Ein kleiner Pixel Art Exkurs

Der Kunststil von Final Fantasy und Super Mario World hat eine ganze neue Generation von Künstlern zur Schaffung von digitaler Retrokunst inspiriert. Pixelkünstler beziehen sich auf ältere Werke, schaffen neue Visionen und entwickeln sogar eigene Spiele.

Weltall Szene mit einem grünen Planeten, einem blauen Planeten und Sternen im Pixel Design

Erste Schritte mit Pixel Art

Der visuelle Stil des Atari 2600, des Nintendo Entertainment Systems, des Sega Genesis oder früher Computergrafiken hat Millionen Kreative beeinflusst – und tut dies weiterhin. Pixel Art speist sich aus diesem Einfluss und der damit einhergehenden Nostalgie. Aktuelle Spieleplattformen bieten natürlich eine deutlich bessere Auflösung als es die frühen Systeme vermochten. Dennoch haben die spezielle Ästhetik und besonders die damit verknüpfte emotionale Verbindung dieses pixeligen Stils auch heute noch ihren Reiz.

 

Was ist Pixel Art?

Pixel Art ist nicht einfach aus Pixeln bestehende Kunst. Vielmehr handelt es sich um Kunst, die die Ästhetik der frühen Computer- und Videospiele paraphrasiert. Dazu gehören Spiele von Pong bis hin zu Sonic the Hedgehog.

 

Die frühesten Videospiele hatten eine nur geringe Auflösung. Es war nicht möglich, die kleinen Quadrate visuell zu verstecken, aus denen die Welten von Space Invaders oder Donkey Kong aufgebaut waren – Pixel Art war also einfach eine Notwendigkeit. Die Künstler, die in den 1970er- und 1980er-Jahren Videospiele schufen, mussten innovativ sein und Bilder auf ihre rohe Essenz verdichten. Ein paar rote Pixel mussten für die Darstellung von Marios Mütze ausreichen, ein oder zwei Pixel standen für seine Hände oder sein Gesicht zur Verfügung.

 

Die 16-Bit-Ära der 1990er-Jahre ließ detailliertere Grafiken zu, der schöpferische Geist blieb jedoch derselbe. Die Künstler hatten zwar größere Flächen für ihre Arbeit zur Verfügung, arbeiteten aber weiterhin mit einzelnen Pixeln – und jedes einzelne spielte eine große Rolle für das Gesamtbild.

Videospiel im Mario Bros Design verpixelt

Zeichnen mit Pixeln

Pixel Art erfordert viel Liebe zum Detail. Anders als ein Maler, der sein Werk in groben Pinselstrichen vollenden kann, muss der Pixel Artist buchstäblich jedes einzelne Pixel seines Bildes platzieren. Ein geübter Pixel Artist kann die Urform seines Motivs erfassen und sogar noch vereinfachen.

 

Als Ausgangspunkt solltest du dir die Pixelcharaktere ansehen, die du schon immer bewundert hast. „Vorlagen aus dem realen Leben sind zum Pixeln lernen nicht besonders gut geeignet, anders als in anderen digitalen Kunstformen“, sagt der Pixel Artist Emi Monserrate. „Man muss neue Wege zur Vereinfachung komplexer Formen erlernen, wie beispielsweise für Hände oder Gesichtsausdrücke.“

 

Klassische Pixel Art neu zu schaffen, kann ein sehr mühsamer Prozess sein. Die bereits beschrittenen Pfade anderer Pixel Artists nachzuvollziehen, kann jedoch auch Inspiration liefern. Selbstverständlich darfst du nichts, was du kopiert hast, als dein eigenes Werk ausgeben. Wenn du mit bereits bestehenden Kunstwerken arbeitest, musst du die Urheber immer angemessen würdigen.

Mann schaut von rechts nach links und wird von blauen und roten Lichtern angeleuchtet verpixelt
Eine rot-weiße Rakete fliegt ins Weltall im Pixel Design
Ein Herz mit Schatten vor blauem Hintergrund verpixelt

Bild von Gerardo Quiroz

Werkzeuge für die Erstellung von Pixel Art

Potenziell eignet sich jede Anwendung, mit der man kleine Quadrate auf einem Raster ausrichten kann, als Pixeleditor. Adobe Photoshop bietet beispielsweise alle Grundfunktionen für die Erstellung von Pixel-Art-Bildern. Mit Adobe Illustrator lassen sich Werke auf einem Pixelraster anordnen, um die für ansprechende Retrobilder notwendige Detailkontrolle zu erlangen.

 

Unabhängig vom eingesetzten Programm wirst du viel Zeit mit den Werkzeugen Bleistift und Linien verbringen. Pixel Artists nutzen zwar auch die Werkzeuge Füllung und Pinsel bei ihrer Arbeit, aber sehr bewusst und sparsam – ein einziger Pixel kann einen entscheidenden Unterschied ausmachen. Die Software muss es also ermöglichen, einzelne Pixel gezielt und einfach zu verschieben.

 

Vermeide es außerdem, deine Pixel Art im JPG-Format abzuspeichern. Die Dateiformate PNG oder GIF eignen sich am besten. JPG ist ein weit verbreiteter Dateityp und oft auch der Standard. Die bei JPG angewendete Komprimierung kann jedoch die Qualität des Pixel-Art-Werks beeinträchtigen und die pixelgenaue Arbeit des Künstlers zunichtemachen.

 

Karriere als Pixel Artist

Pixel Art hat auch heute noch viele Anhänger. Online-Communitys wie Behance ermöglichen es den Künstlern, ihre Werke und Portfolios zu präsentieren und so ihre Arbeit möglichen Auftraggebern vorzustellen. Das Zeichnen von Klassikern wie Kirby, Pokémon oder Pac Man macht natürlich Spaß, aber Social-Media-Accounts wie Pixel Dailies ermutigen Künstler eher dazu, Werke zu bestimmten Themen zu erstellen, wie Frühstück, Sagenhelden, Zombie-Apokalypse oder Entspannung. Ein wenig Inspiration ist manchmal alles, was du beim nächsten Pixel-Art-Werk für einen guten Start brauchst.

 

Es besteht durchaus eine Nachfrage nach Pixel Art, allerdings handelt es sich doch eher um eine Nische. Der größte Bedarf besteht dabei in der Spielebranche. Viele moderne Videospiele wie Shovel Knight oder Enter the Gungeon empfinden die Grafikgestaltung des NES nach, auch wenn sie natürlich für moderne Konsolen und PCs entwickelt werden.

Schneebedeckte Berge hinter Tannenwald bei Sternennacht im Pixel Design

Videospiele sind immer Teamprojekte. Eine gute Möglichkeit für angehende Pixel Artists, sich in größere Teams einzufinden, ist die Teilnahme an Game Jams (Veranstaltungen, bei denen Entwickler, Künstler, Autoren und Designer mit einem engen Zeitplan zusammenarbeiten und ein Spiel entwickeln). „Kunst wird gebraucht. Sie bietet eine tolle Möglichkeit, sich an etwas Komplexem zu beteiligen“, so Monserrate. „Wenn man in einem Team an einem Projekt mit engen Zeitvorgaben arbeitet, entdeckt man schnell die eigenen Stärken und Grenzen.“

 

Die Zeit, in der Pixel Art eine feste Nachfrage verzeichnen konnte, ist wohl vorbei. Dennoch lebt sie als bewusst wählbare Kunstform weiter. Ob du nun für sich stehende Bildwerke, animierte Sprites oder deine eigenen Videospiele erschaffst – du wirst bei der Arbeit mit Pixeln immer Nostalgie hervorrufen. Aber Pixel Art ist mehr als Schwelgerei. Sprites mögen simpel sein, die Kunst dahinter ist dennoch so komplex, wie sie nur sein kann.

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