergang und Einbruch der Nacht statt, wenn die Sonne weit genug unter dem Horizont versunken ist, um den Himmel in blaue Lichttöne zu tauchen. Bei diesen lichtschwachen Bedingungen ist passendes Equipment nötig, das Lichtbewegungen besonders gut einfangen kann. Das Wichtigste ist eine DSLR-, eine spiegellose oder eine digitale Spiegelreflexkamera, die im manuellen Modus fotografieren und bei der man individuelle Einstellungen vornehmen kann.

Wie fotografiert man Lichtspuren?

Lichtspurenfotografie ist eine Form der Langzeitbelichtung, bei der die Bewegung des Lichts im Mittelpunkt steht. Indem die Blende längere Zeit geöffnet ist, wird mehr Licht eingefangen und zeigt, wie sich das Licht bewegt.

„Das Ziel ist es, ein beleuchtetes Objekt einzufangen, das durch die Bewegung eine Spur im Bild hinterlässt“, erklärt Fotograf Sean Salamon.

Bei der Lichtspurenfotografie werden bewegte Lichtquellen zu Kunst. Autoscheinwerfer und Rücklichter, Stirnlampen, Straßenlaternen oder Fahrradlichter. Mit einer Taschenlampe lässt sich in der Luft sogar zeichnen, was als Lichtmalerei bekannt ist. Am häufigsten entstehen Lichtspurenfotos jedoch auf Straßen: Dort ziehen Scheinwerfer und Rücklichter von Fahrzeugen leuchtende Bahnen.

Was sind eigentlich Lichtspuren?

Längere Belichtungszeiten halten die Bewegung des Lichts fest, wodurch ausdrucksstarke Lichtspurenkompositionen entstehen.

„Lichtspuren sind eine Illusion und existieren eigentlich nicht“, erklärt Salamon. „Lichtspurenfotografie ist eine faszinierende und besondere Form der Fotografie, weil du etwas abbilden kannst, das in keinem einzelnen Moment wirklich existiert. Die meisten Menschen erwarten, dass Fotos die Realität genau abbilden. Aber Lichtspurenfotos sind eine clevere Möglichkeit, das zu umgehen, ohne den Eindruck zu erwecken, die Wahrheit zu verzerren."

Lichtspuren auf einer Autobahn mit beleuchteter Stadtsilhouette im Hintergrund, durch eine Öffnung in einem Gitterzaun betrachtet.

Bild von Ryan Ditch

Kameraeinstellungen für Lichtspurenaufnahmen.

Die richtigen Einstellungen für ISO, Blende und Verschlusszeit sind entscheidend für gelungene Lichtspurfotos, egal ob du mit einer Analog- oder Digitalkamera fotografierst. Mache dich mit dem Zusammenspiel dieser Einstellungen vertraut, bevor du dein Shooting planst.

ISO ist ein Maß für die Lichtempfindlichkeit des digitalen Sensors bei DSLR- oder spiegellosen Kameras. Je höher der ISO-Wert, desto mehr Licht nimmt die Kamera auf. Die meisten gängigen DSLR-Kameras bieten ISO-Einstellungen von ISO 100 bis ISO 1600, während andere Kameras noch höhere ISO-Werte ermöglichen können. Halte den ISO-Wert so niedrig wie möglich und nutze stattdessen eine längere Verschlusszeit der Blende, um das fehlende Licht auszugleichen.

Die Verschlusszeit ist die Zeitspanne, in der die Kamerablende geöffnet bleibt, damit Licht durch das Objektiv auf den Sensor fällt. Sie reicht von Tausendstel einer Sekunde bis zu mehreren Sekunden oder Minuten. Für Lichtspurfotos empfehlen sich längere Verschlusszeiten zwischen 5 und 60 Sekunden, damit du die gesamte Lichtbewegung im Bild festhalten kannst.

Die Kamerablende bestimmt, wie viel Licht dein Objektiv in die Kamera lässt. Sowohl bei Analog- als auch bei Digitalkameras wird die Blende als Blendenzahl oder f-Wert angegeben – zum Beispiel f/8 oder f/22. Für Lichtspurfotos eignet sich in der Regel ein Blendenwert von etwa f/16.

Der manuelle Modus ist für die Lichtspurfotografie ideal. Denn hier kannst du ISO, Blende und Verschlusszeit flexibel an die Bedingungen deines Aufnahmeorts anpassen, um Lichtspuren erfolgreich im Bild einzufangen.

Selbstauslöserfunktionen sind bei den meisten DSLR-Kameras bereits Standard. Da die langen Verschlusszeiten und Blendeneinstellungen für Lichtspurfotos Licht über einen längeren Zeitraum in die Kamera lassen, führen schon kleinste Erschütterungen zu unscharfen Aufnahmen. Nutze die Selbstauslöser-Funktion, um das zu verhindern, oder verwende einen Fernauslöser, mit dem du die Kamera kontaktlos auslöst.

Im Bulb-Modus hältst du den Auslöser so lange gedrückt, wie der Verschluss geöffnet bleiben soll. Diese Methode eignet sich für Lichtspurfotos besonders dann, wenn beleuchtete Objekte regelmäßig durch dein Blickfeld ziehen. Kamerabewegungen führen dabei aber zu unscharfen Hintergründen oder zu Unter- oder Überbelichtung des Bildes.

Kameraeinstellungen optimal kombinieren – für das beste Lichtspurbild.

Wenn du das Zusammenspiel von ISO, Verschlusszeit und f-Werte der Blende verstehst, dann kannst du mit den einzelnen Einstellungen experimentieren und die beste Aufnahme von deiner Perspektive erzielen.

Denke immer dran, dass du mehr Licht einfangen musst, je dunkler deine Umgebung ist. Ein höherer ISO-Wert, längere Belichtungszeiten und eine weit geöffnete Blende lassen genug Licht durch dein Objektiv, um sichtbare Lichtspuren zu erzeugen. Starte mit ISO 800, einer Belichtungszeit von fünf Sekunden oder mehr und eine Blende f/8. Passe deine Einstellungen danach schrittweise an und experimentiere, bis du die gewünschte Lichtspur-Aufnahme erzielst.

Lichtspuren über einer Wüstenstraße eines vorbeifahrenden Autos.

Bilder von Aaron Rashid

Lichtspuren über einer Bergstraße eines vorbeifahrenden Autos.
„Mein wichtigster Tipp für den Einstieg ist, sich in Geduld zu üben, wenn es um Lichtspuren geht. Manchmal muss man wirklich intensiv mit den Einstellungen experimentieren, bis man die richtige Belichtung gefunden hast“, sagt Fotograf Aaron Rashid.

Zeit und Ort für Lichtspuren auf der Straße.

Suche gute Standorte für deine Aufnahmen.

Lasse deiner Kreativität freien Lauf bei der Suche nach dem idealen Aufnahmeort und versuche einen Platz zu finden, der interessant und eindrucksvoll ist. Typische Aufnahmeorte sind Autobahnbrücken und Überführungen, Bergpässe, Dachterrassen oder die oberen Stockwerke von Gebäuden. Denke dabei auch an die Bildkomposition und den Bildausschnitt, während du den perfekten Winkel suchst.

„Mein persönlicher Favorit sind Kurven und Straßenbiegungen“, sagt Fotograf Ryan Ditch. „Außerdem macht es Spaß, Bewegung aus einem Auto heraus einzufangen auf einer geschwungenen Straße oder einem Feldweg."

Lichtspur eines vorbeifahrenden Autos neben einem Gebäude und einem Bodenentlüftungsschacht in einer Stadt.

Bild von Sean Salamon

Die besten Lichtspur-Fotos entstehen in der Blauen Stunde.

Der ideale Zeitpunkt für Lichtspur-Fotografie ist die Blaue Stunde. Sie schließt direkt an die beliebte Goldene Stunde an. Das ist der Moment kurz vor Sonnenuntergang. Die Blaue Stunde bezeichnet den Übergang zwischen Sonnenuntergang und Einbruch der Nacht, wenn der Himmel in verschiedenen Blautönen leuchtet. Die Sonne befindet sich dann bereits weit genug unter dem Horizont, um den Himmel in Blautönen strahlen zu lassen. Lichtquellen sind dann bereits sichtbar, ohne dass die Szene völlig im Dunkel der Nacht versinkt.

Die richtige Ausrüstung für dein Shooting.

Bereite dich frühzeitig auf deine Lichtspur-Aufnahmen vor und stelle dich auf eine recht dunkle Umgebung ein.

Erkunde mögliche Aufnahmeorte.

Lasse deiner Kreativität freien Lauf bei der Suche nach dem idealen Aufnahmeort und versuche einen Platz zu finden, der interessant und eindrucksvoll ist. Typische Aufnahmeorte sind Autobahnbrücken und Überführungen, Bergpässe, Dachterrassen oder die oberen Stockwerke von Gebäuden. Denke dabei auch an die Bildkomposition und den Bildausschnitt, während du den perfekten Winkel suchst.

„Mein persönlicher Favorit sind Kurven und Straßenbiegungen“, sagt Fotograf Ryan Ditch. „Außerdem macht es Spaß, Bewegung aus einem Auto heraus einzufangen auf einer geschwungenen Straße oder einem Feldweg."

Lichtspuren eines vorbeifahrenden Autos neben einem Gebäude und einem Bodenabluftschacht.

Bild von Sean Salamon

Kamera.

In erster Linie benötigst du eine DSLR, eine spiegellose Kamera oder eine andere digitale SLR-Kamera, mit der man manuell Fotos schießen und individuelle Einstellungen für ISO, Blende und Verschlusszeit vornehmen kann.

Stativ.

Neben deiner Kamera ist ein Stativ der wichtigste Teil deiner Ausrüstung für Lichtspuren-Fotografie. Es reduziert Verwacklungen bei Langzeitbelichtungen und sorgt für stabile Aufnahmen. Je ruhiger deine Kamera steht, desto schärfer werden deine Bilder.

Ein Fotograf fotografiert nachts eine Stadt, die Kamera auf einem Stativ montiert.

Bild von Sean Salamon

L-Bracket.

Ein L-Bracket bzw. L-Winkel ist aus Metall und wird an der Unterseite deiner Kamera angeschraubt und dann auf das Stativ gesetzt. So kannst du die Kamera schnell vom Quer- ins Hochformat drehen und es werden zusätzlich Verwacklungen vermieden.

Weitwinkelobjektiv.

Packe ein Weitwinkelobjektiv ein, um das größtmögliche Sichtfeld zu haben. So verpasst du nichts für dein Bild.

ND-Filter (optional).

Ein ND-Filter, auch Graufilter genannt, ist ein metallgerahmtes Glasstück, das vor das Kameraobjektiv gesetzt wird. Der sogenannte Neutraldichtefilter reduziert die Lichtintensität. Bei der Lichtspuren-Fotografie ist er besonders hilfreich, wenn zu viel Umgebungslicht oder andere Lichtquellen die Belichtung beeinträchtigen.

Fernauslöser (optional).

Ein Fernauslöser ist im Grunde eine Fernbedienung und lässt dich den Kameraverschluss aus der Entfernung auslösen. Er ist zwar optional, hilft aber, Verwacklungen zu minimieren und unscharfe Bilder zu vermeiden. Außerdem kannst du deinen Standpunkt von einem anderen Blickwinkel aus beurteilen, bevor du dich auf den perfekten Bildausschnitt festlegst.

Das Licht weist dir den Weg.

Sobald du eine Serie von Lichtspuren-Fotos im Kasten hast, ist es Zeit für die Nachbearbeitung. In Adobe Lightroom kannst du deine Straßen- und Lichtspuren-Aufnahmen verfeinern: Passe die Farbsättigung deiner Bilder an, bringe mit Licht und Schatten mehr Helligkeit ins Spiel und nutze viele weitere Möglichkeiten und Funktionen.

„Vertraue dem Prozess. Hab keine Angst davor, Neues auszuprobieren, und spiele einfach mit den Einstellungen herum“, sagt Rashid.

Kurvige Lichtspuren über einer felsigen Wüstenstraße, erzeugt von einem fahrenden Auto.

Bild von Ryan Ditch