Mit Lens Flare dramatische Effekte erzeugen.

Sonnenstrahlen, Lichtkränze und mehr verleihen deinen Fotos eine dramatische Note – egal, ob du direkt in die Sonne fotografierst oder künstliches Licht im Studio nutzt. Du kannst einen Lens Flare sogar ganz ohne Vorlage in Adobe Photoshop erstellen. Finde heraus, wie dir der Perfekte Lens-Flare-Effekt gelingt – und wie du ihn vermeidest, wenn du diesen Look einmal nicht haben möchtest.

Verleihe deinen Fotos mit Lens Flare kreatives Flair.

Lens Flare können entstehen, wenn eine helle Lichtquelle auf das Objektiv deiner Kamera trifft. Dieses Licht kann sich auf deinem Foto in Form von Kreisen, Ringen, sternförmigen Lichtmustern („Starbursts“) oder einem flächendeckenden Schleier zeigen. Wurden Lens Flares früher als Missgeschick beim Fotografieren angesehen, das durch Fehler im Kameraobjektiv verursacht wurde, sind sie heute eine bewusste stilistische Entscheidung, mit der du atemberaubende Ergebnisse erzielen kannst.

Mit Lens Flare kannst du Porträts im Gegenlicht eine warme Weichheit verleihen, Landschaftsaufnahmen definieren und auf natürliche Weise einen filmischen oder sonnendurchfluteten Look erzielen. Und da jeder Lens Flare anders ausfällt, ist es ein einzigartiger Touch, der dein Bild aufwerten kann.

Eine Person posiert, mit einem Lens Flare, der sich auf ihr spiegelt; ein Paar umarmt sich, während über den beiden ein Lens Flare strahlt
Bilder von Stephanie DeFranco

Arten von Lens Flare.

Ghosting.

Lens Flares erscheinen auf Fotos oft als Kreise oder Ringe, die von der Lichtquelle ausgehen. Diese sichtbaren Flecken, oder Artefakte, werden Ghosting genannt. Verwechsle dies nicht mit dem Bokeh, was ein Unschärfeeffekt im Hintergrund ist, der durch dein Objektiv erzeugt wird.

Veiling.

In manchen Fällen bedeckt ein Lichtschleier (engl. „veil“) die gesamte Szene, was zu verwaschenen, kontrastarmen Fotos führen kann. Dieser alles überlagernde Schleiereffekt wird „Veiling“ genannt. Er tritt auf, wenn die Lichtquelle außerhalb des Rahmens und seitlich des Objektivs liegt, die Strahlen aber immer noch auf das vordere Element des Objektivs treffen. Das Veiling kann absichtlich eingesetzt werden, um eine weiche, warme Stimmung für dein Foto zu schaffen. Aber wenn du es übertreibst, könnte dein Foto so verwaschen aussehen, dass es letztlich unbrauchbar wird.

Starburst.

Ein Starburst-Effekt entsteht, wenn du mit einer kleineren Blende fotografierst, zum Beispiel f/11 oder f/16. Die Blende ist die einstellbare Öffnung im Kameraobjektiv, über die du steuerst, wie viel Licht auf den Sensor einfällt. Bei kleineren Blenden kommt weniger Licht durch, was die Sonne als kleinen und sternförmigen Lichtstrahl erscheinen lässt.

Anamorpher Lens Flare.

In der Filmproduktion ermöglichen anamorphe Objektive ein breiteres Sichtfeld ohne Verzerrung. Das liegt zum Teil an ihrer rechteckigen Form und den horizontal ausgerichteten Linsen. Genau diese Bauweise erzeugt auch die typischen waagerechten Lichtreflexe. Regisseur J. J. Abrams nutzt anamorphe Lens Flares bekanntermaßen sehr gerne – achte beim nächsten Mal einfach darauf, wenn du einen seiner Filme schaust.

So gelingt dir ein Lens-Flare-Effekt.

Um Lens Flare zu erhalten, richte deine Kamera direkt in die Sonne oder auf eine andere Lichtquelle. „Das Beste, was du tun kannst, ist, aus vielen verschiedenen Blickwinkeln zu fotografieren, sodass du, selbst wenn einige verwackelt sind, sehen kannst, was funktioniert und was nicht“, rät dazu die Fotografin Martha Galvan. Es kann einige Versuche erfordern, da die Art der Blendenflecken letztlich von einer Reihe von Faktoren abhängt. Dazu gehören:

Kameraobjektiv und -gehäuse.

Unterschiedliches Equipment führt zu unterschiedlichen Ergebnissen, was die Blendenflecken betrifft. Ein 85-mm-Objektiv von Nikon beispielsweise gibt Blendenflecken anders wieder als ein 16-mm–35-mm-Objektiv von Canon. Ebenso erzeugt eine spiegellose Digitalkamera von Sony einen anderen Effekt als eine Leica-Filmkamera.

Die meisten modernen Objektive sind mit einer Antireflexionsbeschichtung versehen, die Blendeffekte verhindert. Daher wirst du vielleicht mehr Erfolg beim Einfangen von Lense Flare haben, wenn du ein älteres Objektiv verwendest. UV-Filter, Polarisationsfilter oder Neutraldichtefilter können ebenfalls die Menge an Streulicht reduzieren, die du einfangen kannst. Ebenso verfügen viele Objektive über eine Streulichtblende, um Blendenflecken zu vermeiden. Wenn du also bewusst Blendenflecken erzeugen willst, musst du die Streulichtblende abnehmen.

Ein Fotograf richtet eine Kamera auf einem Stativ auf einer Wüstendüne ein, während im Hintergrund die Sonne untergeht

Brennweite.

Zoom-Objektive erzeugen mehr Sonnenblendeffekte, da die höhere Anzahl der einzelnen Linsen im Objektiv die Anzahl der internen Reflexionen innerhalb der Kamera verstärkt, die Blendenflecken verursachen. Weitwinkelobjektive hingegen lassen Lichtquellen aufgrund der kürzeren Brennweite kleiner erscheinen.

Blende.

Die Blende hat einen großen Einfluss auf das Ergebnis deines Blendenflecks. Bei größeren Blenden erscheint die Sonne größer und diffuser, und die Blendenfleck-Effekte haben weichere Formen. Wenn du dich für eine Weitwinkelaufnahme entscheidest, achte auf die geringe Tiefenschärfe und stelle sicher, dass dein Motiv im Fokus ist. Kleinere Blendenwerte wie f/16 lassen weniger Licht einfallen, wodurch das Objektiv die Sonne als kleines, sternförmiges Muster abbilden kann.

Ein Leuchtturm neben einer grasbewachsenen Düne, und die Sonne scheint durch eine Baumgruppe hindurch und erzeugt einen Blendenfleck
Bild von Aubry Healy

Tageszeit.

Bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, unter Fotografen als die Goldene Stunde bekannt, steht die Sonne tiefer am Himmel. Zu diesen Zeiten ist es einfacher, die Sonne im Bild einzufangen und so einen Blendenfleck-Effekt zu erzeugen. Außerdem ist das Licht dann weicher und auf natürliche Weise diffuser. „Ich beginne meine Porträt-Sessions immer etwa eine Stunde, bevor die Sonne untergeht“, ergänzt die Fotografin Stephanie DeFranco und erzählt, wie sie den Lichteffekt einer tief stehenden Sonne ausnutzt.

Wie man Blendenflecken im Studio erzeugt.

„Im Studio ist es einfacher, den gewünschten Blendenfleck zu erzeugen, weil man mehr Kontrolle über das Licht und seine Intensität, Farbe und Höhe hat“, weiß Martha Galvan. Wenn du versuchst, bei Außenaufnahmen Blendenflecken einzufangen, läufst du Gefahr, ein verwaschenes, von hinten beleuchtetes oder silhouettenartiges Foto aufzunehmen. Aber in einer Studioumgebung hast du die Möglichkeit, ein Licht oder einen Reflektor zurück auf das Motiv zu richten, um die Belichtung auszugleichen.

Das Einstellungsfenster für Blendenflecken in Adobe Photoshop über einer Luftaufnahme eines felsigen Canyons

Wie man in Adobe Photoshop einen Blendenfleck hinzufügt.

Wenn du dir das Ausprobieren ganz sparen willst, kannst du in der Nachbearbeitung einen hochwertigen künstlichen Blendenfleck erzeugen, indem du diese einfachen Schritte befolgst.


1. Öffne dein Foto in Photoshop.


2. Erstelle eine neue Ebene. Gehe zu „Bearbeiten“ › „Füllung“ und fülle die Ebene mit 50 % grau.


3. Lege als Überblendungsmodus „Überlagerung“ fest.


4. Gehe zu „Filter“ › „Rendern“ › „Blendenfleck“. Wähle aus, welche Art von Blendenfleck du simulieren möchtest.


5. Positioniere deinen Blendenfleck, und klicke dann auf „OK“.


Um diese Vorgehensweise in Aktion zu sehen, schaue dir dieses Tutorial an. Es zeigt, wie man in Photoshop Blendenflecken hinzufügt und entfernt.
Ein Paar, das sich umarmt, während es auf einem Steg am See steht, mit einem Blendenfleck über ihnen
Bild von Stephanie DeFranco

Mache den Blendenfleck-Look perfekt.

Achte auf dein Belichtungsdreieck.

Wenn es um Lens Flare geht, ist die Blende der Star der Show. Wie weit oder eng du deine Blende einstellst, hat den größten Einfluss darauf, wie deine endgültige Aufnahme ausfällt. Das bedeutet, dass du die anderen Komponenten deines Belichtungsdreiecks – Verschlusszeit und ISO-Wert – ausbalancieren musst, damit du dein Foto richtig belichtest. Da du in der Regel den ISO-Wert so niedrig wie möglich halten willst, um das Rauschen in deinem Foto zu minimieren, ist die Verschlusszeit der Faktor mit der größten Flexibilität.

Nimm dir Zeit zum Ausprobieren.

Mitten in einer Portraitsession kann es schwerfallen, sich die Zeit zu nehmen, die Einstellungen sorgfältig abzustimmen. Dennoch ermutigt DeFranco Fotografinnen und Fotografen, dem Drang zur Eile zu widerstehen: „Nimm dir einen Moment, um innezuhalten und genau hinzuschauen, was du tust." Wer im entscheidenden Augenblick ein paar Sekunden mehr investiert, spart sich stundenlange Korrekturen – und vermeidet eine Speicherkarte voller unbrauchbarer Aufnahmen.

Wie man Lens Flare minimiert.

Lens Flare verleiht manchen Fotos einen besonderen Reiz – in anderen wirkt es hingegen störend. Ist das Licht zu intensiv, lässt es sich durch Streuung abschwächen. „Es geht immer darum, das Licht zu kontrollieren“, sagt Galvan. „Wenn Bäume in der Nähe sind, kannst du dein Motiv unter ihnen positionieren, um das Licht teilweise abzuschirmen." Ob Diffusor oder natürliches Hindernis – nutze das vorhandene Licht so, dass es für dich arbeitet, nicht gegen dich.

Du kannst das Licht auch mit ein paar anderen Methoden in Schach halten:

  • Verwende eine Gegenlichtblende.
  • Fotografiere mit der Lichtquelle im Rücken.
  • Sorge dafür, dass dein Objektiv sauber ist. Staub im Inneren kann Schleier verursachen, während Verschmutzungen auf der Vorderseite des Objektivs unerwünschte Blendenflecken erzeugen können.
  • Verwende einen hochwertigen Filter.

Ob du deinen Porträts einen weichen, verträumten Look verleihen oder eine Landschaft mit Sonnenstrahlen zum Leben erwecken möchtest – Experimentieren ist der Schlüssel zu deinen eigenen Lens-Flare-Aufnahmen. Probiere neue Dinge aus und lasse dich nicht entmutigen, wenn der gewünschte Effekt nicht sofort gelingt. Sobald du deine Bilder perfektionieren möchtest, importiere sie in Lightroom, um das Beste aus jedem Bild herauszuholen.