Bokeh-Effekt: Unschärfe in Bildern einsetzen

Lerne alles über den Bokeh-Effekt und spiele mit der Schärfentiefe, um in deinen Fotos faszinierende Unschärfeeffekte zu erzielen.

Verschwommene Stadt bei Nacht

Jeder Fotograf besitzt seine eigene Vorliebe für Stilmittel, die ihn auszeichnet. Der Bokeh-Effekt ergänzt dieses Portfolio: Mit dem Einsatz von Hintergrundschärfe wird dem eigentlichen Motiv im Fokus noch stärkere Bedeutung verliehen. Aber wie wird dieses Stilmittel richtig eingesetzt? In unserem Guide geben wir dir hilfreiche Tipps und nützliche Praxisinformationen an die Hand, damit deine Fotos zum echten Highlight werden.

 

Was dich erwartet:

 

Was ist der Bokeh-Effekt?

Wenn du dich für Fotografie und Kunst interessiert, ist dir der Bokeh-Effekt garantiert schon in vielen Fällen unbewusst begegnet. Der Effekt sorgt bei Aufnahmen für einen Hintergrund, der in die Unschärfe verlagert wird. Auf diese Weise wird das Motiv im Vordergrund noch stärker in den Mittelpunkt gerückt und erhält eine ästhetische Note.

Bokeh Effekt mit Stadtlichtern dargestellt

Bokeh mit der Kamera

Bokeh wird als besonders wahrgenommen, da das menschliche Auge diesen Effekt in der Realität nicht reproduzieren kann. Unsere Augen sind so entwickelt, dass automatisch eine Schärfe festgelegt wird, sobald wir die Augen auf ein Zielobjekt ausrichten. Das verschwommene Umfeld nehmen wir nur unterbewusst wahr. Nur speziellen Kameras gelingt es, die Motive mit Bokeh zu fotografieren. 

Blätter eines Ahornbaums im Herbst

Bokeh-Effekt in der Nachbearbeitung

In den meisten Fällen wird der Effekt erst in der Nachbearbeitung hinzugefügt. Dabei kann es sich um sehr intensive Eingriffe in das Bild handeln, die kaum einen erkennbaren Hintergrund zurücklassen. Andererseits kann ein leicht weichgezeichneter Background mit den Wahrnehmungen des Betrachters spielen und spannende Emotionen auslösen.

Ursprünglich stammt die Bezeichnung aus der japanischen Sprache und lässt sich mit „Nebel“ oder „Schleier“ übersetzen. Diese Definition trifft es sehr genau, denn auf den Bildern wirken die Unschärfen durchaus wie ein Nebelband, das sich durch das Bild zieht. Wie stark die Hintergrundschärfe eingesetzt wird, hängt vom Künstler selbst ab.

 

So erzielst du die besten Aufnahmen mit Bokeh-Effekt

Um sich mit dem Effekt zu beschäftigen, musst du deine eigene Kamera gut kennen. Einstellungen und Justierungen sind nötig, um den interessanten Bokeh-Hintergrundeffekt auf Bildern einzufangen.

Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Die folgenden drei Faustregeln helfen dir bei der Fotografie:

  • Große Kamerasensoren sorgen für mehr Bokeh als kleine Sensoren. Spiegelreflexkameras ermöglichen mehr Spiel mit dem Hintergrund als kompakte Digitalkameras. Verschwommene Hintergründe sind mit letzterer Variante kaum noch möglich.
  • Wer zusätzliche Objektive nutzen möchte, sollte auf Teleobjektive setzen. Ihr Potenzial, Unschärfe in den Bokeh-Hintergrund zu bekommen, ist deutlich größer als bei Weitwinkelobjektiven.
  • Je offener die Blende, umso unschärfer der Hintergrund.

 

Nutze diese Grundregeln, um den Bokeh-Effekt auf Bildern zu erzielen. 

In 5 Schritten zum Bokeh-Effekt

Ein detaillierter Blick in die einzelnen Schritte, die zu einem interessanten Ergebnis deiner Arbeiten führen, geben dir weitere Infos:

 

1.  Nutze statische Motive

Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Damit du die Verlagerung von Hintergrundunschärfe und scharfem Frontmotiv erhältst, übe am besten mit einem statischen Motiv. Stillleben, Portraits oder Detailaufnahmen eignen sich bestens für erste Versuche. Fotomotive mit Bewegung sind um einiges schwieriger festzuhalten – nutze sie daher erst, nachdem du bei den statischen Motiven gute Ergebnisse erzielt hast.

 

Durch die Probeaufnahmen findest du heraus, wie scharf oder unscharf der Bokeh-Hintergrund werden soll. Wie in allen Bereichen, ist das richtige Maß entscheidend, um ein traumhaftes Bild zu schießen.

 

Wenn im Hintergrund keine Kontur zu erkennen ist, hast du den Bokeh-Effekt ausgereizt. Der Hintergrund sollte jedoch noch erahnen lassen, was sich dort befindet. Stative helfen dir, einen festen Stand für deine Ausrüstung zu sichern. Unruhige Hände oder unbeabsichtigte Bewegungen sind somit ausgeschlossen.

 

2.  Achte auf Verschlusszeiten

Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Unter der Verschlusszeit definieren Fotografen den Zeitraum, der es dem Licht ermöglicht, durch die offenen Verschluss auf den Sensor oder den Film zu gelangen. Dieser Wert wird in Tausendstelsekunden gemessen.

 

Das Zusammenspiel von Blendenöffnung und Verschlusszeit sorgt für den gewünschten Effekt. Du wirst sehen, wie sich die Veränderungen im Bokeh bemerkbar machen. Hier liegt es an dir, zu experimentieren und deine gewünschte Tiefenschärfe zu finden.

 

3.  Überprüfe die Blendenöffnung

Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Die Blendenöffnung orientiert sich an der Ausstattung der Kamera. Wenn dir ein Objektiv zur Verfügung steht, kannst du mit der Blendenöffnung die Unschärfe noch maximieren. Hierzu sollte die Zeitautomatik der Kamera eingeschaltet werden. Im Anschluss muss die Blende von Hand festgelegt werden, woraufhin die Kamera die passende Belichtungszeit errechnet.

 

Ein maximales Bokeh wird mit einer maximalen Blende erreicht. Jedoch ist eine komplett geöffnete Blende nur bedingt zu empfehlen. Das fokussierte Motiv im Vordergrund wird dadurch noch schärfer und zeichnet sich zu hart vor dem Hintergrund ab. Im Gesamteindruck wirkt das Bild unnatürlich komponiert. Ziel ist es jedoch, eine homogene Einheit mit Akzenten zu schaffen. Je nach Objektiv sind die Blenden 1,4 bis 3,3 die passende Wahl für dein Foto. 

 

4.  Halte die Position

Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Bewegungen solltest du beim Erstellen deiner Fotos vermeiden. Nur wenn die Kamera still bleibt und der Fokus beibehalten wird, kannst du den Bokeh-Effekt kreieren. Ein Stativ ist bei der Arbeit daher absolut notwendig. Der Einsatz eines Statives hilft dir auch, den richtigen Abstand zum Fotomotiv zu halten. Je nachdem, wie weit du dich vom Motiv entfernst oder dich dem Motiv näherst, beeinflusst du das Ergebnis.

 

Die Entscheidung, ob mehr Details im Vordergrund sichtbar sein sollen oder der Übergang in die Unschärfe im Zentrum deines Fotos steht, triffts allein du. Teste dich aus und spiele mit den Abständen.

 

5.  Behalte dein Motiv im Fokus

Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Fotografie ist Handarbeit: Bei der Wahl des richtigen Fokus solltest du für ein individuelles Ergebnis den Autofokus abschalten. Nutze die Einstellungen und rücke dein Motiv in das gewünschte Licht.

 

„Du willst bestimmen, was im Fokus stehen sollte, und nicht die Kamera. Der Unterschied kann sehr groß sein.“ - Fotografin Khara Plicanic.

 

Diese fünf Schritte solltest du bei den Aufnahmen prüfen und im Zweifel korrigieren. Jede Veränderung am Motiv setzt eine Neueinstellung der Kamera voraus. Ruhe und Geduld sind somit ein wichtiger Bestandteil beim Shooting.

 

Nachbearbeitung mit Photoshop: Bokeh auf Hintergründe anwenden

Nicht immer gelingt es, den Hintergrund mit dem richtigen Bokeh fotografieren zu können. Kleinigkeiten führen zu einer suboptimalen Unschärfe im Bild, die durch den Bildaufbau allein gestört werden können. Als Fotograf solltest du eine gewisse Experimentierfreude mitbringen, um Hintergründe zu optimieren, umzugestalten oder nach deinen Wünschen zu verändern.

 

Wenn du den Bokeh-Effekt im Nachhinein kreieren möchtest, helfen dir unsere Tools weiter. Mit Adobe Photoshop kannst du mit Weichzeichnern und weiteren Hilfsmitteln deinem Endergebnis zum perfekten Look nachhelfen. Die nachträgliche Bearbeitung ist dabei als hilfreiches Wunder zu verstehen, das Kompositionen erschafft, die kaum eine Kamera von Natur aus produzieren kann.  

Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Fotos mit Gefühl weichzeichnen

Fünf Schritte zum großen Kunstwerk. Wenn du beim Shooting nicht das optimale Ergebnis erzielt hast und der Bokeh einer Nachbearbeitung verlangt, kannst du mit Photoshop die richtige Feinjustierung vornehmen.

 

Um die Originale nicht in ihrem ursprünglichen Zustand zu verändern, achte darauf, vor jeder Bearbeitung eine Kopie des Originals anzulegen. Auf diese Weise kannst du immer wieder zum Ursprung zurückkehren und sicherst dir das Unikat. Mit der Kopie des Bildes kannst du nun an die Postproduktion gehen.

 

  • Wandele dein Bild in ein Smart-Objekt um
Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Mit einer Kopie zu arbeiten, sichert dir dein Originalbild. Adobe Photoshop eröffnet dir jedoch noch weitere Möglichkeiten, um die Arbeit an deinem aktuellen Projekt so flexibel wie möglich zu gestalten.

 

Deine Fotografie solltest du als Smart-Objekt anlegen, um verschiedene Fortschritte und Änderungen bei Bedenken umzukehren. Durch das Zuschalten von verschiedenen Ebenen verleihst du deinem Bild mehrere Schichten. Schritt für Schritt tastet du dich durch die verschiedenen Werkzeuge an die finale Version heran. Bedenke aber: Für jede Änderung lege eine weitere Ebene an.

 

  • Zeichne deinen Hintergrund weich
Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Mit einem Klick ein weichgezeichnetes Bild erhalten. Was schnell klingt, verlangt intensive Konzentration. Dein gesamtes Bild soll natürlich nicht hinter einem Schleier verborgen sein, sondern nur punktuelle Unschärfen aufzeigen.

 

Weichzeichner und unterschiedlich gesetzte Pins bestimmen die Bereiche, die unscharf erscheinen sollen. Anhand der Skala kannst du den Weichzeichnergrad variieren. Für die Atmosphäre und die Wirkung eines Bildes ist es wichtig, dass verschiedene Stufen in einem Bild vorhanden sind. So schaffst du Abwechslung und verleihst dem Bild deine eigene Note.

 

  • Füge Bewegungsunschärfe hinzu
Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Stillleben, die sich bewegen? Der Einsatz von Bewegungsunschärfe suggeriert beim Betrachter deines Fotos Bewegungen im Bild. Diese erzielst du mit Unschärfen, die sich alle in eine Richtung ausrichten. Anders als die Unschärfe im Hintergrund, die mit Tiefenverhältnissen spielt, wird die Bewegungsunschärfe von links nach rechts oder umgekehrt festgelegt.


Erfahrene Fotografen, die Motive in Bewegung fotografieren, erzeugen auf ihren Fotos mit diesem Hilfsmittel Schnelligkeit, Tempo und Spannung. Eine Option, die bewusst eingesetzt werden sollte.

 

  • Optimiere und definiere dein Bild
Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Die Auswahl deines Fokusbildes, die Eingrenzung der Unschärfebereich und die Bewegungsunschärfe haben schon viele Parameter in deinem Bild beeinflusst. Einige Segmente des Bildes strahlen durch ihre Ursprünglichkeit jedoch einen besonderen Reiz aus, inmitten der bearbeiteten Flächen. Die Isolation solcher Fotobereiche ist wichtig.

 

Meist sind der Bildfokus und der isolierte Bereich eine Einheit. Durch Tests und Experimente kannst du jedoch viele Einsichten in deine Arbeit gewinnen. Du definierst dein Bild und entscheidest, was gut ist und wo noch weitere Anpassungen stattfinden müssen.

 

  • Lege Pfade an
Wassertropfen auf Gräsern und Blättern

Um deinem Foto mehr Aktion und Bewegung zu verleihen, bietet es sich an, Pfade in deinem Foto zu integrieren. Anhand der Bewegungsrichtungen kannst du somit verschiedene Abläufe simulieren. Statt der einseitigen Bewegungsunschärfe integrierst du mit jedem Pfad eine neue Bewegungsrichtung.

 

Besonders bei abgelichteten Personen ergibt der Einsatz dieses Werkzeuges Sinn. Tänzer oder Artisten vereinen verschiedene Bewegungsrichtungen in einer Sekunde. Die Arme gehen nach oben, während Beine in eleganter Ausführung zur Seite bewegt werden. Diese Abläufe lassen sich auf einem statischen Bild nicht festhalten. Das Anlegen der Pfade hilft dir dabei, den Moment zu reproduzieren.

 

Die Vielfalt, die dir Photoshop für deine Bildbearbeitung anbietet, ist riesig. Probiere verschiedene Effekte aus und teste ihre Wirkung. Für jeden Schritt findest du entsprechende Klickpfade, die dir zeigen, wie du dein Ergebnis verfeinern kannst. Wie sich die Anwendungen einsetzen lassen, zeigt dir unser detaillierter Guide, in dem du Klick für Klick die genannten Hilfsmittel ausprobieren kannst.

Mit Übung zum idealen Bokeh-Effekt

Gib nicht auf, wenn dir der Bokeh-Effekt nicht auf Anhieb wie gewünscht gelingt. Bestsellerautorin und Fotografin Carli Davidson kann sich noch sehr gut an ihre Anfänge erinnern, die zum Großteil aus Wiederholungen und einfachen Bildkonstellationen bestanden. Fotografieren, positionieren, Fokus setzen: Was nach Routine klingt, gehört zur fundamentalen Basis, die den Bokeh-Effekt in Bildern erst möglich macht.

 

„Ich musste diese Schritte immer wieder wiederholen, bis es in Fleisch und Blut überging. Wenn man lange daran arbeitet, wird das Auge irgendwann zum Lichtmessgerät. Man begreift immer mehr, welcher Einstellungen es bedarf, um einen bestimmten Effekt zu erzielen“ – Carli Davidson

 

Für Einsteiger, die sich langsam an die Welt der Fotografie herantasten, ist der Bokeh-Effekt eine anspruchsvolle Leistung. Mit jedem weiteren Bild und dem vertrauten Umgang mit deiner Kamera näherst du dich dem Erfolg. Je mehr Mühe und Arbeit du in deine Fotografien investierst, umso ausdrucksstärker werden die Ergebnisse sein.

 

Gemeinsam mit der nachträglichen Bearbeitung deiner Bilder kannst du dank der Bokeh Fotografie Anleitung neue Wirkungen erzielen. Lass dich von der Natur und deinem Umfeld inspirieren und finde in Blumen, Landschaften oder Alltagssituationen einzigartige Motive.