Bereichere deine Videos mit Bokeh-Effekten 

Dieser Effekt mit geringer Tiefenschärfe verleiht dem Videomaterial faszinierende Lichtphänomene, indem das Licht in der Aufnahme geformt wird. Mit Bokeh kannst du deine Aufnahmen ästhetischer wirken lassen.   

Einführung in Bokeh-Effekte

Bokeh ist eine Technik, mit der Fotografen und Kameraleute traumähnliche und künstlerisch unscharfe Effekte auf Fotos oder in Filmen erzeugen. Das Wort Bokeh stammt aus dem Japanischen und bedeutet „unscharf“ oder „verschwommen“. Häufig bezeichnet „Bokeh“ aber die ästhetische Qualität eines verschwommenen Bildes oder dessen Wirkung auf die Betrachter.
 

Bokeh wird mit den goldenen Kugelformen in den Bildern in Verbindung gebracht, die aus nicht fokussiertem Licht entstehen. „Für den durchschnittlichen Betrachter ist Bokeh das, was als ‚ästhetischer' oder als Gesamteindruck gilt“, so Filmemacher Colin Dougan.
 

Bokeh-Effekte und Bokeh-Videos lassen sich mit sorgfältigem und strategischem Einsatz der richtigen Objektive oder mit Bokeh-Effekten in Bearbeitungssoftware erzeugen. Beide Methoden sind effektiv, insbesondere mit den digitalen Werkzeugen, mit denen du deinem Filmmaterial beeindruckende Effekte hinzufügen kannst.     

Video von Colin Dougan 

Ein klares Konzept

Viele Grundsätze der Bokeh-Fotografie lassen sich auch auf Bokeh-Effekte in Videos übertragen – ihr Einsatz sollte wohlüberlegt sein. Bevor du mit der Aufnahme beginnst, musst du deine Kompositionen im Voraus planen, damit die Bokeh-Effekte die gewünschte Wirkung erzielen.

       

Beim Storyboarding einer Szene solltest du dir eine genaue Vorstellung davon machen, wie du das verfügbare visuelle Feld nutzen kannst, um einen ästhetisch ansprechenden Bokeh-Hintergrund und -Vordergrund zu kreieren. Dann geht es an die Planung. Wichtig ist auch, dass sich deine Vorstellungen am Aufnahmetag tatsächlich umsetzen lassen. Denke dabei an die Beleuchtung, den Standort und das Skript oder Drehbuch. Baue dein Konzept am besten auf diesen drei „Gründen“ auf:

       

  •  Vordergrund: Objekte, die sich bei einer Aufnahme am nächsten zur Kamera befinden
     
  • Mittelgrund: Objekte in einer Szene, die den mittleren Raum einer Aufnahme einnehmen
     
  • Hintergrund: Die Hintergrundkulisse oder der Rahmen für den Mittel- und Vordergrund
        

Jeder dieser Szenenbereiche kann mit einem Bokeh-Effekt versehen werden. Wenn du deine Szenen und Aufnahmen vorbereitest, solltest du dir jedoch überlegen, wo und wann du einen Bokeh-Effekt einsetzen möchtest. So kannst du während einer Szene viele verschiedene Effekte erzeugen – von komisch bis dramatisch. In vielen beliebten Sitcoms wie The Office gelingt die Pointe oft dadurch, dass die Reaktion einer Figur auf etwas Lächerliches im Fokus steht. Das solltest du bei deinem Storyboard berücksichtigen. Und denke daran: Bokeh muss nicht zwangsläufig mit einem verschwommenen Hintergrund zu tun haben.

 

Bokeh mit der Kamera erzeugen

Überzeugende Weichzeichner- und Bokeh-Effekte kannst du mit vielen verschiedenen Objektiven erzeugen. Aber es gibt einige spezielle Richtlinien, Kameraeinstellungen und Tricks, die du kennen solltest, wenn du ästhetisch ansprechende Unschärfen in Videos erzeugen möchtest. 

Überzeugendes Bokeh durch schnelle Objektive

Für gute Bokeh-Effekte brauchst du ein schnelles Objektiv. „Schnell“ bedeutet, dass das Objektiv eine sehr weit geöffnete Blende hat, durch die wesentlich mehr Licht in die Kamera eindringen und den Film belichten oder auf den digitalen Sensor treffen kann. Die Blendenöffnung wird durch F-Zahlen gesteuert, mit denen die Blendenbreite eingestellt wird.

       

Platziere dein Objekt näher am Objektiv oder an einem bestimmten Fokuspunkt, um eine geringe Tiefenschärfe zu erreichen. Dadurch wird alles andere unscharf, und du kannst mit Bokeh-Effekten experimentieren. Nimm ein Objektiv mit einer Blendeneinstellung von 2,8 oder niedriger, um richtig wirkungsvolle Bokeh-Effekte zu erzielen. Noch besser ist eine große Blendenöffnung von 1,8 oder 1,4. Automatische F-Zahl-Anpassungen und bevorzugte Blendeneinstellungen erleichtern dir die Arbeit.

       

Denke daran, dass sich aggressive Bokeh-Effekte bei der Bearbeitung oft nur schwer anpassen lassen. Überlege dir also schon vor der Aufnahme, wie dein Videomaterial bearbeitet werden soll. „Bokeh sieht wirklich cool aus, aber dabei erhältst du nicht unbedingt das komplette Bild. Das kann die Möglichkeiten bei der Bearbeitung einschränken“, sagt Dougan.        

       

Zoom zoom zoom.

Zoom- und Teleobjektive eignen sich hervorragend für Bokeh. Mit diesen Objektiven kannst du kontrollierte Zoom-Effekte erzeugen, die es dir ermöglichen, den Fokuspunkt während der Aufnahme zu ändern und so für aufregende Bokeh-Wechsel zu sorgen. Ändere die Brennweite, indem du ein anderes Objektiv wählst. Dir wird möglicherweise auffallen, dass sich die Bokeh-Qualität von Objektiv zu Objektiv verschiebt.

       

Wenn du dich für den Autofokus entscheidest – was einige Kameraleute tun – solltest du einen bestimmten Fokusbereich festlegen, sodass der Kamerasensor die Prioritäten erkennt.    

       

Setting und Beleuchtung

Wenn du ein auffälliges Bokeh erzeugen möchtest, musst du über die Auswahl der Objektive hinausdenken. Das Setting und Blocking der einzelnen Szenen in deinem Video bestimmt, welches Bild du mit deiner Kamera aufnimmst. Wenn du einen leichten Bokeh-Effekt bevorzugst, solltest du darauf achten, dass die Lichtquellen im Hintergrund vorteilhaft angeordnet sind. Oder schaffe mithilfe eines Beleuchtungssets deine eigene Lichtkulisse.

       

Wenn du komplexe Bewegungen ausprobieren willst, bei denen du den Fokus und die Tiefenschärfe während der Aufnahme änderst, kann es sehr hilfreich sein, jede Szene zu proben und genau zu planen, wo sich die Schauspieler befinden werden. So kannst du beim Aufnehmen eine gute Unschärfe erreichen.       

 

Bokeh im Videoschneideraum 

Genauso effektiv, wenn auch etwas zeitintensiver, ist das Gestalten von Bokeh während der Postproduktion. Fokusverschiebungen und Bokeh-Effekte kannst du sowohl mit Adobe Premiere Pro als auch mit Adobe After Effects erzeugen. Denke aber beim Einsatz von Bokeh-Effekten daran, inwieweit diese die gesamte Szene ergänzen und verändern.    

Hinzufügen eines Bokeh-Effekts mit dem Werkzeug „Gaußscher Weichzeichner“ in Premiere Pro

Fokusverschiebung in Premiere Pro     

Mit Keyframes, Masken und dem Gaußschen Weichzeichner in Premiere Pro kannst du beeindruckende Fokusverschiebungen vornehmen. Dazu ist Fingerspitzengefühl erforderlich, doch mit den digitalen Keyframe-Werkzeugen kannst du eine überzeugende Veränderung bei Bokeh-Effekten erzielen. Dabei sind allerdings das Timing und der Rahmen genauso wichtig wie beim Versuch, diese Effekte auf physische Weise mit einem Kameraobjektiv zu erzeugen.

               

Plane im Voraus und denke an die Herausforderungen bei der Postproduktion. „Bei jeder Sekunde eines Videos hast du es mit mindestens 24 Frames zu tun. Änderungen in einem Video vorzunehmen, ist mit einem hohen Bearbeitungsaufwand verbunden, insbesondere bei bewegungsintensiven Aufnahmen“, erklärt Dougan.        

Erzeugen eines Bokeh-Effekts mit dem Effekt Kameralinsen-Weichzeichner in After Effects

Blur and sharpen in After Effects

Wenn du bei der Postproduktion starke Unschärfen und Bokeh-Effekte erzielen möchtest, hilft es, das Videomaterial nach After Effects zu verschieben. Mit einer großen Auswahl an verschiedenen Weichzeichnereffekten zur präzisen Materialbearbeitung kannst du das Look-and-Feel verschiedener Objektivtypen und Tiefenschärfeeffekte einfangen.

               

Bokeh und Tiefenschärfesteuerung sind „handwerkliche Werkzeuge“, aber nicht die einzigen, über die Kameraleute verfügen. In diesen Tutorials erfährst du mehr über weitere Konzepte der Filmproduktion.

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