Fotografie
Die Grundlagen der Bildkomposition.
Gewinne die Aufmerksamkeit der Betrachtenden – mit bewährten Methoden für den Bildaufbau, die dir zeigen, wo du das zentrale Motiv deines Fotos platzieren solltest.
Fotografie
Gewinne die Aufmerksamkeit der Betrachtenden – mit bewährten Methoden für den Bildaufbau, die dir zeigen, wo du das zentrale Motiv deines Fotos platzieren solltest.
Unterteile dein Bild in Quadranten, und versuche, beim Verteilen der Elemente die Drittelregel einzuhalten. Mache dir negativen Raum zunutze, und steuere die optische Gewichtung mithilfe der Sättigung. Entwickle auch einen Blick für Elemente, die den ausgewogenen Eindruck stören, damit du sie beim nächsten Mal gleich korrigieren kannst.
Die Drittelregel ist eine an den goldenen Schnitt angelehnte Methode, das Bild für einen optimalen Aufbau aufzuteilen. Dabei wird das Bild in gleichen Abständen mit zwei horizontalen und zwei vertikalen Hilfslinien geteilt, wodurch ein Raster mit neun gleich großen Teilen entsteht. Um eine harmonische Komposition zu erzielen, wird das Motiv an einem der Schnittpunkte der Linien oder entlang der Linien platziert. Das Foto wirkt so viel spannender, als wenn sich das Motiv einfach in der Mitte befindet. „Du suchst das Foto mit deinen Augen ab, um die Motive zu entdecken“, sagt Long. Ein Bild, das nur in einem Bereich ein interessantes Motiv aufweist, ist weniger gelungen als ein Foto, das in allen Teilen interessant ist.
Die Ausgewogenheit ist mit der Symmetrie verwandt, bedeutet aber nicht dasselbe. Ein ausgewogenes Bild sieht nicht zwangsläufig auf beiden Hälften gleich aus. Vielmehr ergänzen sich die verschiedenen Bildbereiche ansprechend miteinander. Die Betrachtenden scannen das Foto, suchen ein interessantes Motiv und ein anderes Element, das komplementär zu diesem Motiv ist – z. B. ein zweites Motiv, das in der anderen Bildhälfte zu sehen ist. „Bei komplizierten Fotos, auf denen viele Einzelheiten zu sehen sind, ziehen wir beim Betrachten oft Parallelen“, sagt Long. „Das kann auf positive Weise erfrischen, verwirrend und lästig sein.“
Schrille oder leuchtende Farben ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und stören oder verkomplizieren das Bild. „Die Sättigung bestimmter Farbtöne zieht das Auge magisch an“, sagt Long. „Wenn ein Teil des Bilds optisch mehr Gewicht haben soll, lässt sich dies oft durch eine höhere Sättigung oder Luminanz erreichen.“
Unausgewogene Fotos wirken schnell verwirrend oder unprofessionell. „Fehlt einem Bild die Balance, entsteht ein Gefühl der Unruhe“, sagt Long. „Meistens wünschen wir uns einen harmonischen Fluss im Bild.“ Elemente auf der linken Seite korrespondieren mit denen auf der rechten – und oft kreisen sie um etwas in der Mitte. Wie ein Gespür für Ästhetik oder eine gute Intuition für Bilder entwickelt sich auch das Erkennen von Balance durch Übung. „Balance lässt sich nicht wirklich beibringen“, sagt Long. „Das Gespür dafür kommt, wenn man sich Dinge anschaut.“ Je mehr du arbeitest, desto besser verstehst du, wie die einzelnen Bildelemente zusammenwirken.
Bei Fotos werden dreidimensionale Motive auf die Zweidimensionalität reduziert. Um das Gefühl von Raum und Dimensionalität zu wahren, müssen Fotografierende wissen, welche Elemente sich auf einer Aufnahme befinden und wie scharf sie abgebildet werden sollen.
Führungslinien sind visuelle Elemente, die das Auge der Betrachtenden auf ein Motiv oder einen Fokuspunkt lenken. Dabei kann es sich um alles handeln, was die Aufmerksamkeit auf ein anderes Objekt lenkt: Straßen, die auf den Horizont zulaufen, ein Arm, der in Richtung eines Motivs ausgestreckt ist, oder die Äste eines Baumes, die in den Himmel ragen. Solche Linien verleihen flachen Oberflächen Tiefe, Dimension und Form.
Der Fokus und die Tiefenschärfe unterstützen ebenfalls die Illusion der Dreidimensionalität im Foto. Bei einer geringen Tiefenschärfe haben die Betrachtenden das Gefühl, auf ein Objekt zu schauen, das sich direkt vor ihnen befindet. Selbst in einem flachen Bild entsteht so der Eindruck von Tiefe und Maßstab.
Wer mit der Komposition spielen möchte, sollte sich bewegen. Allein eine veränderte Perspektive kann den Unterschied zwischen einem großartigen und einem gewöhnlichen Foto ausmachen. „Letztendlich entscheiden wir nur, was wir ins Bild einbeziehen und was nicht“, sagt Long.
Experimentiere mit Abstand und Nähe zu deinem Motiv. „Ich bewege mich viel“, sagt Rivera. „Ich gehe sehr tief runter oder sehr weit rauf. Ich schaue, wie es wirkt, wenn ich unter mein Motiv gehe, oder was passiert, wenn es sich seitwärts bewegt." Näher ran, weiter weg – probiere verschiedene Positionen aus und finde heraus, wie du dein Motiv am besten ins Bild setzen möchtest.
Zu guter Letzt solltest du bei der Bildkomposition auch berücksichtigen, wofür das Foto am Ende verwendet werden soll. „Vielleicht wird Text auf dem Bild platziert, vielleicht soll dein Foto das Cover einer Zeitschrift zieren“, so Rivera. Denke an die spätere Nutzung, wenn du dein Bild komponierst, und stelle dir schon beim Fotografieren das Endergebnis vor.
Wenn du mit der Bildgestaltung nicht zufrieden bist, kannst du sie in vielen Fällen bei der Nachbearbeitung mit einem schnellen Zuschnitt optimieren. Vielleicht ist das Motiv nicht ideal platziert. Indem du den Rand des Bildrahmens verschiebst, kannst du aus diesem mittelmäßigen Bild noch ein gutes machen.
Wenn du alte Fotos durchschaust, versuche einmal, sie aus einem anderen Blickwinkel, einer anderen Perspektive zu betrachten. „Spiele mit der Bildrotation“, sagt Rivera. „Du kannst das Bild beim Zuschneiden drehen, spiegeln oder auf den Kopf stellen. Manchmal ergibt sich daraus etwas ganz Neues.“
Um gute Fotos aufzunehmen, reicht es nicht aus, einfach die Regeln der Bildgestaltung zu befolgen. Man kann beispielsweise die Drittelregel auch ohne Sinn und Zweck einhalten. Dir muss klar sein, dass die Methoden der Komposition keine Algorithmen oder Formeln sind. Sie unterstützen aber die Fähigkeiten der Fotografierenden, Entscheidungen zu treffen – ein Ersatz dafür sind sie nicht. „Führungslinien sind eine tolle Sache. Aber sie müssen den Blick auch zu meinem Motiv lenken, nicht ins Nirgendwo“, sagt Long.
Die Regeln der Bildkomposition sind die Grundlage. Wenn du diese Prinzipien verinnerlicht hast, kannst du auch bewusst gegen die Regeln verstoßen. „Wenn du die Grundlagen beherrschst, kannst du experimentieren“, sagt Rivera. „Es gibt keine festen Regeln dafür, wie man irgendwas fotografieren muss. Das ist das Schöne an der Kunst. Man kann seine eigenen Regeln und seine eigene Bildsprache bestimmen.“
Gute Fotografen und Fotografinnen haben ein Auge für Motive und Szenen. Die Komposition ist ein Werkzeug, das sie nutzen können, um anderen Menschen das Gesehene zu zeigen. Sie erfassen Elemente aus ihrer Umwelt und ordnen sie mithilfe ihrer Ausrüstung und ihrer Fähigkeiten gefällig in einem Rechteck an. Das gilt für alle Arten der Fotografie: im normalen Rahmen für die Porträtfotografie, im großen Rahmen für die Landschaftsfotografie und im winzigen Rahmen für die Makrofotografie.
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